In dem Hafen von Qingdao stehen Container und Containerbrücken.  | Bildquelle: dpa

Chinas Wirtschaft Schwächstes Wachstum seit Jahrzehnten

Stand: 18.10.2019 10:41 Uhr

Die chinesische Wirtschaft wächst so langsam wie seit fast 30 Jahren nicht mehr: Der Handelskonflikt mit den USA schwächt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Zudem ist "Made in China" weltweit weniger nachgefragt.

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich unerwartet stark verlangsamt. Im dritten Quartal 2019 legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nur noch um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit rund 30 Jahren.

In Summe der drei Quartale lag das Wirtschaftswachstum bei 6,2 Prozent und damit im unteren Bereich der Zielvorgaben der Regierung für das Gesamtjahr. Dieses liegt bei sechs bis 6,5 Prozent. Im ersten Quartal waren noch 6,4 Prozent und im zweiten 6,2 Prozent erreicht worden. Experten rechneten eigentlich für das dritte Quartal mit 6,1 Prozent Wachstum.

Unsicherheit über Handelsabkommen

Beobachter sehen den Handelskrieg mit den USA als Grund für die ausgebremste chinesische Wirtschaft. Auch die Verunsicherung von Investoren und die chinesischen Bemühungen, gegen die wachsende Verschuldung anzugehen, seien weitere Ursachen für das verlangsamte Wirtschaftswachstum. "Es gibt nach wie vor eine Menge Unsicherheit über ein Handelsabkommen zwischen den USA und China", sagte Volkswirt Ho Woei Chen von der United Overseas Bank in Singapur.

Vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Donald Trump eine Teileinigung mit China im Handelskonflikt verkündet. Die US-Regierung erklärte sich bereit, auf die eigentlich für Dienstag geplante Erhöhung der bisherigen Zölle auf chinesische Produkte von 25 auf 30 Prozent zu verzichten. Als Druckmittel beibehalten wollte Trump jedoch die Drohung, dass Mitte Dezember Zölle auf alle Produkte aus China fällig werden.

China ist nach Trumps Darstellung dazu bereit, sich künftig für Banken und Finanzdienstleister aus den USA zu öffnen und geistiges Eigentum zu schützen. Außerdem werde China Agrarprodukte aus den USA im Wert von 40 bis 50 Milliarden Dollar bestellen.

Treffen auf Asien-Pazifik-Gipfel

Trotzdem ist die Gefahr nicht gebannt: Beide Seiten wollen bis zum Treffen von Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem Asien-Pazifik-Gipfel Mitte November eine Übereinkunft zu Papier bringen. Es gibt aber noch viele Unklarheiten - das betrifft insbesondere die Höhe der landwirtschaftlichen Importe Chinas aus den USA. Auch fordert China nicht nur eine Aussetzung angekündigter neuer US-Strafzölle, sondern die Aufhebung der bestehenden Sonderabgaben.

Schwache Binnennachfrage

Der Handelskonflikt mit den USA zeichne sich jedoch erst allmählich in den Zahlen ab, wie etwa in den Exporten oder den Investitionen im produzierenden Gewerbe, sagte Max Zenglein vom Berliner China-Institut Merics. Für das schwächelnde Wachstum Chinas sei auch die weltweit gesunkene Nachfrage nach in China produzierten Waren verantwortlich. Auch die Binnennachfrage nach Waren wurde schwächer.

"Fast alle Wachstumstreiber zeigen nach unten", sagte Liu Shengjun, Vizepräsident der China Europe International Business School (CEIBS) in Peking. "Zusätzlich zu den Investitionen und Exporten verlangsamt sich auch der Konsum." Die Regierung greife nicht zu großen Konjunkturmaßnahmen, weil sie neue Probleme wie Überschuldung und Blasen schafften.

China: Wachstum im dritten Quartal fällt auf 6,0 Prozent
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
18.10.2019 09:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 18. Oktober 2019 um 10:40 Uhr.

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