Facebooks Messenger Kids | Bildquelle: AP

Chat-App für Kinder Gekaufte Experten bei Facebook

Stand: 15.02.2018 08:05 Uhr

Eine sichere App, von Experten genau überprüft - so warb Facebook für seine Kinder-Chat-App. Das Tech-Magazin "Wired" berichtet jetzt: Die Experten waren gekauft und Jugendschützer außen vor gelassen worden.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Als Facebook im Dezember seine Chat-App für Kinder ab sechs Jahren vorstellte, betonte das Unternehmen, wie eng es mit den führenden Experten zusammengearbeitet habe, um jüngere Nutzer zu schützen. Was Facebook aber offenbar verschwieg: Viele der Experten erhielten von dem Unternehmen Geld dafür. Das berichtet jetzt die US-Zeitschrift "Wired".

Doch noch eine weitere Sache sei bemerkenswert, berichtet das Tech-Magazin: Obwohl Facebook rund 18 Monate an der Kinder-App gearbeitet habe, seien zwei wichtige Jugendschutzorgsanisationen angeblich erst Wochen beziehungsweise Tage vor der Veröffentlichung informiert worden. Es handelt sich um "Common Sense Media" sowie um die gemeinnützige Organisation "Commercial Free Childhood".

Externe Partner für mehr Glaubwürdigkeit

Dessen Geschäftsführer Josh Golin sagte, er sei von Facebook wenige Tage vor dem Launch der App angesprochen worden. Man habe ihn quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Acht Wochen nach dem Start der App haben Golin und mit ihm weitere fast 100 Experten Facebook-Chef Mark Zuckerberg aufgefordert, die App wieder einzustellen. Sie gefährde nach Ansicht der Experten Kinder in ihrer Entwicklung.

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Keine Werbung: Damit verteidigt Facebook seine Kinder-Chat-App

Antigone Davis, die bei Facebook für Datensicherheit zuständig ist, verteidigt die Kinder-App: Man blende zum Beispiel keine Werbung ein, sagte sie dem Magazin. "Wired" berichtet, Facebook gehe bei Kritik von außen immer nach Schema F vor: Das Unternehmen verspreche, Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Nach außen hin gehe man immer wieder Kooperationen mit externen Partnern ein, um die Wichtigkeit des Anliegens öffentlich zu demonstrieren - etwa beim Thema Fake News oder der russischen Wahleinmischung. Hinter den Kulissen jedoch verschleiere das Unternehmen zum Beispiel finanzielle Verbindungen zu Experten. Auch würden hochkarätige Kritikermeinungen regelmäßig ignoriert.

Facebook hat Experten für Kinder-App offenbat bezahlt
Marcus Schuler, ARD Los Angeles zzt. Silicon Valley
15.02.2018 07:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2018 um 12:43 Uhr.

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