Schriftzug des neues Haupstadtflughafens BER

Vor Eröffnung Bund rechnet mit mehr BER-Hilfen

Stand: 27.10.2020 11:20 Uhr

Mit mehrjähriger Verspätung soll diese Woche der neue Hauptstadtflughafen eröffnen. Bundesverkehrsminister Scheuer geht davon aus, dass der BER wegen der Corona-Krise weitere Staatshilfen benötigen wird.

Kurz vor der BER-Eröffnung hält die Bundesregierung weitere Staatshilfen für den neuen Hauptstadtflughafen für erforderlich. Das werde beim Luftverkehrsgipfel am 6. November besprochen. Für den BER bedeutet das, "dass wir uns die Wirtschaftspläne für die nächsten Jahre noch einmal intensiv anschauen müssen", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dem RBB-Inforadio.

Die Eröffnung falle in eine Zeit, in der die Luftverkehrswirtschaft global ihre größte Krise erlebe. "Ich habe die Zahlen auf dem Tisch, ich bin höchst besorgt", sagte Scheuer. Die Worst-Case-Szenarien würden noch übertroffen - das gelte von Flugzeugbauern über Flughäfen und Airlines bis zu den Shopbetreibern am Airport. "Wir müssen als Politik Lösungen anbieten - die sind mit Nothilfen verbunden."

Hilfen für 2020 und 2021 bereits beschlossen

Engelbert Lütke Daldrup | Bildquelle: dpa
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Flughafenchef Lütke Daldrup sieht den BER auf Jahre als Zuschussgeschäft.

Die Eigentümer der Flughafengesellschaft - Berlin, Brandenburg und der Bund - unterstützen das Unternehmen in diesem Jahr bereits mit 300 Millionen Euro. Für 2021 ist ein Darlehen von rund 550 Millionen Euro zugesagt. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte bereits im Mai erklärt, dass der neue Flughafen nach dem Start zunächst ein Zuschussgeschäft bleiben werde. "Wir werden auch in 2021, 22, 23 möglicherweise noch Unterstützung benötigen", sagte Lütke Daldrup damals. 

Mehdorn erwartet positiven Start

Trotz aller Schwierigkeiten sagt der frühere Flughafenchef Hartmut Mehdorn dem BER eine positive Zukunft voraus. "Er ist ein schöner und funktioneller moderner Flughafen", sagte Mehdorn der Nachrichtenagentur dpa. "Seine Rolle als Wirtschaftsmotor der Region Berlin/Brandenburg wird sich nach kurzem Anlauf von selbst einstellen."

In den vergangenen Jahren platzten sechs geplante Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen. Planungsfehler, Baumängel, technische Probleme und Personalwechsel warfen das Projekt immer wieder zurück. Rund sechs Milliarden Euro wurden am BER verbaut, drei Mal so viel wie zunächst geplant. "Der BER wurde von Beginn an zu klein konzipiert", erklärte Mehdorn die Ursache der vielen Probleme.

Corona lässt Passagierzahlen einbrechen

Mit einer Gesamtfläche von rund 1470 Hektar bietet der neue Flughafen zwar viel Platz - aber es könnte mittelfristig trotzdem eng werden. Jährlich kann der Airport zu Beginn 27 Millionen Passagiere abfertigen. Im Dezember 2019 reisten bereits aber bereits mehr als 35 Millionen Fluggäste in die Hauptstadt oder stiegen dort um. Dieses Problem wird durch die Corona-Pandemie zunächst entschärft: Nur noch rund sieben Millionen Fluggäste gab es in Berlin im August 2020, ein Minus von fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Betreibergesellschaft gibt sich zuversichtlich: Sollten die Passagierzahlen wieder steigen, könne die Kapazität auf bis zu 45 Millionen Passagiere erweitert werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Oktober 2020 um 11:02 Uhr.

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