Das Motto der Frankfurter Buchmesse 2020, "Signals of Hope" | Bildquelle: dpa

Frankfurter Buchmesse 2020 Wie die Verlagsbranche mit Corona umgeht

Stand: 13.10.2020 19:00 Uhr

Heute startet die Frankfurter Buchmesse - in Zeiten von Corona als special edition, also als virtuelle Sonderausgabe. Gelesen wird in der Pandemie zwar viel - doch können die Verlage davon profitieren?

Von Alex Jakubowski, HR

Der 17. März 2020 ist ein denkwürdiges Datum für den deutschen Buchhandel. An diesem Tag entdeckten die Leser für sich das Bücherhamstern. Es war der Tag vor Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen, der Tag mit dem höchsten Umsatz des Jahres. Danach ging es mit der Branche bergab.

Während im Frühjahr in fast allen Bundesländern (außer Berlin und Sachsen-Anhalt) die Buchhandlungen geschlossen wurden, sackte der Umsatz trotz des Hamsterns ab und lag um 65,7 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Und niemand wusste, ob der Handel diese Einbußen jemals wieder würde aufholen können. Inzwischen allerdings hat sich die Lage relativiert.

Corona-Beschränkungen treffen die Branche hart

Einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zufolge gaben die Mitgliedsverlage schon Ende des ersten Halbjahres an, dass der Umsatz um 30,9 Prozent zurückgegangen war. "Im März, April und Mai waren die Verkäufe problematisch niedrig, aber schon im Juni ging es aufwärts", erläutert Martin Spieles, Leiter der Kommunikation beim Frankfurter Verlag S. Fischer. "Wir sind jetzt recht optimistisch, dass wir bis Jahresende noch einiges aufholen können."

Dabei waren während der Ausgangsbeschränkungen nicht alle Buchsparten gleich hart betroffen vom Umsatzeinbruch. Besonders stark spürbar war der Rückgang bei Reisebüchern (-89,6 Prozent), aber auch Sachbücher (-69,3 Prozent) und Ratgeber (-69,6 Prozent) fielen deutlich ins Minus. Auch der Verkauf von Kinder- und Jugendbüchern ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zunächst um 62 Prozent zurück. Viele Buchhandlungen verspürten Existenznöte. Aufgrund geringer Margen fehlten die Finanzpolster.

Frankfurter Buchmesse findet wegen Corona weitgehend im Internet statt
tagesschau 20:00 Uhr, 13.10.2020, Joscha Barlitz, HR

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Comics und Jugendbücher im Trend

Seit der Wiedereröffnung der Buchläden hat sich der Handel deutlich erholt. Zum Ende des ersten Halbjahres lag die Umsatzentwicklung bei Kinder- und Jugendbüchern sogar im Plus (+3,6 Prozent), es wurden also mehr Bücher gekauft als im Vorjahreszeitraum.

Der Verlag Carlsen Comics aus Hamburg, der in Deutschland vor allem ausländische Comics vertreibt, profitierte von diesem Trend. Dem Verlag gehe es derzeit sogar ganz gut, gibt Programmleiter Klaus Schikowski zu. "Wir müssen zwar mit einigen Verschiebungen leben, da sich die ausländischen Märkte noch nicht erholt haben, aber insgesamt liegen wir finanziell voll im Plan. Das ist schon als Erfolg in diesem außergewöhnlichen Jahr zu werten", so Schikowski.

Jüngste Zahlen aus dem September zeigen mittlerweile: Im Bereich Belletristik liegt die Branche nur noch 3,7 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis, bei Kinder- und Jugendbüchern ist man inzwischen sogar bei 6,2 Prozent im Plus. "Die Verlage werden mit einem blauen Auge davonkommen", meint Joachim Unseld, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt. "Das ist die gute Nachricht, denn es wird weiterhin gelesen und das Buch hat auch in Zeiten der Krise eine Zukunft."

Mehr Bestellungen, mehr junge Leser

Um drohende Verluste zu minimieren, zeigten sich viele Buchhandlungen kreativ. Bücher wurden per Fahrrad nach Hause geliefert. Wer noch keinen Online-Bestellservice hatte, richtete nun schnell einen ein. Eine Million Menschen haben während der Corona-Pandemie zum ersten Mal beim stationären Buchhandel online oder telefonisch bestellte Bücher nach Hause liefern lassen oder in der Filiale abgeholt. Das besagt die Studie des GfK-Marktforschungsinstituts "Das Buch in Zeiten von Corona". Manch ein Laden verkaufte seinen Kunden Gutscheine, um liquide zu bleiben. Alles, damit die Corona-Beschränkungen irgendwie aufgefangen wurden.

Parallel zu den Aktivitäten im Handel entdeckten viele Kunden offenbar das Lesen als neue Beschäftigung in der Krise. Eine Sonderanalyse der GfK zur Frankfurter Buchmesse stellt fest: Die Mediennutzung von Büchern stieg im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie in der Gesamtbevölkerung um zwölf Prozent. Nur bei Streaming-Diensten war der Anstieg höher.

Die Studie zeigt auch: In der Altersgruppe zwischen zehn und 19 Jahren liest fast ein Drittel häufiger als vor der Pandemie. Der Nachwuchs greift also deutlich öfter zum Buch. Das bestätigt auch Kommunikationschef Spieles vom Verlag S. Fischer: "Während der Krise hat sich eine starke Nachfrage nach Kinder- und Jugendbüchern gezeigt."

Lesungen und Signierstunden: Fehlanzeige

Viele Lesungen und Signierstunden mussten Verlage und Autoren allerdings absagen. Angekündigte neue Bücher wurden verschoben. "Die Verschiebung betraf etwa 20 Prozent der Bücher", so Spieles weiter. "Immer mit dem Einverständnis der Autorinnen und Autoren. Das hat durchaus Umsatzverzicht bedeutet, aber es verbesserte die Chancen der anderen Bücher in dieser Extremsituation sehr."

"Es ist eine bedauerliche Situation für Autoren, die auf viele Begegnungen bei Lesungen verzichten müssen. Und für einen Autor mit einem neuen Buch ist es eine Katastrophe", ergänzt Verlagsleiter Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt - und jetzt noch die Frankfurter Buchmesse, die wegen der Pandemie ohne Publikum und ohne Hallenmesse stattfinden muss: "Es ist natürlich ein Schlag ins Kontor, die Frankfurter Buchmesse ist ja nicht nur eine Wirtschaftsveranstaltung, sondern eine Kulturveranstaltung. Und die Kultur lebt von der persönlichen Begegnung", so Unseld.

Auch beim Carlsen Verlag bedauert man die Absagen der Veranstaltungen, schaut aber positiv nach vorne: "Auch wenn es natürlich schmerzt, dass es in diesem Jahr keine Veranstaltungen der Branche gegeben hat", so Programmleiter Schikowski, "wir haben einige schöne Projekte für die Zukunft."

"Die Pandemie zwingt zum Umdenken"

Selbstbewusst schaut auch die Frankfurter Buchmesse nach vorne, deren Veranstaltungen als special edition nun ja überwiegend ins Internet verlagert wurden. Auch die Lesungen und Interviews auf der ARD-Buchmessen-Bühne werden aus der Frankfurter Festhalle ohne Publikum ins Netz übertragen.

"Die Pandemie erzwingt in diesem Jahr ein Umdenken", so der Direktor der Messe, Jürgen Boos. "Digitale Formate ersetzen zwar nicht die persönliche Kommunikation, aber sie ermöglichen Kommunikation über Tausende Kilometer hinweg. Die traditionsreiche, selbstbewusste Buch- und Verlagsbranche hat sich digital breiter aufgestellt - und sie ist dadurch zugänglicher geworden. Das ist für mich ein starkes Hoffnungssignal", so Boos.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Oktober 2020 um 20:00 Uhr.

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