Abgas kommt aus einem Auto im morgendlichen Berufsverkehr in Düsseldorf. | dpa

Noch keine Ausstiegsdaten Hängen deutsche Autobauer am Verbrenner?

Stand: 05.07.2021 19:03 Uhr

Am 14. Juli wird die EU-Kommission ihre Klimapläne verkünden und der Autobranche wohl noch strengere CO2-Reduktionsziele verordnen. Dennoch zögern die deutschen Autobauer beim Verbrenner-Ausstieg.

von Notker Blechner, tagesschau.de

Bisher hieß der Werbeslogan bei Audi "Vorsprung durch Technik". Bald könnte er vielleicht in "Vorsprung durch Klimaschutz" umgetauft werden - zumindest in Deutschland. Denn nach dem jetzigen Stand der Dinge dürfte Audi der erste deutsche Autohersteller sein, der sich vom Verbrenner verabschiedet. Von 2026 an wird der Premiumhersteller keine neuen Modelle mit Diesel- oder Benzinmotor mehr auf den Markt bringen. Der letzte Sprit-SUV soll 2026 vorgestellt und bis 2033 verkauft werden. "2033 ist also endgültig Schluss mit Verbrennungsmotoren", sagt Audi-Chef Markus Duesmann. Das gelte auch für Hybridmodelle.

VW wartet noch ab

Andere Hersteller sind deutlich zurückhaltender und wollen sich partout nicht festlegen. So lässt die Audi-Konzernmutter VW die weltweite Zukunft des Verbrenners offen. "In Europa steigen wir zwischen 2033 und 2035 aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aus", kündigte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer Ende Juni an. In den USA und China werde der Ausstieg später erfolgen, in Südamerika und Asien noch viel später. Als Ziel gilt: Bis 2030 sollen 70 Prozent aller neuen VW-Modelle rein elektrisch fahren.

VW-Markenchef Ralf Brandstätter hält die Diskussion über das Wann des Verbrenner-Abschieds für zu kurz gegriffen. Für den Weg in die E-Mobilität sei auch wichtig, eine entsprechende Ladeinfrastruktur zu entwickeln und die Energiewende voranzubringen. "Solange wir noch einen hohen Kohlestromanteil haben, ist es nicht sinnvoll, auf einen hohen Anteil von E-Autos zu drängen", sagte er. Zudem sei im Premiumbereich ein Wandel schneller möglich im sogenannten Volumengeschäft, betonen die Wolfsburger. "Volumenhersteller müssen stärker auf den Export achten", erklärt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management. In Südamerika, Russland oder Asien dürften Verbrenner noch länger als in Europa das Straßenbild prägen.

BMW verzichtet auf konkretes Datum

Aber außer Audi halten sich auch die deutschen Premiumhersteller bedeckt hinsichtlich der Zukunft des Verbrenners. BMW-Chef Oliver Zipse lehnt es ab, ein Enddatum zu nennen, und will für alle Antriebsarten offen bleiben - vorerst. Bis 2030 wollen die Münchner die Hälfte ihrer Autos mit Batterieantrieb verkaufen. In einigen Märkten werde der Verbrenner aber noch gebraucht. "Wenn ein Hersteller dann kein Verbrennerangebot mehr hat, geht ihm das halbe Marktvolumen verloren", hadert Zipse. Einen solchen "Schrumpfungskurs" wolle BMW nicht fahren.

Die Münchner hatten mit dem Diesel und dem Plug-in-Hybrid zu lange aufs falsche Pferd gesetzt, glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car Center Automotive Research in Duisburg. Deshalb traue man sich nicht, Klartext zu reden. Länger den Diesel zu strecken, sei die Strategie von BMW. "Es fehlt ein bisschen der Mut", meint Dudenhöffer gegenüber tagesschau.de.

Daimler will bis 2039 die Modellpalette klimaneutral machen

Etwas mutiger und klarer hören sich die Ziele bei Daimler an. Bis 2030 werde die Zahl der Modellvarianten mit Diesel oder Benziner um 70 Prozent verringert, haben die Stuttgarter angekündigt. Und bis 2039 solle dann die ganze Modellpalette CO2-neutral sein - möglicherweise auch schon früher. Aus Konzernkreisen heißt es, dass Daimler-Boss Ola Källenius die Mitarbeiter auf ein Verkaufsverbot für Verbrennungsmotoren schon von 2030 an vorbereite. Dennoch will Källenius bislang noch kein Ausstiegsdatum verkünden. In mehreren Ländern würden Diesel- und Benziner-Fahrzeuge noch länger gefragt sein als in Europa, erklärt der Schwede gerne.

Volvo und Ford preschen voran

Andere ausländische Autobauer sind weniger zögerlich. Ford zum Beispiel hat vor wenigen Monaten das Ende der Verbrenner für 2030 angekündigt. Zumindest in Europa werden dann nur noch E-Fords angeboten. Auch Volvo plant schon jetzt den Umstieg. Von 2030 an wollen die Schweden nur noch Elektroautos verkaufen. Schon 2025 soll der Anteil der verkauften Stromer bei 50 Prozent liegen.

Einzelne Länder sind ähnlich weit vorgeprescht wie Volvo und Ford. Großbritannien wird ab 2030 den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor auf der Insel verbieten. Die Johnson-Regierung will das Land zum attraktivsten Standort für die Produktion von Elektrofahrzeugen machen. Bisher hat sie aber gerade mal eine halbe Milliarde Pfund für die Förderung sogenannter Giga-Factories zur Verfügung gestellt - deutlich weniger als die EU.

Verschärft die EU die CO2-Reduktionsziele?

Brüssel könnte in der kommenden Woche ein konkretes Aus für die Verbrennerfahrzeuge verkünden. Die EU-Kommission wird am 14. Juli seine detaillierten Klimaschutz-Pläne vorstellen und erklären, wie die Ziele erreicht werden sollen. Diskutiert wird angeblich über eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 100 Prozent bis 2035. Das heißt: Von diesem Datum an dürften dann keine Diesel- oder Benziner-Autos mehr in den Verkehr gebracht werden.

Ein solches faktisches Verkaufsverbot für Verbrennerfahrzeuge würde die deutschen Hersteller noch stärker unter Druck bringen. Das will der Verband der Automobilindustrie (VDA) unbedingt verhindern. Ob sich die deutschen Auto-Lobbyisten wieder einmal in Brüssel durchsetzen und weniger scharfe Grenzwerte erreichen, wird sich zeigen. Am Mittwoch lädt der VDA zur Halbjahres-Pressekonferenz. Dort dürfte Präsidentin Hildegard Müller die Position der Branche nochmals klar machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. März 2021 um 17:16 Uhr.