Schriftzug der Deutschen Bahn an der Konzernzentrale in Berlin | Bildquelle: dpa

Umstellung der IT Deutsche Bahn ist in der Cloud

Stand: 28.10.2020 09:39 Uhr

Die Deutsche Bahn schaltet alle eigenen Server ab und setzt komplett auf die Cloud. Auch die Daten des Ticket-Buchungssystems laufen damit nun über Rechenzentren der US-Konzerne Microsoft und Amazon.

Die Deutsche Bahn hat die Verlagerung ihrer kompletten Informationstechnik (IT) in die Cloud abgeschlossen, also in ein externes Netz von Rechnern. Zwei Jahre früher als geplant konnten dadurch die eigenen Rechenzentren des Unternehmens abgeschaltet werden. Die Deutsche Bahn sei "europaweit Vorreiter" und einer der ersten großen Konzerne, die konsequent auf die Cloud setzten, sagte die IT-Chefin des Konzerns, Christa Koenen.

Verlagerung 2016 eingeleitet

Die Umstellung war bereits 2016 beschlossen worden. Ziel des Schritts ist es, die etwa 450 IT-Anwendungen der Bahn flexibler und kostengünstiger zu betreiben. Diese Entscheidung erwies sich nach Einschätzung der Deutschen Bahn auch in Zeiten der Corona-Pandemie als richtig. "Unsere IT-Systeme funktionierten auch geräuschlos, als Zehntausende Mitarbeitende gleichzeitig ins Homeoffice wechselten", sagte Koenen. Zudem habe die Bahn die IT vollständig aus der Ferne betreiben können. "Mit physischen Rechenzentren wäre das nicht so einfach möglich gewesen.

In Spitzenzeiten betrieb die Bahn etwa 8000 Server selbst, um die enormen Datenmengen aus Zügen und der Bahn-Infrastruktur auszuwerten. Dazu gehört der Verkauf der Tickets über Apps und die Bahn-Website. Mit mehr als 1500 Buchungen pro Minute betreibt die Deutsche Bahn eines der größten Ticketsysteme in Europa. Zu den Aufgaben der Bahn-IT zählt es aber auch, die Infrastruktur für die Smartphone-App DB Navigator zu betreiben oder in Echtzeit den Zustand von 28.000 Weichen zu überwachen. Alleine durch die Fernkontrolle der Weichen wurden im vergangenen Jahr rund 3600 Störungen frühzeitig erkannt und verhindert.

Nutzung der Rechenzentren von Microsoft und Amazon

Die eigenen Bahn-Server gehören durch die Umstellung nun der Vergangenheit an. Alles ist Cloud-basiert und läuft damit über Rechenzentren von Microsoft und Amazon, die mit ihren Diensten Azure und AWS Speicherplatz und Rechenleistungen über das Internet bereitstellen. Um die Anforderungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu erfüllen, verschlüsselt die Bahn die gespeicherten Daten so, dass nur sie alleine Zugriff darauf hat. Außerdem wurden die Provider in speziellen Verträgen dazu verpflichtet, die Datenschutzbestimmungen einzuhalten.

Die Server der beauftragten US-Konzerne stehen in Frankfurt/Main und in den Niederlanden. Ihr eigenes Rechenzentrum in Berlin-Mahlsdorf hat die Bahn verkauft. Die etwa 1000 betroffenen Beschäftigten arbeiten nach Angaben des Unternehmens fast alle weiter als IT-Experten im Unternehmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2020 um 07:00 Uhr in den Nachrichten.

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