Ein Schild mit der Aufschrift "Geschäftsaufgabe" hängt im Schaufenster eines Ladens.  | dpa

Corona-Folgen im Jahr 2020 Mehr als eine Million Jobs verloren

Stand: 24.04.2021 14:06 Uhr

Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr auch auf dem Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen: Insgesamt verloren mehr als eine Million Beschäftigte ihren Job - trotz Milliardenausgaben für das Kurzarbeitergeld.

Im vergangenen Jahr verloren bundesweit mehr als eine Million Menschen infolge der Corona-Krise ihre Arbeit. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, die sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit stützt.

Den Großteil der Betroffenen machen dabei Minijobber aus. Etwa 526.000 geringfügig Beschäftigte verloren demnach ihren Arbeitsplatz, hinzu kommen 477.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Für die Statistik wurden die Arbeitsmarktzahlen seit Beginn der Pandemie im vergangenen März 2020 mit den Angaben aus dem Vorjahr verglichen. Dabei standen sich die konkreten Zahlen für den Zeitraum März bis September der Jahre 2019 und 2020 gegenüber. Für die folgenden Monate bis einschließlich Dezember 2020 bezog sich die Bundesarbeitsagentur auf Schätzungen.

Vor allem Gastronomie und Hotellerie betroffen

Der Jobverlust zeichnete sich am deutlichsten im Gastgewerbe ab, also etwa in der Gastronomie oder unter Beschäftigten in Hotels. Hier verloren etwa 398.000 Angestellte und Minijobber ihr Beschäftigungsverhältnis.

Auch im verarbeitetenden Gewerbe - allen voran die Metall- und Elektroindustrie - kostete die Coronakrise rund 128.000 Stellen. Allerdings wies die Bundesregierung in ihrer Stellungsnahme darauf hin, dass die Branche bereits vor dem Ausbruch der Pandemie von einem strukturellen Wandel geprägt worden sei.

In der Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche fielen etwa 78.000 Minijobs weg.

Mehr als 22 Milliarden Euro für Kurzarbeit in 2020

Die Bundesregierung hatte in der Pandemie vor allem durch das Kurzarbeitergeld versucht, die wirtschaftlichen Schäden einzugrenzen und den Verlust von Arbeitsplätzen zu reduzieren.

Die Bundesagentur für Arbeit zahlte eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr insgesamt 22,1 Milliarden Euro für das Kurzarbeitergeld aus. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 157 Millionen Euro und während der Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich finanziell zwischen 2008 und 2012 auswirkte, fielen insgesamt 8,5 Milliarden Euro für das Kurzarbeitergeld an.

Höchste Quote an Kurzarbeit im Gastgewerbe

Zu Höchstzeiten der Corona-Krise hatten sich bundesweit etwa sechs Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit befunden. Inzwischen ist die Zahl deutlich zurückgegangen: Nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo lag sie im vergangenen Monat bei 2,7 Millionen Berufstätigen, was 8,0 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entsprach. Im Februar hatte die Quote 8,7 Prozent betragen.

Nach wie vor muss vor allem das Gastgewerbe auf die Kurzarbeit zurückgreifen. Hier lag der Anteil der betroffenen Beschäftigten im März noch bei 50,8 Prozent.

"Ein löchriger Schutzschirm"

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkspartei im Bundestag, Sabine Zimmermann, warf der Bundesregierung eine "verfehlte Krisenpolitik" vor. "Das Instrument der Kurzarbeit ist ein löchriger Schutzschirm", so Zimmermann, da besonders Minijobber keinen Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld hätten. Sie forderte, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. April 2021 um 14:50 Uhr.