Logo der Bahn auf einem Haus | Bildquelle: dpa

Prognose der Bahn Zumindest beim Gewinn im Plan

Stand: 24.11.2018 20:26 Uhr

In Briefen, die Bahnchef Lutz zuletzt an seine Führungskräfte geschrieben hatte, stand wenig Erfreuliches. Nun ist wieder eines seiner Schreiben an die Öffentlichkeit gelangt. Darin geht es um den Gewinn - und der ist offenbar im Plan.

Trotz massiver Probleme bei Pünktlichkeit, Personal und Technik rechnet die Deutsche Bahn in diesem Jahr noch mit einem Betriebsgewinn von 2,1 Milliarden Euro. "Die aktuellen Zahlen bestätigen, dass wir die abgesenkte Ergebnisprognose von 2,1 Milliarden Euro für das Jahr 2018 voraussichtlich erreichen werden, wenn wir weiterhin konsequent gegensteuern", schreibt Bahnchef Richard Lutz in einem Brief an seine Führungskräfte, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. "Die Oktober-Zahlen sehen jedenfalls für den gesamten Konzern recht ordentlich aus."

Im September war ein Brandbrief des Bahnchefs an seine Führungskräfte bekannt geworden. Darin hatte er deutlich die Probleme der Bahn angesprochen und auch die Befürchtung geäußert, dass das Ergebnissziel von 2,1 Milliarden Euro nicht erreicht werden könnte.

Milliarden für Investitionen - aber woher?

Das jetzt bekannt gewordene Schreiben kam unmittelbar nach einer Strategiesitzung von Aufsichtsrat und Vorstand des Staatskonzerns, in dem über einen Weg aus der Krise beraten wurde. Der Konzern will dafür im Mittelfristzeitraum - also bis 2023 - rund fünf Milliarden Euro zusätzlich investieren.

Woher das Geld kommen soll, ist allerdings unklar. Weder gibt es bislang eine Zusage für zusätzliches Geld aus dem Bundeshaushalt noch ein Signal des Aufsichtsrats für den Verkauf der Auslandstochter Arriva, wo der internationale Nahverkehr der Bahn gebündelt ist. Gegen eine weitere Erhöhung der Bahn-Schulden, die schon bei rund 20 Milliarden Euro liegen, hat der Haushaltsausschuss des Bundestages ein Veto eingelegt.

"Wir setzen voll auf Wachstum"

"Am Ende des Mittelfristzeitraums wollen wir alle für das Geschäft und die Zukunft notwendigen Ausgaben ohne zusätzliche Verschuldung stemmen", verspricht Lutz in dem Brief. "Die Herausforderungen dabei sind enorm. Wir setzen in den kommenden Jahren voll auf Wachstum. Gleichzeitig muss die Ertrags- und Finanzkraft in den nächsten Jahren deutlich gesteigert werden."

"Das passt nicht zusammen mit guter Wartung"

Dass die Bahn in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten auf Gewinn hin getrimmt wurde, ist nach Einschätzung vieler Experten der Hauptgrund für viele Probleme, die sie heute hat.

Bernhard Knierim, Sprecher der Initiative "Bahn für alle", sagte im rbb, mit der Bahnreform 1994 sei ein riesiger Kostendruck erzeugt worden. "Diese Grundidee, dass man ständig überall billiger sein müsste, dass man letztlich den Profit maximieren muss, das passt nicht zusammen mit guter Wartung, mit Zuverlässigkeit, mit einem vernünftigen Preissystem für alle Kunden."

Mit der Bahnreform 1994 wurden Bundesbahn und ehemalige DDR-Reichsbahn zusammengeführt und privatrechtlich als Aktiengesellschaft organisiert. Die Zuständigkeit des Regionalverkehrs ging vom Bund auf die Länder über. Das Schienennetz wurde auch für andere Bahnbetreiber geöffnet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. November 2018 um 20:03 Uhr.

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