Audi-Chef Stadler festgenommen. | Bildquelle: dpa

Anklage wegen Diesel-Affäre Prozess gegen Ex-Audi-Chef startet im Herbst

Stand: 08.06.2020 18:26 Uhr

Ab September muss sich der ehemalige Audi-Vorstandsvorsitzende Stadler vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in der Diesel-Affäre unter anderem Betrug vor. Auch drei Ingenieure und Manager sind angeklagt.

Der Prozess gegen den früheren Audi-Vorstandschef Rupert Stadler und drei Mitangeklagte soll am 30. September beginnen. Das Landgericht München hatte die Anklage im Juli 2019 zugelassen.

Verhandlungen voraussichtlich bis Ende 2022

Stadler muss sich wegen Betrugs in der Diesel-Affäre vor Gericht verantworten. Für den Prozess hat das Gericht 176 Verhandlungstage bis Ende Dezember 2022 eingeplant.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm "Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung" vor. Stadler habe spätestens Ende September 2015 von den Abgas-Manipulationen bei Audi-Dieselmotoren gewusst, aber den Verkauf der Autos trotzdem nicht verhindert, hieß es.

Wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft

Stadler war von 2007 bis 2018 Audi-Chef gewesen. Wegen Verdunkelungsgefahr war er im Juni 2018 - damals war er noch Vorstandschef - verhaftet worden. Er saß vier Monate lang in Augsburg in Untersuchungshaft. Eine Mitwisserschaft oder gar Beteiligung an Diesel-Manipulationen hatte er stets bestritten.

Die drei zusammen mit Stadler angeklagten Manager und Ingenieure sollen große Audi-Dieselmotoren mit einer verbotenen Abschaltfunktion entwickelt haben. Damit stießen die Motoren auf dem Prüfstand weniger Abgas aus als im alltäglichen Betrieb auf der Straße.

Diese Motoren seien dann in 250.712 Audis, 71.577 Fahrzeugen von VW und 112.131 Fahrzeugen von Porsche eingebaut worden. Die Autos wurden in Europa und den USA verkauft. Der Skandal hat Audi seit 2015 mehr als drei Milliarden Euro gekostet.

Umfassende Anklageschrift

Gegen Stadler und die drei Audi-Motorenentwickler hatte die Staatsanwaltschaft München schon vor einem Jahr, im Juli 2019, Anklage erhoben. Die Anklageschrift ist rund 400 Seiten lang, dazu kommen noch 7000 Seiten im Anhang - das Ergebnis jahrelanger Ermittlungen der Staatsanwälte.

Bisher keine Anklage gegen Winterkorn

Gegen den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig schon im April 2019 Anklage wegen Betrugs und strafbarer Werbung erhoben. Er soll nicht erst im September 2015, sondern bereits Mitte 2015 von der illegalen Motorsteuerung gewusst haben. Aber das Landgericht Braunschweig hat die Anklage gegen Winterkorn bis heute nicht zugelassen und Zweifel an wesentlichen Vorwürfen geäußert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juni 2020 um 18:03 Uhr.

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