Fertigungsanlage in einem Renault-Werk | Bildquelle: AFP

Fiat und Renault Nach dem Fusions-Aus kommt der Streit

Stand: 06.06.2019 17:46 Uhr

Die Fusion zwischen Fiat und Renault ist vom Tisch - nun wird der Schuldige für den geplatzten Deal gesucht. Für Fiat ist es Frankreich. Frankreich versteht Fiat nicht. Und Renault ist der geknickte Dritte.

So kurz standen Fiat Chrysler und Renault davor, zum drittgrößten Autobauer weltweit zu verschmelzen. Vielleicht hätte es auch der internationale Marktführer werden können, wenn Nissan und Mitsubishi sich der Fusion angeschlossen hätten. Doch aus, vorbei - aus dem Deal wird nichts. Und nun steht die Frage im Raum, wer die Hürden aufgestellt hat, die die Fusion zum Kippen brachten.

Frankreich wollte sich bei Nissan absichern

Für Fiat liegt die Verantwortung klar bei der französischen Regierung. Denn die hatte als 15-prozentiger Anteilseigner am Renault-Konzern um mehr Bedenkzeit gebeten - bis Dienstag. Der Hintergrund: Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire will noch in dieser Woche nach Japan reisen und wollte sich dort von Nissan grünes Licht für die Fusion geben lassen. Nissan ist seit rund 20 Jahren enger Partner von Renault. Der Chef des japanischen Autobauers, Hiroto Saikawa, hatte zuvor gewarnt, im Falle eines Fiat-Renault-Zusammenschlusses müsse man diese Partnerschaft "grundlegend neu definieren".

Der Renault-Verwaltungsrat gab der Bitte der französischen Regierung auf seiner Sitzung am Mittwochabend nach - trotz großer Mehrheit für den Deal mit Fiat, wie es laut Nachrichtenagentur AFP aus Teilnehmerkreisen hieß.

Italien zeigt auf Frankreich

Mit diesen "neuen Forderungen" habe Frankreich die geplante Fusion torpediert, hieß es daraufhin von Fiat. Das Unternehmen zog sein nach eigener Aussage "überzeugendes" Angebot "mit sofortiger Wirkung" zurück. Es bestünden "derzeit nicht die politischen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zusammenschluss".

Auch Italiens stellvertretender Regierungschef Luigi Di Maio machte in einem Interview mit einem Radiosender indirekt die französische Regierung für das Scheitern des Geschäfts verantwortlich:

"Wenn die Politik versucht, in wirtschaftliche Vorgänge einzugreifen, verhält sie sich nicht immer korrekt."

Vier Bedingungen für die Fusion

In Paris stoßen die Vorwürfe auf Unverständnis. Der französische Staat habe als Aktionär von Renault das Angebot mit Offenheit aufgenommen und konstruktiv mit allen betroffenen Parteien zusammengearbeitet, hieß es in einer Mitteilung von Wirtschaftsminister Le Maire. Fiat habe sein Angebot "überstürzt" zurückgezogen.

Wie es in der Mitteilung des Wirtschaftsministers weiter hieß, habe Frankreich für die Fusion vier Bedingungen gesetzt: Zum einen sollten die Arbeitsplätze und Fabriken von Renault erhalten bleiben, ebenso sollte eine gemeinsame Initiative mit Deutschland fortgeführt werden, um Batteriezellen für Elektroautos zu entwickeln. Zum anderen müsse in der Führung des künftigen Autokonzerns Gleichgewicht zwischen Fiat und Renault herrschen herrschen.

Bei diesen drei Bedingungen sei man übereingekommen, so Le Maire. Es haperte zum Schluss an besagte Zustimmung von Nissan - Bedingung Nummer Vier.

Bruno Le Maire | Bildquelle: AFP
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Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zeigte sich verwundert über den Rückzug von Fiat Chrysler.

Hoffnung auf Fortsetzung der Verhandlungen

Dass wegen ein paar Tagen Bedenkzeit der Deal geplatzt ist, kann auch Frankreichs Haushalts-Staatssekretär Gerald Darmanin nicht nachvollziehen:

"Für eine Hochzeit um Zeit zu bitten, das ist doch normal."

Doch wie auch Wirtschaftsminister Le Maire sprach sich auch Darmanin dafür aus, "die Tür nicht zu schließen" und die Verhandlungen über eine Fusion wieder aufzunehmen. Ähnlich äußerte sich auch Frankreichs Arbeitsministerin Muriel Pénicaud. Es sei doch normal, dass "solche Allianzen wie zwischen Renault und Fiat nicht in Eile abgeschlossen werden können".

Und Renault selbst? Das Unternehmen zeigte sich enttäuscht über den gescheiterten Zusammenschluss. Die nun geplatzte Fusion sei eine verpasste Gelegenheit. Aus dem Unternehmen hieß es, das Fiat-Angebot habe durch finanzielle Vorzüge und industrielle Logik überzeugt.

FCA hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, sich mit Renault zusammenschließen zu wollen. Die Unternehmen hätten gemeinsam die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern können. Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also FCA und Renault - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juni 2019 um 04:00 Uhr in den Nachrichten.

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