Ein Mann spaziert mit Regenschirm vor dem Google-Logo | Bildquelle: REUTERS

Nach Sicherheitslücke Aus für Google+

Stand: 08.10.2018 21:12 Uhr

Die Google-Mutter Alphabet schließt ihr soziales Netzwerk Google+. Dem Unternehmen zufolge seien 500.000 Nutzerkonten von einer Sicherheitslücke betroffen gewesen. Das wusste das Unternehmen bereits seit März.

Das soziale Netzwerk Google+ ist für Verbraucher geschlossen. Damit reagierte die Google-Mutter Alphabet auf eine Software-Panne des Netzwerks. Durch eine Sicherheitslücke konnten externe App-Entwickler bis zu 500.000 Nutzerkonten einsehen, teilte das Unternehmen mit. Die Entwickler hätten Zugriff auf Namen, E-Mail-Adresse sowie Informationen über Beschäftigung, Geschlecht und Alter von Nutzern gehabt.

Andere Daten seien nicht betroffen gewesen. Der Fehler sei im März 2018 entdeckt und umgehend behoben worden. Die Lücke habe aber bereits seit 2015 bestanden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf interne Unterlagen des Internet-Konzerns. Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, aber auch nicht genug Informationen, um ihn vollständig auszuschließen, zitiert das Blatt aus den Unterlagen. Bis zu 438 Apps könnten auf die Schnittstelle mit der Datenlücke zugegriffen haben, hieß es.

Öffentlichkeit sollte nicht gleich informiert werden

Der Konzern habe sich im März dagegen entschieden, die Öffentlichkeit gleich über die Entdeckung zu informieren. Ein Grund sei die Sorge vor erhöhter Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden gewesen - die Google jetzt gewiss sein dürfte. Google selbst machte keine Angaben dazu, wie lange die Lücke bestand.

Niederlage im Wettbewerb mit Facebook

Google+ werde derzeit von Verbrauchern kaum genutzt - und 90 Prozent der Interaktionen dauerten weniger als fünf Sekunden, erklärte der Internet-Konzern. Die Einstellung der Verbraucherversion solle nach einer zehnmonatigen Übergangszeit Ende August kommenden Jahres abgeschlossen werden. Damit gesteht Google auch offiziell die bereits klare Niederlage im Wettbewerb der Online-Netzwerke mit Facebook ein.

Änderungen betreffen vor allem Android-Nutzer

Größere Auswirkungen für Verbraucher dürften die Änderungen beim Mobil-Betriebssystem Android haben, das auf Geräten von Hunderten Millionen Menschen läuft. Die Nutzer werden präziser bestimmen können, welche Daten sie mit einer App teilen wollen, wie Google ankündigte. Grundsätzlich würden weniger Apps Zugriff auf Anruflisten und SMS-Daten bekommen.

Außerdem werde auch der Zugriff von App-Entwicklern auf die E-Mails in Googles GMail-Dienst stärker eingeschränkt. Das "Wall Street Journal" hatte im Sommer berichtet, App-Entwickler verwendeten zum Teil E-Mails von Nutzern, um Algorithmen etwa für automatische Antworten zu trainieren. Das hatte für Kritik gesorgt.

Parallelen zu Facebook-Datenskandal

Schnittstellen für App-Entwickler hatten auch eine zentrale Rolle im Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica gespielt. Das Online-Netzwerk erlaubte es App-Entwicklern bis 2015, auch auf Daten von Freunden eines Nutzers zuzugreifen. Der Entwickler einer Umfrage-App sammelte nicht nur die Daten von Teilnehmern einer Erhebung und derer Freunde - und reichte sie anschließend unberechtigterweise an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weiter.

Facebook erfuhr zwar bereits 2016 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass alle Daten gelöscht seien und informierte die Betroffenen nicht. Diese Vorgehensweise sorgte für massive Kritik.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Oktober 2018 um 22:00 Uhr.

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