Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main | Bildquelle: picture alliance / Arne Dedert/d

Deutsche Bank Schafft sie die Wende?

Stand: 31.01.2019 18:56 Uhr

Nach drei Verlustjahren schreibt die Deutsche Bank endlich wieder schwarze Zahlen. Und seit April 2018 hat das Institut auch eine neue Spitze. Doch schafft die Bank damit die Trendwende?

Von Sandra Scheuring, HR

Für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gab es schon unangenehmere Termine. Morgen darf er auf der Bilanzpressekonferenz schwarze Zahlen verkünden, das erste Mal seit 2014. Erwartet wird ein kleiner Gewinn, doch über den Berg ist die Bank längst nicht. Das Jahr 2018 war schlimm, und die Aussichten sind bestenfalls verhalten. Wenn Sewing die Wende nicht schafft, droht der Deutschen Bank die Fusion oder die Zerschlagung.

Von einem Skandal zum nächsten Problem

Mit Sewing ist seit April 2018 wieder ein neuer Vorstand an der Spitze. Auch wenn ihm viel zugetraut wird, für ihn ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Kosten sind hoch, die Erträge gehen zurück, zudem ringt die Bank mit der Digitalisierung und wie alle Banken mit niedrigen Zinsen.

Eine zweitägige Razzia im November wegen Geldwäscheverdachts war der Tiefpunkt. Blaulichtkolonnen vor den Doppeltürmen - dabei wollte Sewing die Bank endlich aus den Schlagzeilen heraus bringen. Stattdessen gibt es wieder Zweifel, ob die Deutsche Bank es schafft, ihre Risiken unter Kontrolle zu bringen. Die amerikanischen Behörden bohren intensiv nach, was an den Geldwäschevorwürfen in Zusammenhang mit der Danske Bank dran ist. Man hat den Eindruck: Kaum ist ein Skandal abgearbeitet, tauchen die nächsten Schwierigkeiten auf.

Christian Sewing spricht bei einem Panel in Davos | Bildquelle: LAURENT GILLIERON/EPA-EFE/REX
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Der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing will die Bank aus dem Tief herausholen.

Kosten sparen und zugleich wachsen

Die problematische Lage lässt sich deutlich am Kurs ablesen. Der bewegt sich auf dauerhaft niedrigem Niveau. Im Verlauf des Jahres 2018 hat er sich von knapp 16 Euro auf zuletzt rund acht Euro halbiert. Sewing muss zeigen, wie die Bank Kosten sparen, zugleich aber wachsen kann. Eine Herausforderung, die Marktteilnehmer der Bank nicht unbedingt zutrauen. Das Vertrauen der Anleger ist arg strapaziert. Sie mussten Kapitalerhöhungen mitmachen, trotz roter Zahlen gab es Boni in Milliardenhöhe.

Der sehr schwache Börsenwert von rund 16 Milliarden Euro ist ein Alarmzeichen. An der Börse ist die Deutsche Bank klein geschrumpft, der Anschluss an amerikanische Großbanken längst verpasst. Beispielsweise die Citigroup oder JP Morgan haben 2018 mehr Geld verdient als die Deutsche Bank insgesamt wert ist.

Schlechterer Stand als europäische Mitbewerber

Wie will die Bank wieder Geld verdienen? Nach drei Jahren Verlusten in Folge sind sich Anleger und Analysten darüber nicht im Klaren. Die einbrechenden Erträge bereiten die größten Sorgen. Gerade im Zahlungsgeschäft, einem wichtigen Standbein der Bank, erwarten Beobachter deutliche Rückgänge, ebenso für das Geschäft mit Anleihen.

Um einen Euro zu verdienen, muss die Deutsche Bank 93 Cent aufwenden. Das kann nicht lange gutgehen. Andere europäische Großbanken wirtschaften im Vergleich viel günstiger (UBS 82%, Santander 47%).

Die Deutsche Bank kündige seit Jahren an, ihre Kosten senken zu wollen, stehe aber nach wie vor schlechter da als europäische Mitbewerber, beschreibt Rainer Haselmann, Professor an der Goethe Universität Frankfurt, die Misere. Das zeige, dass die vom Management gewählte Strategie nicht erfolgreich war. Grundsätzlich mache die Bank weiter wie bisher und sei nicht in der Lage, sich strategisch auf profitablere Geschäfte zu konzentrieren, erklärt Haselmann.

Fusion mit Commerzbank?

Über eine Fusion mit Deutschlands Privatbank Nummer zwei, der Commerzbank, wird seit Jahren immer wieder spekuliert. Angeblich soll die Bundesregierung die Fusion mit der teilverstaatlichten Commerzbank befürworten. Es ist nicht unbedingt ein Erfolgsmodell, zwei wackelige Banken zusammenzuführen. "Im Klartext würde das einen erheblichen Abbau von Personal und Filialen bedeuten. Kostensynergien allein sind aber ein zu schwaches Argument. Die deutsche Wirtschaft braucht eine Großbank, aber nicht unbedingt eine deutsche Bank. Das ist Denken von gestern", kritisiert Jan Pieter Krahnen, Direktor des Forschungszentrum SAFE an der Goethe Universität Frankfurt, die Fusionspläne. Sinnvoller wären Zusammenschlüsse über die Grenzen hinweg zu europäischen Instituten.

Das Problem dabei: Wegen des geringen Börsenwerts müsste die Deutsche Bank die Rolle eines Juniorpartners einnehmen, zum Beispiel an der Seite der UBS. Betriebswirtschaftlich mag das sinnvoll sein, politisch durchsetzbar wäre es eher nicht. Finanzexperte Haselmann warnt: "Wenn aber jedes Land nach einem ´nationalen Champion´ruft, dann haben wir 25 ´nationale Champions´ im Bankenmarkt. Für so viele Banken ist die Nachfrage im europäischen Markt jedoch zu klein."

Gerade weil die Deutsche Bank so unsicher dasteht, ist eine Fusion in den nächsten Monaten unwahrscheinlich. Sewing betont immer wieder, dass die Bank erst einmal profitabel werden muss. Ein beruhigender Befund ist das nicht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Januar 2019 um 11:37 Uhr.

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