ein ICE bei Laatzen nahe Hannover | Bildquelle: dpa

Sanierung ab 2019 Bahn sperrt Hauptstrecken monatelang

Stand: 01.10.2018 07:14 Uhr

Gleise, Weichen und Oberleitungsmasten: Die Deutsche Bahn plant die Sanierung wichtiger ICE-Strecken. Dafür müssen ab Sommer 2019 zentrale Routen gesperrt werden - mit Folgen für alle Bahnkunden.

Auf die Bahnreisenden kommen in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Die Deutsche Bahn erneuert die 27 Jahre alten Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart grundlegend, wie das Unternehmen mitteilte. Das Sanierungsprojekt behindert den bundesweiten Zugverkehr in Etappen bis ins Jahr 2023. 

Zahlreiche Fernzüge müssen umgeleitet werden, die Fahrzeiten zwischen den betroffenen Städten verlängern sich während der Bauarbeiten um 30 bis 45 Minuten.

Der Sanierungsplan der Bahn 2019 bis 2023

Sanierungsplan der Bahn mit Streckensperrungen:

1. Hannover-Göttingen (11.6.2019 bis 14.12.2019)

2. Mannheim-Stuttgart (10.4.2020 bis 31.10.2020)

3. Göttingen-Kassel (23.4.2021 bis 15.7.2021)

4. Fulda-Würzburg (im Jahr 2022, genauer Zeitraum noch unbekannt)

5. Kassel-Fulda (im Jahr 2023, genauer Zeitraum noch unbekannt)

Bahn wirbt um Verständnis

Die Bahn warb um Verständnis für die Serie von Großbaustellen. Sie sei unvermeidbar: Die beiden ICE-Strecken seien seit ihrer Eröffnung 1991 im Dauerbetrieb. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit rund 42.000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge. Noch höher ist Belastung auf den 99 Kilometern von Mannheim nach Stuttgart: Dort verkehren jeden Tag 185 Fernzüge mit 66.000 Fahrgästen, hinzu kommen 24 Güterzüge.

Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, heißt es bei der Bahn. "Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können", sagt der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch. Bei den Bauarbeiten werden Gleise, Weichen, Schotter, aber auch die Oberleitungsmasten sowie die Strom- und Sicherungstechnik erneuert.

Bahn sperrt wichtige ICE-Routen
tagesschau 14:00 Uhr, 01.10.2018, Griet von Petersdorff, RBB

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Kosten in Millionenhöhe

Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. Die Trasse Mannheim-Stuttgart wird für 185 Millionen Euro auf Vordermann gebracht.

Auch alle Fahrgäste, deren Verbindungen über die gesperrten Strecken fahren, werden länger unterwegs sein. Zu diesen Routen gehören zum Beispiel Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Frankfurt-München.

Für Bahn-Reisende sind Baustellen auf wichtigen ICE-Strecken sowie verlängerte Fahrzeiten inzwischen nichts Ungewöhnliches: So wurde in diesem Jahr beispielsweise rund drei Monate lang auf der Strecke zwischen Nürnberg und Würzburg gebaut. Auch zwischen Hamburg und Hannover gab es in der Vergangenheit Sanierungsarbeiten. Schon 2018 hatte sich durch diese Baustellen die Fahrtzeit zwischen Hamburg und München zeitweise um bis zu 50 Minuten verlängert.

Züge des Typs ICE stehen auf dem nächtlichen Münchner Hauptbahnhof. | Bildquelle: dpa
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Längere Reisezeiten werden Bahnfahrer ab Sommer 2019 in Kauf nehmen müssen.

Auswirkungen auch im Nahverkehr

Und die Liste der Baustellen auf der Unternehmensseite der Bahn war auch nach Abschluss dieser Arbeiten schon lang. Mit den nun angekündigten Sanierungen wird das in den kommenden Jahren auch so bleiben. Grund für alle Sanierungen ist das marode Schienennetz der Bahn. Nun wird investiert - doch das bedeutet vor Verbesserungen erst einmal Verspätungen und Behinderungen.

Und von diesen wird nach Angaben des Fahrgastverbandes Pro Bahn auch der Nahverkehr "indirekt betroffen" sein. Während der Bauarbeiten müssten sich Fern- und Nahverkehrszüge auf Ausweichrouten dieselben Strecken teilen, sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. "Das wird sich im Nahverkehr auswirken. Da werden auch einige Züge nicht fahren können", sagte Naumann.

Schon jetzt Probleme mit der Pünktlichkeit

Bei der Bahn waren Verspätungen gerade in den vergangenen Monaten bereits ein großes Thema. Im August kamen drei von zehn Fernzügen unpünktlich ans Ziel. In den ersten acht Monaten lag die Pünktlichkeitsquote unter 76 Prozent. Eigentlich wollte die Bahn 82 Prozent erreichen. Hauptgrund für die Verspätungen waren aber nicht die vielen Baustellen, sondern Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur in den Hitzemonaten des vergangenen Sommers sowie mehrere Unwetter.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2018 um 09:00 Uhr.

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