Ausleger eines Hochspannungsmastes | picture alliance/dpa

Entschädigung für Versorger Rekord an nicht eingespeistem Strom

Stand: 12.12.2022 15:51 Uhr

Die deutschen Energieversorger erhalten von den Verbrauchern eine Entschädigung, wenn sie ihren Strom etwa wegen Netzengpässen nicht einspeisen können. Im vorigen Jahr wurde ein Höchststand gemessen.

Der langsame Netzausbau in Deutschland verursacht immer höhere Kosten - etwa durch die Entschädigungszahlungen an die Stromerzeuger. So erhielten Energieversorger im vergangenen Jahr eine Rekordsumme von rund 807 Millionen Euro für Strom, der nicht ins Netz eingespeist werden konnte. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) auf eine Anfrage der Linken.

Nicht eingespeister Strom auf Höchststand

Danach konnten die deutschen Stromerzeuger rund 5800 Gigawattstunden Strom aus der letzten Jahreserzeugung nicht ins Netz einspeisen. 2020 hatte die Entschädigungssumme bei 761 Millionen Euro gelegen, 2018 waren es 635 Millionen Euro und 2016 rund 373 Millionen Euro. Die Ausgleichskosten trägt der Verbraucher, da sie auf die Netzentgelte umgelegt werden.

Die Stromproduzenten haben einen Anspruch auf Entschädigung über das sogenannte Einspeisemanagement, wenn der von ihnen produzierte Strom aufgrund von Netzengpässen nicht zu den Verbrauchern abtransportiert werden kann. Besonders häufig betroffen sind dabei nach BWMK-Angaben Windkraftanlagen.

Linke kritisiert Belastung für Verbraucher

Bei der Verteilung der Entschädigungszahlungen auf die Bundesländer liegen derweil Niedersachsen und Schleswig-Holstein weit vorne, da es hier besonders viele Windenergieanlagen gibt. Im Jahr 2021 gingen rund 45,4 Prozent der Zahlungen für nicht verbrauchten Strom nach Niedersachsen und 31,9 Prozent nach Schleswig-Holstein.

"Es ist grotesk, dass wir über die Gefahr von Blackouts diskutieren und gleichzeitig Strom im Wert von über 800 Millionen Euro jährlich weggeschmissen wird", sagt Linksfraktionschef Dietmar Bartsch dem RND. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck müsse den schleppenden Netzausbau endlich in Gang bringen und die Verbraucher vor solchen Kosten schützen.

Maßnahmen für den Netzausbau

Um den Ausbau der Stromnetze in Deutschland voranzubringen, hat sich die Ampelkoalition ambitionierte Ziele gesetzt: Laut Koalitionsvertrag soll Klimaschutz zur "Querschnittsaufgabe" werden. Ein Baustein: das sogenannte Osterpaket. Damit will die Bundesregierung den Ausbau von Ökostrom beschleunigen. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Das bedeutet unter anderem: mehr Windkraft an Land und auf See, mehr Solaranlagen auf Dächern.

Mit dem dem Gesetz zur Änderung des Energiesicherungsgesetzes und anderer energiewirtschaftlicher Vorschriften ("EnSiG 3.0") sollen weitere Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus stattfinden. Ziel des EnSiG ist es, die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kurzfristig zu erhöhen und die Transportkapazitäten im Stromnetz zu steigern, um zur Reduzierung des Gasverbrauchs im Winter beizutragen.

Des Weiteren sei das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMKW) derzeit mit den vier Übertragungsnetzbetreibern - 50Hertz, Amprion, Transnet BW und Tennet - im Gespräch zu einem "kurzfristigen Aktionsplan Stromnetzoptimierung". So sollen unter anderem vorhandene Stromkreise mehr Strom transportieren als regulär. Der nächste sogenannte Netzentwicklungsplan Strom, welcher den Ausbaubedarf des deutschen Stromnetzes darstellt, werde bereits das Zieljahr 2045 betrachten.