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Social Banking Heute schon gevenmot?

Stand: 01.06.2019 10:59 Uhr

Die Deutschen hängen am Bargeld, es verschwindet aber schneller, als Experten vorhersagten. Während sich das Bezahlen per Karte oder App zunehmend durchsetzt, stecken die USA schon mitten im nächsten Trend.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Bei den 20- bis 30-Jährigen in den USA, den Millennials, ist Venmo eine der beliebtesten Apps. Auf rund 39 Millionen Nutzer, so vorsichtige Schätzungen, kommt der Dienst, der 2009 gegründet wurde und mittlerweile zu PayPal gehört. Das Besondere: Der eigene Freundeskreis sieht, an wen man Geld bezahlt hat, nur die Summe bleibt verborgen.

PayPal-Chef Dan Schulman hält diesen Markt für extrem wertvoll - er habe ein Volumen von gut 100 Billionen Dollar, so Schulman gegenüber dem Fernsehsender CNBC: "Die Peer-To-Peer-Zahlungen explodieren. Das ist ein Billionenmarkt, wo für viele Unternehmen Platz ist."

alt Mann schaut auf Mobiltelefon | Bildquelle: dpa

Die Social-Banking-App Venmo

Die Bezahl-App Venmo ist momentan nur in den USA nutzbar. Sowohl Geld-Sender als auch Empfänger müssen in den Vereinigten Staaten leben. Venmo wurde 2009 gegründet und gehört mittlerweile zu PayPal.

 Die Restaurant-Rechnung teilen

Allein von Oktober bis Dezember vergangenes Jahres sind via Venmo 19 Milliarden Dollar bewegt worden. Der Dienst ist kostenlos. Mit Hilfe der App überweist man Geld oder fordert es von anderen an, zum Beispiel um die Restaurant-Rechnung zu teilen oder Reinigungskräfte zu bezahlen.

Das eigene Bankkonto ist mit dem Dienst verknüpft. Eine Transaktion wird sofort ausgeführt. Gebühren fallen nur an, wenn man anstelle des Kontos eine Kreditkarte verwendet.

Emoji statt Text

Erin ist Mitte 20 und "venmot" pro Woche mehrmals: "Es ist wie Facebook. Alle nutzen es. Da geht man dann auch hin."

Anstelle von Text in der Betreffzeile bietet einem die App Emojis an. Freunde aus Facebook und dem Smartphone-Telefonbuch kann man zu dem Dienst hochladen und dann an diese sofort Geld schicken oder von ihnen empfangen.

 "Das Erfolgsgeheimnis von Venmo ist, dass es sich nicht um eine bloße Überweisungs-App handelt", sagt PayPal-Chef Schulman, "die junge Generation fordert eine Integration in ihr soziales Netzwerk. Man taggt eine Transaktion, versieht sie mit einem Emoji und teilt sie mit Freunden."

 Die Konkurrenz schläft nicht

Venmo ist für PayPal ein großer Erfolg. Die US-Banken haben sich deshalb vor gut zwei Jahren zusammengetan und "Zelle" ins Leben gerufen - einen Konkurrenzdienst. Im Prinzip funktioniert die App ganz ähnlich, sie macht nur nicht so viel Spaß. Längst ist Venmo nicht mehr nur bei der jungen Generation ein Erfolg. Die größte wachsende Gruppe für diese Peer2Peer Dienste in den USA sind nach Auskunft von PayPal Nutzer über 40 Jahren.

Einen anderen Ansatz verfolgt T-Mobile USA - ein erfolgreiches Tochterunternehmen der Deutschen Telekom. T-Mobile bietet hierzulande mittlerweile auch ein Bankkonto an - ein Instrument zur Kundenbindung. Wer bei T-Mobile USA seinen Smartphone-Vertrag hat, bekommt das neue Konto kostenlos - inklusive einer Art EC-Karte, der Debit-Card. Gebühren gibt es keine, auch nicht, wenn man an einem der 55.000 Automaten weltweit Geld abheben möchte.

Gesteuert wird das Konto per App, sie ist übersichtlich und kinderleicht zu bedienen. Guthaben von bis zu 3000 Dollar werden übrigens verzinst - mit 4,0 Prozent. Für alles darüber hinaus gibt es immerhin 1,0 Prozent Zinsen - das ist der Normalsatz in den USA.

Banking-Trends aus dem Silicon Valley
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
01.06.2019 09:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 31. Mai 2019 um 15:23 Uhr.

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