Ein Containerschiff läuft während des Sonnenaufgangs in den Hamburger Hafen ein. | Bildquelle: dpa

Deutsche Wirtschaft Die Stimmung wird schlechter

Stand: 07.06.2019 12:08 Uhr

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft fällt in diesem Jahr wohl deutlich schwächer aus als erwartet. Ein Grund sind die Exporte: Im April brachen sie so kräftig ein wie seit 2015 nicht mehr.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich weiter. Im April brachen die Exporte so kräftig ein wie seit annähernd vier Jahren nicht mehr.

Laut Statistischem Bundesamt schrumpften die Ausfuhren um 3,7 Prozent im Vergleich zum März. Das ist der stärkste Rückgang seit August 2015. "Die Auswirkungen der globalen Unruhe - nicht nur in der Politik allgemein, aber vor allem in der Handelspolitik - bekommen wir nun zu spüren", erläuterte Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes.

Deutsche Bundesbank geht für das laufende Jahr von einem deutlich schwächeren Wachstum aus als noch im Dezember erwartet. Für 2019 rechnet die Bundesbank nur noch mit einem Wachstum von 0,6 Prozent. Vor einem halben Jahr hatten die Volkswirte noch ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent für möglich gehalten.

Mehr Optimismus für das zweite Halbjahr

Nach einer Phase der Hochkonjunktur kühle sich die Wirtschaft in Deutschland spürbar ab, erklärten die Ökonomen. Zwar stütze der private Konsum nach wie vor die Konjunktur, die Industrie leide jedoch unter dem schleppenden Export.

Die Bundesbank geht jedoch davon aus, dass die Ausfuhren ab dem zweiten Halbjahr allmählich wieder kräftiger zulegen werden. Dann werde auch die Industrie wieder mehr produzieren. "Sobald die Auslandsnachfrage in Gang kommt, wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft wieder auf einem breiteren Fundament stehen", betonte Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Für 2020 rechnet sein Haus mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Allerdings liegt dies unter der Dezember-Prognose von 1,6 Prozent. Für 2021 werden 1,3 Prozent prognostiziert.

Weiter große Risiken für die Wirtschaft

Die Risiken für das Wachstum der deutschen Wirtschaft sind weiterhin groß. So hat sich der Handelsstreit zwischen den USA und China seit Mai wieder zugespitzt. Beide Länder sind wichtige Kunden der deutschen Wirtschaft.

Kühlt sich die Konjunktur dort durch den Zollstreit ab, bekommen das auch die deutschen Hersteller zu spüren. "Eines wird deutlich: In Zeiten von Handelskrieg ist das wirtschaftliche Risiko für die deutsche exportabhängige Wirtschaft besonders hoch", warnte deshalb der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Zuletzt hatten auch die Bundesregierung und zahlreiche Ökonomen ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr gesenkt. Die Bundesregierung rechnet für 2019 nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Zunächst war die Regierung von 1,0 Prozent Plus ausgegangen. 2018 war die deutsche Wirtschaft um 1,4 Prozent gewachsen.

Über dieses Thema berichtete am 07. Juni 2019 NDR Info um 10:45 Uhr in den Nachrichten und tagesschau24 um 12:00 Uhr.

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