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Frühjahrsgutachten Wirtschaftseinbruch um 4,2 Prozent?

Stand: 08.04.2020 10:54 Uhr

Die Corona-Krise wird deutliche Spuren in der Wirtschaft hinterlassen. Im Frühjahrsgutachten sagen führende Wissenschaftler eine tiefe Rezession und steigende Arbeitslosigkeit voraus. Optimistisch blicken sie auf 2021.

Aus Sicht führender Wirtschaftsforschungsinstitute löst die Corona-Krise eine schwerwiegende Rezession in Deutschland aus: Im Frühjahrsgutachten gehen die Wissenschaftler von einem Minus von 4,2 Prozent für 2020 aus. Dies wäre die schwerste Rezession seit der Finanz-und Wirtschaftskrise vor mehr als zehn Jahren.

Die Corona-Krise wird laut dem Gutachten mit dem Titel "Wirtschaft unter Schock" auch deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. In der Spitze werde die Arbeitslosenquote auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen.

Für das kommende Jahr sagen die Institute jedoch eine Erholung und ein Wachstum von 5,8 Prozent voraus.

Ifo: Deutschland gut gerüstet

Deutschland sei aber gut gerüstet, um die Krise durchzustehen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Das Land bringe gute Voraussetzungen mit, mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte. Die günstige Finanzlage ermögliche es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen.

Die Länge und das Ausmaß des globalen Abschwungs hängen den Ökonomen zufolge vom weiteren Verlauf der Pandemie ab und davon, welche Maßnahmen zu ihrer Verlangsamung ergriffen werden und wie lange diese andauern. "Je einschneidender sie sind, desto größer fallen aber kurzfristig die wirtschaftlichen Schäden aus."

Noch schlimmer als in der Finanzkrise?

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte vor kurzem gesagt, es müsse mit tiefen Einschnitten beim Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Diese würden mindestens so stark, wenn nicht stärker als in der Finanzkrise 2009. Damals war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,7 Prozent zurückgegangen.

Ende März hatten die "Wirtschaftsweisen" in einem Sondergutachten als derzeit wahrscheinlichstes Szenario einen fünfwöchigen "Shutdown" und eine anschließende kurze Erholungsphase unterstellt. Für diesen Fall würde das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands 2020 um 2,8 Prozent schrumpfen, um im folgenden Jahr gleich wieder um 3,7 Prozent zuzulegen.

Knapp zehn Prozent weniger Wachstum in einem Quartal

Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft sein, erwarten die Institute. Das Statistische Bundesamt will die erste Schätzung zum ersten Quartal am 15. Mai vorlegen.

Im zweiten Quartal bricht es dann laut Gutachten als Folge des "Shutdowns" um 9,8 Prozent ein. Dies sei der stärkste je seit Beginn der Vierteljahresrechnung im Jahr 1970 gemessene Rückgang in Deutschland und mehr als doppelt so groß wie jener während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009.

Zum Vorteil der Privathaushalte in der Krise wirkt sich aus, dass der Preisauftrieb nicht allzu groß ausfällt. Dafür sorgt speziell der Absturz der Rohölpreise. Die Verbraucherpreise werden in diesem Jahr laut Gutachten nur um 0,6 Prozent steigen.

Fünf Institute beteiligt

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute legen zwei Mal im Jahr ihre Gemeinschaftsdiagnose vor. Beteiligt sind neben dem Ifo das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Die Gutachten dienen der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. April 2020 um 11:00 Uhr.