Die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines hat wegen Rissen an wichtigen Bauteilen zwei Jets vom Typ Boeing 737 NG aus dem Verkehr gezogen. | Bildquelle: dpa

Risse entdeckt Airlines legen weitere Boeing-Jets still

Stand: 10.10.2019 09:43 Uhr

Die schlechten Nachrichten beim US-Flugzeughersteller Boeing reißen nicht ab. Prüfer haben bei der Modellreihe 737 NG Risse entdeckt. Zwei Airlines zogen ihre betroffenen Flieger sofort aus dem Verkehr.

Der US-Luftfahrtriese Boeing hat nach zwei Abstürzen seiner bestverkauften Modellreihe 737 Max eigentlich genug Schwierigkeiten. Jetzt macht auch noch ein Vorgängermodell Probleme.

Die brasilianische Fluggesellschaft Gol Linhas Aereas Inteligentes hat nach einer Inspektion elf Jets des Typs 737 NG aus dem Verkehr gezogen. Auch bei der US-Fluggesellschaft Southwest Airlines bleiben wegen Rissen an wichtigen Bauteilen zwei Jets der selben Baureihe am Boden. Die beiden Maschinen würden erst wieder benutzt, wenn die Probleme vollständig behoben seien, teilte die Airline mit. Sicherheit habe oberste Priorität.

Die 737 NG ist der Vorgänger des Unglücksfliegers 737 Max, der Mitte März nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten fast weltweit mit Startverboten belegt wurde.

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hatte Betreiber von Boeings 737 NG am vergangenen Mittwoch angewiesen, die Maschinen innerhalb von sieben Tagen auf Risse zu überprüfen. Der Hersteller habe das Problem selbst entdeckt und die Behörde darüber informiert. Das Risiko von Rissen besteht bei sogenannten Pickle Forks. Das sind wichtige Bauteile zur Befestigung der Tragflächen am Flugzeugrumpf. Unter hoher Belastung können diese sich offenbar schneller als angenommen abnutzen.

Boeing will Kunden unterstützen

Der Flugzeughersteller bekräftigte in einer Stellungnahme, seine Kunden aktiv bei den Untersuchungen der 737 NG zu unterstützen. Allen betroffenen Betreibern seien detaillierte Anweisungen gegeben worden, auch bei erforderlichen Reparaturen beteilige Boeing sich.

Laut einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg, will der Flugzeugbauer eine Reparaturstation im kalifornischen Victorville einrichten. Boeing gehe davon aus, etwa zwei bis drei Wochen pro Flugzeug zu benötigen, um die Probleme zu beheben. Der US-Konzern äußerte sich dazu zunächst nicht.

Milliarden-Auftrag storniert

Fest steht: Boeing hat mit den Krisenfliegern der 737-Max-Serie momentan eigentlich schon genug Stress. Die große US-Fluggesellschaft American Airlines rechnet nach Angaben in diesem Jahr nicht mehr mit einer Wiederinbetriebnahme der 737-Max-Jets. Das Unternehmen teilte mit, die Maschinen bis zum 16. Januar aus dem Flugplan zu nehmen.

Boeings Bestseller fällt somit in der von starkem Reiseaufkommen geprägten Weihnachtszeit aus. Boeing steht unter Druck, Software-Probleme zu beheben, die als eine entscheidende Ursache der zwei Abstürze gelten.

Der Airbus-Rivale sieht sich zusätzlich mit einem Problemen bei den Bestellungen für seinen Dreamliner 787 konfrontiert: Der Zeitung "Seattle Times" zufolge stornierte die russische Fluggesellschaft Aeroflot offiziell eine Bestellung von 22 Dreamlinern im Wert von etwa 5,5 Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Oktober 2019 um 11:30 Uhr in der Wirtschaft.

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