Verkehr in Göteborg | Bildquelle: picture alliance / Friso Gentsch

Carsharing in Göteborg Wie "Airbnb für Autos"

Stand: 12.09.2019 21:34 Uhr

Ein Startup aus dem schwedischen Göteborg will den Carsharing-Markt aufmischen. Die Idee: Jeder kann seinen privaten Wagen vermieten. Eine App steuert alles vom Buchen übers Türöffnen. Ein erster Test lief erfolgreich.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Herman Orvik ist einer von inzwischen etwa 1000 Göteborgern, die bei einem Test mitmachen, der seit Juni läuft und in Schweden für Schlagzeilen sorgt. Weil damit versucht wird, Carsharing auf eine ganz neue private Ebene zu bringen. Mit Hilfe des Startups "CiaoCiao".

Kinderleicht zum Autobesitzer?

Das versteht sich nach eigener Darstellung als eine Art "Airbnb für Autos", bietet die entsprechende Technik und den Service, der es allen Autobesitzern möglich macht, angeblich kinderleicht, sicher und umweltschonend Autovermieter zu werden. Chef des Startups ist Karl Törnström, der mit seiner Idee den Individualverkehr auf neue und deutlich weniger Räder stellen will. Denn die meisten Wagen würden aktuell ja kaum genutzt, sagte er im Fernsehsender TV4:

"In Schweden gibt es fünf Millionen Autos, die zu 95 Prozent der Zeit nur herumstehen. Das ist nicht wirklich nachhaltig. Mit unserem Konzept können Autobesitzer Geld mit ihrem Auto verdienen, während die, die Autos mieten, die Freiheit, die das Fahren mit sich bringt, zu einen günstigeren Preis bekommen."

Umgerechnet zwischen 200 und 500 Euro brutto im Monat an Einnahmen verspricht er Autobesitzern, die ihre Wagen über sein Startup vermieten, das sich über Provisionen finanziert. Diese Autos seien dann etwa 25 Prozent günstiger zu mieten als bei professionellen Autoverleihern.

Dafür müssen Mieter und Vermieter die "CiaoCiao"-App auf ihre Smartphones laden, über die angeboten, gebucht und bezahlt wird. Und mit deren Hilfe Kunden, die sich vorher über eine andere in Schweden weit verbreitete Identifikations-App ausgewiesen haben, die Wagen elektronisch öffnen können. Die Schlüssel sind im Auto.

Natürlich sollen Mieter nach Fahrtende die Autos heil, wenigstens zu einem Viertel getankt und möglichst an der Stelle parken, an der sie auch eingestiegen sind. Aber für alle Fälle, in denen das nicht klappt, verspricht das Startup schnelle Hilfe - einfach anrufen. Es sorgt auch dafür, dass die Wagen voll versichert sind und nicht so einfach geklaut werden können. Denn das ist die große Sorge potenzieller Vermieter.

Digitalbox im Auto

Eine unbegründete Sorge, sagt das Unternehmen. Eine kleine Digitalbox, die in die Wagen eingebaut wird, öffne über die App nicht nur die Türen, sondern steuere auch die Wegfahrsperre und zeichne per Satellitennavigation Weg und Position der Wagen auf. Außerdem werde ja jeder Mieter vor dem Losfahren eindeutig identifiziert und sei deshalb als kleiner oder größerer Übeltäter hinterher schnell zu finden.

Das diszipliniert offenbar ganz gut. Denn bisher hat man im laufenden Test nichts von Beschwerden über leer gefahrene Tanks, verdreckte Innenräume oder irgendwo am Ende der Welt abgestellte Wagen gehört.

Neue Carsharing-Idee: Startup macht jede(n) zum Autovermieter
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
12.09.2019 20:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 13. September 2019 um 06:25 Uhr.

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