Ein Stromkabel hinter einem E-Auto | Bildquelle: dpa

E-Autos in Deutschland Regierung verfehlt ihr Ziel

Stand: 19.09.2018 13:28 Uhr

Das Ziel der Bundesregierung, dass eine Million E-Autos bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen fahren sollen, kann nicht erfüllt werden. Laut Beratern der Bundesregierung dauert es mindestens bis 2022.

Unter der Hand war es schon lange klar, nun gehen auch die Berater der Bundesregierung davon aus, dass das Ziel von eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen bis 2020 nicht zu realisieren ist. Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) schrieb in einem Forschungsbericht, dass das Ziel, ausgehend von der derzeitigen Marktdynamik, wohl erst 2022 erreicht sein wird.

Im Jahr 2010 hatte die NPE die Schätzung abgegeben, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen fahren werden. Die Bundesregierung hatte sich dieses Ziel zu eigen gemacht. Allerdings hatte Bundeskanzlerin Merkel schon vor einem Jahr gesagt: "So wie es im Augenblick aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen."

Im internationalen Vergleich weit hinten

Dafür sprechen schon lange die Fakten. Anfang 2018 fuhren gerade mal 98.280 reine Stromer und Autos mit Plug-in-Hybridmotor auf hiesigen Straßen. Bis Ende August zählte das Kraftfahrt-Bundesamt in diesem Jahr zwar noch einmal 45.422 Neuzulassungen. Doch auch dieser Aufwärtstrend dürfte nicht reichen, um die Marke zu knacken.

"Wir müssen ganz ehrlich sein: Trotz aller Fortschritte dauern die Dinge etwas länger, als wir uns das vor acht Jahren gedacht haben", gestand Merkel nun ein. "Wir haben den Einstieg in den Massenmarkt vollzogen, aber wir müssen das natürlich jetzt in die gesamte Breite hineinbringen."

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland weit hinter Ländern wie China, den USA und auch Norwegen, wo Elektromobilität politisch stärker gefördert wird. Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE, betonte, dass die Eine-Million-Marke eine politische Richtgröße bleibt, es jedoch wichtiger sei, ein stimmiges Gesamtsystem aus Angebot, Infrastruktur, Dienstleistungen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Verbraucher zu schaffen.

E-Auto an der Steckdose | Bildquelle: dpa
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Im internationalen Vergleich liegt Deutschland weit hinter Ländern wie China, den USA und auch Norwegen, wo Elektromobilität politisch stärker gefördert wird.

70.000 Ladepunkte nötig

Die Verbreitung von E-Autos werde durch verschiedene Gründe gehemmt: hohe Preise für die Fahrzeuge, wenige Modelle, die geringe Reichweite mit einer Batterie im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor und fehlende Ladestationen. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind für eine Million E-Autos auf den Straßen 70.000 Normal-Ladepunkte und 7000 Schnell-Ladepunkte nötig. Zuletzt zählte der BDEW nur 13.500 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte.

Dabei hatte es jüngst viele Initiativen und Förderprojekte gegeben, um zumindest dieses Problem zu lösen. Die Große Koalition will, dass es bis 2020 mindestens 100.000 zusätzliche Ladepunkte für E-Autos geben soll. Hersteller hatten ein Gemeinschaftsunternehmen für den Aufbau eines Ladenetzes an vielbefahrenenen Strecken gegründet. Zumindest diese Initiative wertet die NPE als Erfolg. Auch auf der Angebotsseite bemühen sich die Hersteller nach Kräften: Inzwischen sind 33 Modelle deutscher Autobauer am Markt, bis 2020 sollen es den Schätzungen zufolge 100 sein.

Die NPE beobachtet seit acht Jahren den E-Auto-Markt in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. September 2018 um 10:00 Uhr.

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