Blick auf einen Teil der BP-ETAP-Plattform in der Nordsee. | picture alliance / empics

BP profitiert von teurer Energie Hohe Ölgewinne - höhere Steuern?

Stand: 03.05.2022 15:21 Uhr

Energiekonzerne wie BP erwirtschaften derzeit enorme Gewinne aus dem Geschäft mit Öl und Gas - auch wenn sie der Rückzug aus Russland Geld kostet. Forderungen nach höheren Steuern auf die Extra-Profite werden lauter.

Stark gestiegene Gewinne des britischen Konzerns BP haben Forderungen nach einer höheren Besteuerung von Öl- und Gasunternehmen befeuert. Das britische Unternehmen konnte seinen bereinigten Gewinn angesichts der hochgeschossenen Energiepreise in den ersten drei Monaten des Jahres mehr als verdoppeln - auf 6,25 Milliarden Dollar von 2,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Dies war der höchste Quartalsgewinn seit mehr als zehn Jahren.

BP verwies auf "außergewöhnliche" Erträge im Geschäft mit Öl und Gas. "Nicht nur im Handelsgeschäft, sondern im gesamten Unternehmen läuft das Geschäft gut", sagte BP-Chef Bernard Looney. Unter dem Strich verbuchte der Konzern dennoch einen Rekordverlust von 20,4 Milliarden Dollar, weil er seine Beteiligung am russischen Ölunternehmen Rosneft komplett abgeschrieben hat. Im Februar hatte BP angekündigt, sich wegen des Ukraine-Kriegs komplett aus dem Russlandgeschäft zurückzuziehen. Der britische Konzern ist noch mit knapp 20 Prozent an Rosneft beteiligt, will die Anteile jedoch abgeben.

Kritik von der Opposition

Keir Starmer, Chef der britischen Labour-Partei, forderte höhere Steuern für Konzerne wie BP. "Wenn so viele Menschen Probleme haben, ihre Energierechnung zu zahlen, sollten wir eine Sondersteuer erheben für Öl- und Gasunternehmen in der Nordsee mit überraschend hohen Gewinnen", sagte der britische Oppositionsführer der BBC. Schatten-Klimaminister Ed Milliband kritisierte die Regierung, die sich "weigere zu handeln".

Der britische Premierminister Boris Johnson ist gegen eine solche Extra-Steuer auf die Gewinne der Ölmultis. "Von den Energiekonzernen eine Sondersteuer zu verlangen bedeutet, sie von erwünschten Investitionen abzuhalten, die am Ende zu niedrigeren Energiepreisen für alle führen", sagte der Tory- Politiker dem Sender ITV.

Italien erhebt höhere Sondersteuer

Italien finanziert ein Entlastungspaket gegen die hohen Energiepreise zumindest teilweise durch höhere Steuern auf Extragewinne von Energiekonzernen. Eine im März eingeführte neue Sondersteuer wird von zehn Prozent auf nun 25 Prozent erhöht. Am Montag verabschiedete die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi das Paket mit einem Umfang von 14 Milliarden Euro. Unter anderem erhalten Menschen mit niedrigeren Einkommen Sonderzahlungen, auch sind Steuererleichterungen für energieintensive Unternehmen geplant.

Der BP-Konzern hat angekündigt, in diesem Jahrzehnt bis zu 18 Milliarden Pfund in die britische Energie-Infrastruktur zu investieren. Auf Gewinne aus dem Geschäft mit Nordsee-Öl und Gas wird das Unternehmen 2022 Schätzungen zufolge etwa eine Milliarde Pfund an Steuern zahlen.

BP verweist auf Investitionen

Ihm sei klar, dass viele Haushalte angesichts der massiv steigenden Energiepreise "sehr, sehr kämpfen" müssten, sagte BP-Chef Looney der "Financial Times". Sein Konzern müsse aber die Interessen der Aktionäre wahren, unter denen viele Rentner seien. BP zahle seine Steuern und müsse genügend Geld in den Ausbau der Energiesysteme investieren können.

Wettbewerber wie Exxon Mobil, Chevron oder TotalEnergies hatten zuletzt ähnlich kräftige Zuwächse erzielt wie BP. Auch ihre Ergebnisse wurden von den höheren Öl- und Gaspreise und starken Handelsgeschäften angetrieben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Mai 2022 um 14:00 Uhr.