Eine Hand greift nach Geldscheinen, die aus einem Geldautomaten ausgeworfen wurden | dpa

Bundesbank-Pläne für Krisenfall Kein Strom, kein Geld?

Stand: 24.11.2022 13:13 Uhr

Ohne Strom verweigern Geldautomaten ihren Dienst, Kreditkarte sind nur noch ein Stück Plastik. Bei der Bundesbank gibt es deswegen Notfallpläne. Geschäftsbanken sind bei dem Thema schweigsam.

Von Oliver Feldforth, hr

Der russische Angriff auf die Ukraine lässt viele in Deutschland besorgt auf die Sicherheit bei der eigenen Stromversorgung schauen. Politikerinnen und Politiker beruhigen zwar und verweisen auf die längere Laufzeit der drei verbliebenen AKW sowie auf Kohlekraftwerke, die zusammen die Netzsicherheit gewährleisten sollen, sollte der Nachschub beim Gas stocken und der Wind nicht wehen.

Auch wenn Experten das Szenario für sehr unwahrscheinlich halten: Sollte es zu einem großen Strom-Blackout kommen, würde kein Geldautomat mehr Bares ausspucken und auch die Kreditkarte wäre ohne elektronisches Lesegerät nutzlos. Dann gibt es nur noch das Bargeld - und das muss trotz schwieriger Umstände zum Verbraucher.

Notstromaggregate für den Krisenfall

Die Bundesbank stellt über ihre 31 Filialen Bargeld zur Verfügung. In den Tresoren dort lagert das mehrfache eines normalen Tagesumsatzes an Bargeld, so Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Notstromaggregate sollen sicherstellen, dass alles auch dann funktioniert, wenn das Elektrizitätsnetz kollabiert. In Krisenfällen, wie bei der Finanzkrise 2008 aber auch in der Hochphase der Pandemie, wollen die Verbraucher mehr Bargeld besitzen, so Johannes Beermann. 300 Euro seien normal, und das steige dann schnell an.

Der Kontakt zu den Firmen, die die Geldtransporte übernehmen, sei eng. Diese sogenannten "Geld- und Wertdienstleister" fordern, in staatlichen Notfallplanungen Priorität zu bekommen. Nur so sei es möglich, im Krisenfall Benzin für die Fahrzeuge zu bekommen, denn auch da drohen im Falle eines Blackouts Engpässe. Ohne Elektropumpen funktioniert keine Tankstelle.

Auch der Staat denkt nach

Eine Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag über die Folgen eines lang andauernden und großräumigen Stromausfalls sieht größere Banken vorbereitet auf Stromausfälle. So gebe es Notstromversorgung für essenzielle Kommunikationsstrukturen, wie Server - aber auch für wichtige Einrichtungen wie Tresore oder Geldautomaten.

Genaueres ist von den Banken nicht zu erfahren. Die Notenbank strahlt bewusst Zuversicht aus, wenn Vorstand Beermann betont, dass bei ihnen so viel Geld lagere - so viel brauche kein Mensch.

Kunden sollen nicht verunsichert werden

Aber wenn es konkret darum geht, wie denn die Geschäftsbanken auch technisch Sorge tragen, dass auch ohne Strom Scheine ins Portemonnaie kommen, werden sie sehr einsilbig - oder wortreich nichtssagend. Der Banken- und der Sparkassenverband betonen, dass für die Bargeldversorgung zum Beispiel Notkassen oder auch anderer Ausgabestellen eine mögliche Option sein könnten. "Banken und Sparkassen haben schon während der Pandemie gezeigt, dass sie für akute Problemlagen individuelle Lösungsmöglichkeiten für ihre Kundinnen und Kunden finden können."

Bei der größten deutschen Geschäftsbank, der Deutschen Bank, wird es noch allgemeiner. Stromausfälle seien seit vielen Jahren Bestandteil ihrer Planungen, um auch im Notfall den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, so ein Sprecher. Von "Business Continuity Management" ist die Rede. Weitere Details gebe man dazu nicht bekannt.

Offenbar wollen die Geschäftsbanken ihre Kunden nicht verunsichern, aber auch nicht zu viel Wissen über Sicherheitsvorkehrungen preisgeben. Schließlich könnte auch ein Terroranschlag Grund für einen Stromausfall sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2022 um 10:08 Uhr.