Die Shopping Apps von eBay und Amazon | dpa

Shopping-Apps boomen Die Lust am mobilen Online-Shoppen

Stand: 16.01.2021 18:42 Uhr

Die Corona-Pandemie hat die Entwicklung im E-Commerce weiter beschleunigt. Shoppen im Internet erfolgt zumeist mobil über das Smartphone. Händler erreichen dabei den Kunden gezielt über Shopping-Apps.

In Sachen mobiles Online-Einkaufen ist China bereits seit Jahren der internationale Vorreiter. Die Zukunft auch in Deutschland dürfte in Sachen Einkaufen im Internet zumindest in dieselbe Richtung deuten: Die Chinesen shoppen fast ausschließlich per Smartphone, und die Apps, die sie dafür nutzen, sind oft keine reinen Shopping-Programme. Über den Blogging-Dienst Weibo etwa, vergleichbar mit Twitter, flackern bunte Werbebanner, die gleich zum Kauf von Produkten angeklickt werden können.

Chinesen machen es vor

Über den Kurzmitteilungsdienst WeChat, vergleichbar mit WhatsApp, sind Zahlungsfunktionen, aber auch andere Dienste wie Lieferservices direkt angebunden - ein One-Stop-Shop für den kommunikativen, konsumfreudigen Chinesen. Auch die Video-Plattform TikTok dient Unternehmen als Verkaufsplattform für Produkte aller Art. Durch Live-Videos werden hier Kosmetikprodukte, Lebensmittel oder auch Autos angepriesen.

In den USA ist neben den Applikationen von Amazon, Walmart und eBay auch die App der E-Commerce-Plattform Wish sehr populär. Das Unternehmen schaffte Ende 2020 noch einen Börsengang, bei dem die Muttergesellschaft Contextlogic rund eine Milliarde Dollar einnahm. Über den Online-Handelsplatz von Wish werden täglich rund zwei Millionen Artikel verkauft.

Vom E-Commerce zum "Social Commerce"

Die Corona-Pandemie mit den Lockdowns auch in den meisten Ländern Europas hat dem Einkaufen via Shopping-App einen weiteren Schub gegeben. Die Bereitschaft, per Smartphone einkaufen zu gehen, ist bereits im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Eine Studie des Bewertungsportal Capterra zeigt auch, dass sich die Art des Einkaufens über das smarte Endgerät verändern wird. So sind laut einer Umfrage aus dem Herbst 2020 immer mehr Deutsche bereit, über Chatprogramme wie WhatsApp einzukaufen. Auch ein Kaufabschluss per Spracheingabe ist für immer mehr Konsumenten eine Option. Dabei spielen etwa die Alexa-Software von Amazon, der Google Assistant oder Siri von Apple eine wichtige Rolle. E-Commerce wird so zum "Social Commerce".

Die Zahl der installierten Shopping-Apps auf den Endgeräten der Konsumenten stieg bereits im vergangenen Jahr unter dem Eindruck der Corona-Pandemie deutlich an. Eine Studie des Branchenbarometers AppsFlyer zeigte bereits einen sprunghaften Anstieg der App-Installationen um mehr als 50 Prozent im Frühjahr 2020. Der Wert der Einkäufe pro Nutzer und Monat stieg im Frühling des vergangenen Jahres deutlich an. Der Trend hat mit Corona eine neue Geschwindigkeit erhalten.

Clevere Webseiten als Apps

Die technischen Möglichkeiten machen es für Händler immer einfacher, ihre Kundschaft auf dem Smartphone direkt zu erreichen. Mit so genannten "Progressive Web Apps" können Internet-Seiten so programmiert werden, dass sie sich als App installieren lassen. Die so konstruierten Tools legen Daten des Nutzers in einem Zwischenspeicher (Cache) ab und machen sie jederzeit wieder abrufbar. Unternehmen können aktuelle Nachrichten, etwa über Rabattaktionen, außerdem darüber direkt an die Nutzer senden. Durch den direkten Draht per eigener App zum Kunden entfällt für viele Markenhersteller zunehmend der traditionelle Weg über den stationären oder Online-Handel.

Auch künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend eingesetzt, um das "Shopping-Erlebnis" für die Kundschaft, vor allem aber die Umsätze für die Händler anzukurbeln. Die App "lernt" dabei, die Vorlieben und Bedürfnisse des Nutzers auf die richtigen Produkte zu lenken. Ein Beispiel dafür ist die Mode-App "The Yes", die mit einem scheinbar einfachen "Ja"- und "Nein"-Abfrageschema arbeitet und dabei die Kundenpräferenzen immer besser kennenlernt.

Nachhaltiger shoppen

Nachhaltigkeit spielt auch beim Einkaufen via App eine immer größere Rolle für viele Verbraucher. Einem Branchenreport des Shopping-Lösungsanbieters Shopify zufolge legt fast die Hälfte der Teilnehmer an einer Umfrage Wert auf nachhaltige Produkte. Bei den 18- bis 34-Jährigen gaben 59 Prozent an, vor allem auf nachhaltige Produkte zu setzen.

Der Markt für E-Commerce ist jedenfalls auch in Deutschland groß genug für viele Innovationen und neue Anbieter. Im vergangenen Jahr wurde nach Angaben des EHI Retail Institute mit einem Volumen von 51,7 Milliarden Euro bei den Top 1000 Online-Shops erstmals die Marke von 50 Milliarden Euro übersprungen, ein Zuwachs um 12,4 Prozent. Der Großteil des Zuwachses entstand durch Käufe per Smartphone.