Gaszähler | dpa

Auswirkungen der Gaskrise Stadtwerke erwarten auch 2023 steigende Preise

Stand: 31.08.2022 10:35 Uhr

Die Gaskrise wird Verbraucher aus Sicht der Stadtwerke langfristig teuer zu stehen kommen. Auch im kommenden Jahr müssten sich Kunden auf stark steigende Preise einstellen. Bei den Stadtwerken wachsen die finanziellen Sorgen.

Nach Auffassung der Betreiber deutscher Stadtwerke werden die Folgen der Gaskrise auch im kommenden Jahr zu spüren sein - und sich vor allem auch in den Preisen für die Kunden widerspiegeln.

Schon jetzt müssten Stadtwerke ihre Preise kräftig anziehen und teilweise verdoppeln, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Preissteigerungen liegen demnach derzeit zwischen 30 und 60 Prozent. "Auch im kommenden Jahr wird mit Preiserhöhungen zu rechnen sein, da die Stadtwerke langfristig Gas beschaffen", so Liebing.

Die rapide Preisentwicklung zeige sich auch bei einem Blick auf die Börse, so der Verbandschef weiter: Zu Beginn des vergangenen Jahres lag der Kurs pro Megawattstunde noch bei unter 20 Euro, so Liebing. Jetzt liege er bei mehr als 300 Euro pro Megawattstunde. "Solche Preise schlagen sich mittelfristig in der Preisbildung für die Endkunden nieder."

Preissprünge bei kurzfristigen Verträgen schon zu spüren

Teilweise werde noch Gas genutzt, dass vor ein oder zwei Jahren eingekauft worden sei, zu wesentlich günstigeren Konditionen. Doch vor allem gewerbliche Unternehmen, die kurzfristige Verträge abgeschlossen hätten, bekämen die Preissprünge bereits zu spüren. Künftige Steigerungen würden auch davon abhängen, ob es zu weiteren Lieferunterbrechungen von russischer Energie komme.

In der Nacht hatte Russland die eh schon stark gedrosselte Lieferung von Gas über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 komplett gestoppt und dies mit weiteren Wartungsarbeiten begründet. Drei Tage lang soll kein Gas mehr nach Deutschland fließen.

Stadtwerke befürchten zunehmende Zahlungsausfälle

Aufgrund der steigenden Preise und dadurch wachsenden Belastung für ihre Kunden stellen sich die Stadtwerke verstärkt auf ausbleibende Zahlungen ein. "Bisher lagen die Zahlungsausfälle unter einem Prozent. Jetzt preisen viele Stadtwerke schon bis zu acht Prozent an Verlusten ein. Es gibt aber auch Stadtwerke, die mit bis zu 15 Prozent Forderungsausfällen kalkulieren. Das wird dann bedrohlich", warnte Liebing.

Liebing drängt auf weitere Entlastungen

Der Verbandsvorsitzende drängte angesichts der Gaskrise auf weitere Entlastungen. So forderte Liebing, die Mehrwertsteuer nicht nur für Gas, sondern auch für Strom und Wärme auf sieben oder fünf Prozent zu senken und die Stromsteuer auf das zulässige Mindestmaß zu reduzieren."Bewährte Instrumente" wie das Wohngeld und Heizkostenzuschüsse müssten genutzt werden und mehr Menschen müssten von diesen Entlastungen profitieren. Dafür müssten die Einkommensgrenzen erhöht werden, um den Kreis berechtigter Empfänger dieser Zuschüsse auszuweiten.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 31. August 2022 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.