Eine Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in Essen | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/Shutter

Galeria Karstadt Kaufhof 62 Filialen stehen vor dem Aus

Stand: 18.06.2020 21:02 Uhr

Beim krisengeplagten Konzern Galeria Karstadt Kaufhof hat man sich offenbar auf ein Sanierungskonzept verständigt. Demnach sollen 62 Filialen geschlossen werden, Tausende Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.

Die Tarifpartner haben sich auf das Sanierungskonzept des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof verständigt. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen und Zeitungen übereinstimmend. Demnach sollen 62 der 172 Filialen geschlossen werden. Welche betroffen sind, wurde aber noch nicht bekannt.

Ersten Schätzungen zufolge stünden damit etwa 5000 der verbliebenen 35.000 Arbeitsplätze auf der Kippe, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter solle es einen Sozialplan geben.

Der Sanierungstarifvertrag von Management, Betriebsrat und Gewerkschaft ver.di soll noch heute unterschrieben werden. Am morgigen Freitag soll die Einigung im Detail öffentlich vorgestellt werden.

Corona-Pandemie ließ das Fass überlaufen

Ursprünglich hatte die Geschäftsführung signalisiert, dass sogar bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten konnte dieses Szenario offenbar verhindert werden.

Der Sanierungsdruck bei Galeria Karstadt Kaufhof ist gewaltig. Die pandemiebedingte Schließung aller Filialen hatte die jahrelange Krise immens verschärft. Anfang April beantragte der Konzern ein Schutzschirmverfahren. "Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona", beschrieb der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz im Mai die Probleme.

Vor rund einer Woche die nächste schlechte Nachricht: Vorstandschef Stephan Fanderl werde den Konzern verlassen, teilte das Unternehmen mit. Zu den Gründen für die Trennung wurde nichts öffentlich - außer, dass sie "einvernehmlich" erfolge.

Geschlossene Filiale Galeria Karstadt Kaufhof in Ribnitz-Damgarten | Bildquelle: dpa
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Wochenlang durften die Warenhäuser nicht öffnen - ein Tiefschlag für den Umsatz.

Verödete Innenstädte?

Auch in Städten und Kommunen geht das Zittern bis zur öffentlichen Präsentation weiter. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juni 2020 um 22:00 Uhr.

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