Ein ICE-Sonderzug fährt am 08.12.2017 bei Erfurt (Thüringen) über die ICE-Neubaustrecke München - Berlin. | Bildquelle: dpa

ICE-Strecke Berlin-München Die Bahn hat da ein Problem

Stand: 12.12.2017 16:46 Uhr

Auf der neuen, milliardenteuren Bahnstrecke zwischen Berlin und München gab es erneut Ausfälle. Medienberichten zufolge könnten die Probleme der Bahn mit einer neuen Steuerungstechnik zusammenhängen, ohne die kein ICE mehr auf der Strecke fahren darf.

Die Bahn hat auf ihrer neuen Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München weiter mit Problemen zu kämpfen. Auch heute Morgen fiel eine Verbindung aus. Der ICE, der um 7.38 Uhr im Berliner Hauptbahnhof starten sollte, fuhr nicht.

Grund war eine technische Störung am Zug, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Der ICE habe schon aus Hamburg nicht losfahren können. Die gleiche Verbindung war bereits am Montag ausgefallen, weil der Zug als Folge einer Verspätung am Vortag nicht abfahrbereit am Bahnhof gestanden war.

Auch am Wochenende hatte es schon Probleme gegeben. Nach den Feierlichkeiten zur Einweihung der neuen Strecke mit Kanzlerin Angela Merkel, erreichte ein Zug mit rund 200 Ehrengästen und Journalisten München - wegen diverser Pannen - mit mehr als zwei Stunden Verspätung.

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Digitalisierung des Schienenverkehrs

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete indes von Problemen mit einer neuen Steuerungstechnik, auf die die Zugverspätungen zwischen Berlin und München am Montag und am Wochenende zurückzuführen sein sollen. Insgesamt seien fünf der extra für die neue Strecke hochgerüsteten ICEs aus dem Verkehr gezogen worden.

Laut "SZ" bereitet offenbar das neue Zugsicherungssystem "European Train Control System" (ETCS) Probleme. Das System diene der Digitalisierung des Schienenverkehrs und würde weitgehend autonom funktionieren. Züge könnten über Sensoren per Autopilot und mit einer Art Fernsteuerung gefahren werden. Wie die Zeitung weiter berichtete, würde die Bundesregierung das System gerne bundesweit einführen. Das würde einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Aber nun mache das ETCS schon auf der einen Strecke Probleme.

Bahnchef Lutz und Kanzlerin Merkel bei der Eröffnungsfeier für die ICE-Neubaustrecke | Bildquelle: dpa
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Feierlichkeiten mit Kanzlerin Merkel. Seit Sonntag fahren auf der neuen Schnellfahrstrecke ICEs im regulären Betrieb.

Die Verbindung aufrecht halten

Insgesamt seien 110 ICEs hochgerüstet worden, um die technischen Voraussetzungen für die neue Strecke zu erfüllen, so die Zeitung. Lediglich 35 könnten jedoch zurzeit zum Einsatz kommen. Die meisten der ICEs würden auf anderen Strecken eingesetzt. Damit sei es gerade so möglich, die Verbindung aufrecht zu halten. ICEs ohne das neue Zugsicherungssystem dürften zwischen Berlin und München gar nicht mehr fahren.

Es sei nicht endgültig geklärt, wo der Fehler im ETCS liege, berichtete die "Süddeutsche". Unter Berufung auf Bahnkreise hieß es in dem Artikel, dass nicht das ganze System, sondern nur die Technik in einigen Zügen fehlerhaft arbeite.

Bahnverkehr stabilisiert sich

Am Nachmittag erklärte die Bahn in einer Pressemitteilung, dass sich der Bahnverkehr auf der Strecke Berlin-München spürbar stabilisiert habe. Auch die Beseitigung einzelner ETCS-Störungen an Fahrzeugen mache Fortschritte.

Vorwürfe, es gebe nicht genügend Züge für den neuen Fahrplan, weist das Unternehmen in der Pressererklärung entschieden zurück: Wesentlicher Grund für die Ausfälle seien schnee- und eisbedingte Schäden an der ICE-Flotte.

Ein ICE auf einem Streckenabschnitt der Verbindung Berlin-München | Bildquelle: dpa
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Auf der Verbindung von Berlin nach München brauchen die Züge fahrplanmäßig nun vier bis viereinhalb Stunden statt bisher sechs.

Über dieses Thema berichtet die Tagesschau am 12. Dezember 2017 um 20.00 Uhr.

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