Ein Stahlarbeiter vor einem Hochofen | Bildquelle: dpa

Deutsche Industrie "Wir blicken abwärts"

Stand: 07.01.2019 11:22 Uhr

Die deutsche Industrie muss einen überraschend kräftigen Auftragsschwund verbuchen. Insbesondere Bestellungen aus dem Ausland sind eingebrochen. Ökonomen glauben, dass es weiter abwärts geht.

Die deutsche Industrie hat im November wegen einer schwächeren Nachfrage aus der Eurozone weniger Aufträge an Land gezogen. Das Neugeschäft schrumpfte um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte.

Der Rückgang fiel damit mehr als doppelt so stark aus, wie von Ökonomen erwartet. Im Oktober waren die Aufträge noch leicht gestiegen.

Fertigung im Audiwerk Ingolstadt | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon
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Im Sommer war das BIP wegen der Probleme der Autoindustrie erstmals seit dreieinhalb Jahren geschrumpft - und zwar um 0,2 Prozent.

"Die besten Zeiten sind vorbei"

Im Oktober und November zusammengenommen lagen die Aufträge zwar um etwa 0,5 Prozent über ihrem durchschnittlichen Niveau im dritten Quartal - "all dies ändert nichts daran, dass der Blick für die Industrie abwärts gerichtet bleibt", sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

"Denn angesichts der Probleme der Autoindustrie und der an Fahrt verlierenden Weltwirtschaft ist es fraglich, wo nachhaltige Wachstumsimpulse aktuell herkommen sollen."

Das sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ähnlich. "Insbesondere die Sorgen um die Auslandsnachfrage nehmen zu - nicht zuletzt wegen der schwierigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen", sagte DIHK-Expertin Sophia Krietenbrink.

"Konjunkturell sind die besten Zeiten vorbei!, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, der Nachrichtenagentur dpa. Und Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer ergänzte: "Wir sollten die Konjunktur nicht kaputtreden - aber es gibt am Horizont Gewitterwolken, die relativ nah sind."

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung | Bildquelle: dpa
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Schon im November hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gesenkt.

Schwache Eurozone

Das Auslandsgeschäft schrumpfte im November um 3,2 Prozent. Die Bestellungen aus der Eurozone brachen - nach kräftigen Zuwächsen im Vormonat - sogar um 11,6 Prozent ein.

Das sei ein Normalisierungseffekt nach den sehr starken Zuwächsen von Aufträgen aus Luft- und Raumfahrt im Oktober, erläuterte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. "Daher sollte dieser Rückgang nicht überinterpretiert werden." Die Orders aus Drittstaaten - zu denen die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China gehören - wuchsen hingegen um 2,3 Prozent. Die Inlandsnachfrage zog um 2,4 Prozent an.

Daher zeigt sich auch das Wirtschaftsministerium verhalten optimistisch - auch mit Blick auf die Aufträge, die die Industrie bereits in den Büchern stehen hat. Daher könnte die Industriekonjunktur - "wenn auch mit verhaltener Dynamik" - wieder etwas Fahrt" aufnehmen.

Aber die Planungen der Unternehmen seien insgesamt kurzfristiger geworden, sagte BDI-Präsident Kempf der dpa: "Die Auslastung ist noch relativ hoch, aber die Auftragsbestände verkürzen sich. Fakt ist: Die Unsicherheit hat zugenommen."

Über dieses Thema berichtete Rbb Inforadio am 07. Januar 2019 um 15:35 Uhr.

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