Kutschi-Nomaden in Afghanistan erhalten Hilfsgüter. Das Land gehört zu den Ländern, denen die Schulden gestundet werden. | Bildquelle: dpa

G20 verlängern Stundung Schonfrist für arme Schuldenstaaten

Stand: 15.10.2020 11:13 Uhr

Die Folgen der Pandemie sind für die ärmsten Länder besonders dramatisch. Die G20-Staaten stunden ihnen die Schulden daher jetzt bis Mitte 2021. Doch es gibt Zweifel, dass dies reicht.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in der Corona-Pandemie insgesamt 81 Ländern mit Krediten unter die Arme gegriffen. Doch die Schulden steigen weltweit, was insbesondere ein Problem der ärmeren Länder ist. Im Rahmen der virtuellen Herbsttagung von IWF und Weltbank haben die Finanzminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) nun beschlossen, die Rückzahlung für weitere sechs Monate zu stunden.

Das Problem gilt aber nur als verschoben. Es müsse über einen Schuldenerlass nachgedacht werden, heißt es beim IWF. Wobei unklar ist, wer die Lasten tragen würde. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz ist die verlängerte Stundung zu wenig. "Ich erhoffe mir für die Zukunft, dass es nicht nur dabei bleibt", sagte Scholz der Nachrichtenagentur Reuters. Private Gläubiger müssten mitziehen.

Weltbank stockt auf

Die Pandemie hat Entwicklungsländer und schon vor der Krise stark verschuldete Staaten besonders hart getroffen. Die Weltbank will deswegen noch im Oktober einen Vorschlag für weitere Notfallfinanzierungen machen - mit einem Volumen von 25 Milliarden Dollar. Das kündigte Weltbank-Chef David Malpass an. Dies soll verhindern, dass durch die Krise und die Schließung von Schulen eine ganze Generation verloren geht.

Die Folgen wären dramatisch und langfristig. Es drohen höhere Arbeitslosigkeit und zum ersten Mal seit Jahrzehnten wachsende Armut. IWF wie Weltbank halten daher öffentliche Investitionen für notwendig - und zwar in Zukunftsprojekte wie saubere Energie und digitale Infrastruktur.

"Wenn wir den Stecker zu früh ziehen, dann werden wir schweren, selbstverschuldeten Schaden sehen", sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Hilfen für die ärmsten Staaten seien noch "für einige Zeit entscheidend".

Die Schuldenerleichterungen soll es den ärmsten Ländern auch ermöglichen, ihre Gesundheitssysteme besser auszustatten. Im kommenden Frühjahr soll entschieden werden, ob diese Maßnahme dann noch einmal ausgeweitet wird bis zum Jahresende 2021.

China soll mitmachen

Laut Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire stehen inzwischen erstmals die Rahmenbedingungen fest, wie China künftig bei Schuldenerleichterungen einbezogen werden kann. Die Volksrepublik ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Gläubiger vieler Länder geworden, nicht nur in Afrika.

Insgesamt hält der Währungsfonds die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für schlimm, aber weniger drastisch als befürchtet. Nach Berechnungen des IWF wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 4,4 Prozent schrumpfen, aber im nächsten Jahr wieder wachsen. Voraussetzung sei, so IWF-Chefin Georgiewa, dass die Staaten weiterhin mit viel Geld ihre Volkswirtschaften stützten.

"Krise als Chance"

Weltweit geht Georgiewa davon aus, dass der Schuldenberg 100 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erreichen wird. Umso wichtiger seien langfristig ausgerichtete Investitionen. "Eine Krise ist eine Chance", sagte Georgiewa. "Unsere Forschung zeigt, dass öffentliche Investitionen, insbesondere in grüne Projekte und digitale Infrastruktur alles verändern kann."

IWF und Weltbank fordern auch, einen möglichen Impfstoff so schnell wie möglich in armen Ländern zu verteilen. Das Virus könne nicht lokal besiegt werden, nur weltweit. 

Mit Informationen von ARD-Korrespondent Arthur Landwehr, Washington.

IWF und Weltbank - Herbsttagung
Arthur Landwehr, ARD Washington
15.10.2020 10:17 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5-aktuell am 15. Oktober 2020 um 10:40 Uhr.

Darstellung: