Computerchip | picture alliance / He Jinghua /

Fehlende Halbleiter Wie der Chipmangel China zusetzt

Stand: 20.08.2021 14:05 Uhr

Weltweit sorgt der Mangel an Computerchips für Produktionsausfälle. Besonders China bekommt die Folgen zu spüren. Auslöser der Knappheit ist die Rivalität mit den USA - aber auch Hamsterkäufe chinesischer Firmen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In China liegt einer der Gründe für den weltweiten Chipmangel. Gleichzeitig leidet die Volksrepublik selbst enorm unter der Tatsache, dass es weltweit zu wenig Halbleiter gibt. Einer der Auslöser war die Ankündigung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Seine Regierung hatte gedroht, China mit Sanktionen zu belegen, um das Land vom weltweiten Halbleitermarkt abzuschneiden. Allein diese Ankündigung genügte, um chinesische Firmen dazu zu bewegen, weltweit kurzfristig Chips in großem Stil aufzukaufen.

Probleme bei Lieferketten

Der chinesischen Tech- und Elektronikbranche hat das zunächst geholfen. Doch gleichzeitig hat der Schritt die sogenannte Just-in-time-Produktion großer internationaler Konzerne komplett aus dem Takt gebracht. Zum Beispiel in der Autoindustrie: Ohne Spezial-Chips lassen sich heute keine Pkw mehr bauen, schon gar keine E-Autos mit ihrer besonders komplexen Steuerungselektronik.

Nicht nur der Konflikt zwischen China und den USA ist Schuld am weltweiten Computerchip-Mangel. Auch die coronabedingten Lieferkettenprobleme setzen der Halbleiterindustrie zu. Zusätzlich sorgten ein Großbrand in einer Chip-Fabrik in Japan und die Wasserknappheit in Taiwan im Frühjahr dafür, dass wichtige Chip-Produzenten teilweise nicht fertigen konnten.

USA erhöhen den Druck

Wie sehr die Geopolitik inzwischen eine Rolle in der weltweiten Computerchip-Krise spielt, zeigt der Fall ASML. Das niederländische Unternehmen baut Spezialmaschinen für die Hightech-Computerchipindustrie. Auf Druck der US-Regierung beliefert ASML chinesische Firmen nicht mehr, zumindest nicht mit den besten und modernsten Maschinen zur Chipherstellung.

Damit wird es für Chinas Halbleiterindustrie schwieriger, vollständig unabhängig vom Rest der Welt zu werden. Am Ziel der sogenannten Chip-Autarkie hält die Staats- und Parteiführung allerdings fest: Sie will China mittel- bis langfristig unabhängig von Herstellern aus anderen Teilen der Welt machen. Davon würden nicht nur die heimische Elektronik- und Autoindustrie profitieren, sondern auch das chinesische Militär.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. August 2021 um 13:37 Uhr.