Gras und Unkraut wächst zwischen Schienen. (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Unkrautvernichter Bahn will weniger Glyphosat versprühen

Stand: 30.08.2019 11:02 Uhr

Die Deutsche Bahn hat im Vorjahr 57 Tonnen Glyphosat entlang der Gleisen versprüht. Doch das soll anders werden. Ab 2020 will der Konzern die Menge des Unkrautvernichters um die Hälfte reduzieren.

Die Deutsche Bahn will weniger Glyphosat einsetzen. Im vergangenen Jahr wurden noch 57 Tonnen von dem umstrittenen Unkrautvernichter entlang der Gleise versprüht. Nächstes Jahr solle es nur noch halb so viel sein, sagte ein Konzernsprecher. Stattdessen werde Unkraut stärker manuell beseitigt, um die Schienen frei zu halten.  

Die Bahn sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zum Ausstieg aus dem Herbizid. "Auf weiten Teilen des Streckennetzes wird ab 2020 kein Glyphosat ausgebracht", kündigte der Konzern an. Auf welchen Strecken genau das Mittel nicht mehr verbreitet wird, steht noch nicht fest. Bislang seien 90 Prozent des Netzes einmal im Jahr mit Glyphosat behandelt worden, rund 63.000 Gleiskilometer. Laut Geschäftsbericht war es etwa ein Kilogramm pro Gleiskilometer. Ausgenommen davon seien Naturschutzgebiete und Brücken.

Unkraut mit UV-Licht bekämpfen

Die Bahn brachte nach eigenen Angaben im Jahr 2017 noch 67 Tonnen Glyphosat im Gleisbereich aus. Der Konzern ist nach eigenen Angaben der größte Einzelabnehmer von Glyphosat in Deutschland, jedoch mit lediglich 0,4 Prozent der Gesamtmenge. Auch Landwirte und Gärtner setzen das Mittel ein.

Erst im Juni hatte die Bahn erklärt, gemeinsam mit der Bundesregierung alternative Mittel erforschen lassen zu wollen. Erprobt wird etwa, ob sich das Unkraut mit heißem Wasser, Strom oder UV-Licht beseitigen lässt. Experimentiert wurde auch schon mit Heißdampf, Mikrowellen und Hochfrequenzenergie - diese Methoden erwiesen sich aber als sehr zeit- und energieaufwendig.

Streit um die Gefahren von Glyphosat

Glyphosat ist in der EU bis 2022 zugelassen. Allerdings steht das Herbizid in der Diskussion, weil es möglicherweise eine krebsauslösende Wirkung hat. Diese Frage ist in der Forschung allerdings umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.

Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) 2015, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.  Der Hersteller, die Bayer-Tochter Monsanto, widerspricht dem. Bei vorschriftsgemäßer Anwendung seien die Produkte ungefährlich.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 30. August 2019 um 12:30 Uhr.

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