Gong zur Eröffnung des Star Market in Shanghai | Bildquelle: AP

Chinesischer Star Market Gewinne von 400 Prozent und mehr

Stand: 22.07.2019 13:37 Uhr

"A Star is born": Darauf hoffen 25 chinesische Tech-Unternehmen, die Teil des neuen Star Market sind. Die Technologiebörse - vergleichbar mit der Nasdaq - sorgte zum Start für strahlende Gesichter.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Peking

Mit einem Countdown und zwei Schlägen auf einem traditionellen chinesischen Gong begann am Vormittag der Handel auf dem sogenannten Star Market. Danach versammelten sich Unternehmer, Börsenmanager und Politiker - fast ausschließlich Männer - auf der Bühne. Sie strahlten um die Wette. Und tatsächlich können alle Beteiligten zufrieden sein: Die 25 neu gelisteten Start-ups konnten am ersten Handelstag gut fünf Milliarden Euro einsammeln.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg überstieg die Nachfrage von Privatanlegern nach den neuen Aktien das Angebot um das 1800-Fache. Entsprechend gingen die Kurse der Firmen sofort nach Handelsbeginn allesamt durch die Decke, zum Teil zeigte die Kurstafel Gewinne von 400 Prozent und mehr an.

Anleger in Hangzhou vor einem Star-Market-Banner | Bildquelle: AP
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Anleger in Hangzhou vor einem Star-Market-Banner

"Nicht erst warten, bis wir profitabel sind"

Gelistet sind am Star Market Firmen aus mehreren Hightech-Branchen: Biotech, Künstliche-Intelligenz-Forschung, Laser-Technologie und Computerchip-Herstellung. Das neue Börsensegment soll den Firmen dabei helfen, schneller zu wachsen und profitabel zu werden. Es geht um chinesische Unternehmen, die noch relativ klein sind, aber nach Ansicht von Analysten großes Potenzial haben.

Der Shanghaier Star Market soll Chinas Tech-Branche finanziell kräftig anschieben. Zum Beispiel die Flugzeug-Technologie-Firma Meibang aus der Provinz Henan. Vorstandsmitglied Sun Dashuai sagte dem staatlichen Sender CCTV: "Als Unternehmen mit wissenschaftlichem und innovativem Ansatz wollen wir schnell agieren und können nicht erst warten, bis wir profitabel sind."

Regeln sind anders als in Frankfurt oder New York

Ob alle Firmen wirklich eine Zukunft haben, ob sie alle überleben und ob vor allem die hohen Bewertungen der Aktien wirklich Sinn ergeben, kann nach dem ersten Handelstag noch nicht gesagt werden. Viele internationale Analysten zweifeln. Die bisherigen chinesischen Börsenplätze haben in den vergangenen Jahren vor allem zahlreiche Skandale verursacht. Das hat häufig für Kurseinbrüche und Verluste bei Anlegern gesorgt. Mit dem neuen Star Market werde sich das ändern, betont Yi Huiman, Leiter der Börsenaufsichtsbehörde im staatlichen Fernsehen:

"Es geht hier nicht einfach nur um den Börsenhandel. Viel wichtiger: Wir stärken Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft im Börsenhandel."

Man werde die Erfahrungen des neuen Börsensegments nutzen, der Star Market könne auch anderen chinesischen Börsensegmenten als Vorbild dienen, sagte Chinas oberster Börsenaufseher. Mit westlichen Börsenplätzen in Frankfurt am Main, Tokio, Singapur oder New York lässt sich der Star Market in Shanghai aber nicht vergleichen: In China hat nach wie vor der Staat das letzte Wort, wenn es um Wirtschaft geht.

Konsequenterweise war es auch der Staat selbst, der das neue Börsensegment auf den Weg gebracht hat. Im November vergangenen Jahres ordnete Staats- und Parteichef Xi Jinping die Gründung an.

Star Market: Chinas neue Börse startet mit Gewinn
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
22.07.2019 13:26 Uhr

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