Das im Suezkanal havarierte Containerschiff "Ever Given". | REUTERS

Havarie der "Ever Given" "Leichte Bewegung" im Suezkanal

Stand: 27.03.2021 12:43 Uhr

Die Bergung des im Suezkanal havarierten Frachters "Ever Given" dauert an. Es werden erste Fortschritte gemeldet. Das Schiff soll mit Hilfe der Gezeiten befreit werden. Derweil schicken Reedereien ihre Schiffe ums Kap der Guten Hoffnung.

Die Freilegung das im Suezkanal festsitzenden Containerschiffs "Ever Given" schreitet langsam voran. Es gebe "leichte Bewegung", meldete das Seefahrt- und Logistikunternehmen GAC. Zehn Schlepper und drei Bagger seien demnach im Einsatz, um die Blockade des Suezkanals aufzuheben. Der Frachter liege aber weiterhin auf Grund.

Spezialisten wollen mit Hilfe der Gezeiten versuchen, das festsitzende Containerschiff zu bergen. Am Ufer sowie am Boden des Kanals nahe dem Schiffsbug werde Sand abgegraben, sagte Yukito Higaki, Chef der japanischen Reederei Shoei Kisen. Man hoffe, dass das Schiff freikomme, wenn das Wasser nach der Flut wieder sinke. Sollte das nicht funktionieren, müsse man Container abladen, damit die "Ever Given" leichter wird.

Es gebe keinerlei Anzeichen darauf, dass die Triebwerke des Schiffs beschädigt worden seien, sagte Higaki laut japanischen Medienberichten. Auch gebe es keine Probleme mit dem Steuerruder oder den Schiffsschrauben. "Sobald es sich wieder bewegt, sollte es operationsfähig sein" sagte der Reederrei-Chef laut der Zeitung "Asahi Shimbun". Die Arbeiten zur Entfernung von Sediment unter dem Bug hielten an, betonte er.

Mehr als 300 Schiffe warten auf Durchfahrt

Das knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite Containerschiff war am Dienstag rund sechs Kilometer von der südlichen Zufahrt zum Kanal auf Grund gelaufen. Etwa 320 Schiffe warten inzwischen auf beiden Seiten des Kanals auf eine Durchfahrt. Nach einer Analyse von Schiffsdaten durch den Datendienstleister Refinitiv waren mehr als 100 weitere auf dem Weg dorthin. Andere nahmen bereits den Umweg um den afrikanischen Kontinent in Kauf.

Das für die Technik auf der "Ever Given" verantwortliche Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement erklärte, nach früheren Fehlversuchen wolle man jetzt Ballastwasser aus dem Schiff abpumpen, damit es leichter wird. Am Sonntag sollen zudem zwei zusätzlich Schlepper eingesetzt werden, um den Frachter vom Ufer freizubekommen. Die Kanalbehörde wollte schon eher mindestens zwei Versuche unternehmen - jeweils nach der Flut.

Zuletzt hatte die US-Regierung angeboten, sich an der Rettung der "Ever Given" zu beteiligen. "Wir haben Ausrüstung und Kapazitäten, die die meisten Länder nicht haben. Wir werden schauen, wie wir hier behilflich sein können", sagte US-Präsident Joe Biden. Die Regierung erklärte, dass die Marine bereit sei, ein Team von Experten zum Kanal zu schicken, man aber auf die Genehmigung der lokalen Behörden warte. Auch die Türkei bot ihre Hilfe an.

Ausweichroute über Afrikas Südspitze

Das Containerschiff der taiwanischen Reederei Evergreen war in einem Sandsturm vom Kurs abgekommen und in Ufernähe des Suezkanals auf Grund gelaufen. Es blockiert seitdem den Wasserweg zwischen Rotem Meer und Mittelmeer, sämtliche Schiffe darin können nicht weiterfahren. Seit Mittwoch laufen die Bemühungen vor Ort auf Hochtouren, das Schiff wieder freizubekommen.

Der Suezkanal verkürzt die Fahrstrecke für Handelsschiffe zwischen Asien und Europa um mehrere Tausend Kilometer. Weil das Ende der Havarie noch nicht absehbar ist, haben Reedereien begonnen, ihre Frachter um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herum fahren zu lassen, wie Satellitenbilder zeigen. Unter ihnen ist auch die "Ever Greet", das Schwesterschiff des havarierten Frachters.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. März 2021 um 12:00 Uhr.