Ein Bus der Firma Flixbus fährt auf das Fernbusterminal am Frankfurter Hauptbahnhof. | Bildquelle: dpa

Weniger Bus-Passagiere Flixbus setzt auf Fernzüge

Stand: 01.02.2020 11:33 Uhr

Die grünen Flixbusse sind ein alltägliches Bild auf Autobahnen. Doch es kriselt beim Fernbus-Marktführer. Das Unternehmen will deshalb stärker auf die Schiene setzen - zum Nachteil des ländlichen Raums.

Sieben Jahre nach seiner Gründung, nach jahrelangem Wachstum und Fusionen, verliert Flixbus Fahrgäste in Deutschland. Das Geschäft stehe extrem unter Druck, sagte Flixmobility-Geschäftsführer André Schwämmlein.

Nun will der Marktführer bei Bussen stärker auf Züge setzen. "Unser Geschäft in Deutschland wird sich definitiv in Richtung Schiene verschieben", sagte Schwämmlein. Das Unternehmen betreibt neben den bekannten Fernbussen auch Fernzüge unter der Marke Flixtrain. Insgesamt beförderten nach Unternehmensangaben Flixbus und Flixtrain 2019 zusammen 22 Millionen Fahrgäste in Deutschland - das sind etwa 700.000 mehr als im Vorjahr. Es wachse aber nur das Geschäft bei Flixtrain, so Schwämmlein. Bei Flixbus gebe es weniger Fahrgäste als im Vorjahr. Getrennte Zahlen nannte das Unternehmen nicht.

Flixbus beklagt Wettbewerbsverzerrung

Andre Schwämmlein, Gründer und Geschäftsführer von Flixbus | Bildquelle: dpa
galerie

Schwämmlein beklagt die Bevorzugung der Deutschen Bahn.

Die wachsende staatliche Unterstützung für die Deutsche Bahn mache sich bemerkbar, sagte Schwämmlein. "Wir gehen davon aus, dass wir uns mit dem Busgeschäft gegen die massive Subventionierung der Deutschen Bahn sehr schwer tun werden."

Er bemängelte, dass nicht sichergestellt sei, dass die staatlichen Hilfen tatsächlich in die Infrastruktur fließen und somit allen Fahrgästen zugute kämen. Außerdem werde der Wettbewerb verzerrt. Profitabel zu bleiben, werde schwerer. Schwämmlein rechnet damit, dass mit Bussen weniger und in Zügen mehr Passagiere befördert werden.

Vor einigen Tagen hatte Flixbus angekündigt, sein Angebot gerade in abgelegenen Gebieten einschränken. "Den ländlichen Raum werden wir nicht in dem heutigen Maße halten können. Wir werden Takte reduzieren, Linien einkürzen müssen und Arbeitsplätze werden verloren gehen", sagte Schwämmlein der "Wirtschaftswoche".

"Unglaublich naiv"

Neben staatlichen Kapitalspritzen für die bundeseigene Deutsche Bahn kritisiert Flixbus, dass zwar die Mehrwertsteuer für Zugfahrten ab 50 Kilometern von 19 auf sieben Prozent gesenkt wurde, nicht aber für Busfahrten. Man sei enttäuscht. Flixbus hat rechtlichen Widerstand angekündigt. Schwämmlein nannte es "unglaublich naiv", sich bei der Verkehrswende allein auf die Deutsche Bahn zu verlassen.

Von der Steuersenkung profitiert auch Flixtrain. Flixmobility war vor zwei Jahren in das Zuggeschäft eingestiegen. Inzwischen sind sieben Züge auf drei Strecken unterwegs. Im Frühjahr kommt eine Strecke hinzu, weitere Linien sind in Planung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Februar 2020 um 09:03 Uhr.

Darstellung: