Eine Absperrung steht an der Baustelle der neuen Konzernzentrale von Continental in Hannover | Bildquelle: dpa

Sparpläne bei Continental Aufsichtsrat stimmt für Werksschließungen

Stand: 30.09.2020 16:03 Uhr

Die massiven Sparpläne waren angekündigt worden, jetzt gibt es für die Beschäftigten die Gewissheit: Die Continental-Werke in Aachen und Karben werden geschlossen. Das Werk in Regensburg soll umgebaut werden. Tausende Jobs sind betroffen.

Der Aufsichtsrat des Autozulieferers Continental hat die umfassenden Schließungspläne des Konzerns bestätigt. Wie Continental mitteilte, wurde die Schließung des Reifenwerks in Aachen bis Ende 2021 und des Standorts für Automobilelektronik in Karben bei Frankfurt bis Ende 2024 beschlossen. Außerdem soll der Standort Regensburg umgebaut werden.

4800 Arbeitsplätze betroffen

"Nach derzeitigem Stand sind keine weiteren vergleichbaren, durch den Aufsichtsrat zustimmungspflichtigen Strukturmaßnahmen an Standorten im In- und Ausland im Strukturprogramm vorgesehen", betonte das Management.

Insgesamt sind an den drei Standorten rund 4800 Arbeitsplätze betroffen. Neben dem Wegfall von Stellen zählen auch Umschulungen von Mitarbeitern und Verlagerungen von Jobs dazu.

Kritik von Gewerkschaften und Politik

Die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall erklärten, die Arbeitgebervertreter hätten "das rigide Sparprogramm" gegen die Stimmen der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat abgesegnet.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, sprach von einem "Kahlschlag-Konzept" des Unternehmens. "Continental hat die gesamte Mannschaft vor den Kopf gestoßen, die eigene Unternehmenskultur beschädigt und die betriebliche Mitbestimmung mit Füßen getreten", sagte er.

Schon im Vorfeld hatte sich auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) irritiert gezeigt über das Ausmaß der Sparmaßnahmen. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich eingeschaltet und Continental "kalten Kapitalismus" vorgeworfen.

Milliardenschwere Einsparungen angekündigt

Die Werksschließungen sind Teil eines verschärften Sparkurses beim zweitgrößten Autozulieferer der Welt. Anfang September hatte der Dax-Konzern den Plan angekündigt. Ziel ist es, von 2023 an jährlich mehr als eine Milliarde Euro einzusparen. Als Grund nannte das Unternehmen die mit der Pandemie verschärfte, schon länger anhaltende Talfahrt am Automobilmarkt.

Insgesamt sind von dem Umbau rund 30.000 Arbeitsplätze weltweit betroffen, davon 13.000 in Deutschland, bekräftigte der Konzern. "Das heißt nicht automatisch 30.000 Kündigungen!", erklärte Continental-Chef Elmar Degenhart. Entlassungen seien nur das allerletzte Mittel, zunächst sollten neue Beschäftigungsperspektiven für die betroffenen Mitarbeiter gesucht werden. Nach Auffassung der IG BCE stehen die Arbeitsplätze dagegen vor dem Aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. September 2020 um 16:00 Uhr.

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