Passanten in einer Einkaufsstraße in München | dpa

Gestiegene Gaspreise Vielen Haushalten bleibt noch ein Puffer

Stand: 30.10.2022 14:02 Uhr

Der Bund hat zahlreiche Maßnahmen zur Entlastung beschlossen, die Gaspreisbremse soll für weitere Entspannung sorgen. Auf der anderen Seite steht die hohe Inflation. Trotzdem können noch viele Haushalte sparen - aber weniger.

Von Ingo Nathusius, hr

Kunden müssen für haushaltsübliche Jahresmenge von 20.000 Kilowattstunden Gas im Durchschnitt 310 Euro pro Monat zahlen, knapp 200 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Das gilt für Grundversorgungstarife. Bei Kunden mit Sonderverträgen sind es jetzt im Schnitt 255 Euro monatlich, was knapp 140 Euro Steigung bedeutet. Das ergibt sich aus Berechnungen auf Basis von Angaben des Vergleichsportals check24 für die Grundversorgung und des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft für Sonderverträge. Diese Steigerungen beängstigen viele Menschen. Doch einerseits versprechen Unterstützungen des Staates Erleichterung, andererseits haben viele Privathaushalte finanziell Luft, um höhere Preise zahlen zu können. Das geht allerdings auf Kosten von Sparen, Geldanlage und Altersvorsorge.

Ingo Nathusius

Deutlicher Gaspreis-Anstieg schon 2018

Schon 2021 sind die Gaspreise im Schnitt um gut 18 Prozent gestiegen: in der Grundversorgung von jährlich 1152 Euro im Jahr 2020 auf 1365 Euro im Jahr 2021, bei Sonderverträgen im selben Zeitraum von 1194 Euro auf 1412 Euro. 2022 stiegen nun die Preise in der Grundversorgung um 173 Prozent auf 3726 Euro jährlich und bei Sondertarifen um 117 Prozent auf 3085 Euro. Die hier angesetzte Gasmenge, die 20.000 KWh Wärme ergibt, entspricht dem normalen Verbrauch einer vierköpfigen Familie in einem Haus. In Etagenwohnungen wird deutlich weniger Gas verbrannt.

Den höheren Kosten für Privatleute stehen Subventionen und Entlastungen des Staates gegenüber. Die meisten betreffen nicht eindeutig den Gasverbrauch, sondern auch andere Energieträger, sie betreffen die Inflation allgemein oder folgen politischen Programmen. Der sommerliche Tankrabatt etwa betraf nicht den Gas-, sondern den Spritmarkt. Das 9-Euro-Ticket hat allenfalls teuren Benzinverbrauch gebremst. Auch höhere Entfernungspauschalen entlasten Autofahrerinnen, erfreuen aber auch Bahnfahrer. Die EEG-Umlage ist abgeschafft, was Strom billiger macht.

Zahlreiche Zuschüsse und Ermäßigungen

Im September bekamen alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen 300 Euro Zuschuss, im Dezember sind damit die Rentner dran. Studentinnen und Fachschüler bekommen 200 Euro. Die Pauschale, die Arbeitnehmer ohne Nachweise von der Steuer absetzen dürfen, wurde erhöht, ebenso Kindergeld und Kinderfreibetrag.

Einkommenssteuerzahler sollen Ermäßigungen bekommen. Die steuerfreie Homeoffice-Pauschale wurde um 400 Euro auf 1000 Euro angehoben. Arme Familien bekommen Extra-Kinderzuschüsse, mehr Wohngeld und Heizkostenzuschüsse. Das neue Bürgergeld bringt bisherigen Hartz-IV-Empfängern ab Januar 2023 Vorteile.

Was das für Privathaushalte bedeutet, hängt vom Einkommen und der Kinderzahl ab. Nur durch die Änderungen von Kindergeld und Kinderfreibetrag werde eine vierköpfige Normalverdienerfamilie 680 Euro im Jahr sparen, schreibt das Finanzministerium. Zusammen mit anderen Entlastungen bleiben jährlich überschlägig 800 bis 1000 Euro mehr im Budget der andererseits durch die Inflation gebeutelten privaten Haushalte.

Gaspreisbremse als weitere Maßnahme

Hinzu soll die geplante Gaspreisbremse kommen. Der Gesetzentwurf sieht vor,  die im Dezember fällige Abschlagszahlung privater Haushalte vom Staat zu bezahlen. Zudem ist geplant, ab März 2023 den Löwenanteil des Normalverbrauchs zu subventionieren. Im Schnitt würden die jährlichen Kosten für 20.000 KWh-Kunden dann auf 2600 Euro reduziert werden, auf den Monat umgerechnet also etwa 217 Euro. Das sind dann wiederum etwa 40 bis 90 Euro monatlich weniger als nach der drastischen Preissteigerung.

Staatlichen Erleichterungen stehen höhere Abgaben an den Staat gegenüber: Durch steigende Preise bekommt der Staat mehr Mehrwertsteuer. Zwar ist die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden, doch wird das durch gestiegene Nettopreise aufgefressen. Hinzu kommen Abgaben und Erdgassteuer sowie neue Umlagen zur Sicherung der Gasversorgung. Fast ein Viertel der privaten Gaskosten gehen an den Staat, hat der Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft errechnet.

Nicht nur Gas ist teurer geworden, sondern auch Öl, Pellets, Strom und sonstige Güter. Das Statistische Bundesamt ermittelt alle fünf Jahre detailliert Einkommen und Konsum der Bevölkerung. Die letzte "Einkommens- und Verbrauchsstichprobe" wurde 2018 erhoben; die Daten sind also nicht frisch.

Die meisten Haushalte können noch sparen, nur weniger

Zieht man aktuelle Vermögensstudien von Bundesbank, der Allianz-Versicherung und der Großbank Credit Suisse hinzu, zeigt sich: Die meisten Haushalte können neben ihrem oft hohen Konsum noch sparen. Dieser Puffer wird jetzt eingesetzt, um höhere Preise im Konsum zahlen zu können: 2021 sparten alle Haushalte im Durchschnitt 15 Prozent ihres Einkommens. Im zweiten Quartal dieses Jahres konnten nur noch zehn Prozent auf die hohe Kante gelegt werden.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 25. Oktober 2022 um 23:35 Uhr.