VW-Chef Müller | Bildquelle: AFP

VW-Chef zu Abgasversuchen "Unethisch und abstoßend"

Stand: 30.01.2018 07:55 Uhr

Volkswagen-Chef Müller hat sich für die Abgas-Experimente an Affen entschuldigt. Es gebe Dinge, die tue man schlicht nicht. VW kündigte an, in Zukunft auf Tierversuche zu verzichten.

VW hat nach Bekanntwerden des umstrittenen Diesel-Abgastests mit Affen angekündigt, auf Tierversuche zu verzichten. "Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert", sagte der VW-Generalbevollmächtigte Thomas Steg der "Bild"-Zeitung.

VW lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe. Auch VW-Konzernchef Matthias Müller bezeichnete die Versuche als inakzeptabel.

"Die damals in den USA praktizierten Methoden waren falsch, sie waren unethisch und abstoßend. Mit Interessensvertretung oder wissenschaftlicher Aufklärung hatte das nichts, gar nichts zu tun", sagte Müller in Brüssel.

"Es müssen alle nötigen Konsequenzen gezogen werden"

Es tue ihm leid, dass VW als einer der Träger der EUGT - der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor - an diesen Vorgängen beteiligt gewesen sei. "Es gibt Dinge, die tut man schlicht nicht", so Müller. Nun müssten alle nötigen Konsequenzen gezogen werden.

Hintergrund: Stickstoffoxide

Stickstoffoxide (NOx) ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene gasförmige Verbindungen, vereinfacht werden nur die beiden wichtigsten Verbindungen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) dazu gezählt. Stickstoffdioxid wirkt reizend auf Schleimhäute in den Atemwegen und die Lunge. Akut treten Hustenreiz, Atembeschwerden und Augenreizungen auf, besonders bei empfindlichen oder vorgeschädigten Personen.

Quelle: Umweltbundesamt

VW hatte sich am Wochenende bereits für die in den USA durchgeführten Versuche entschuldigt, bei denen Affen gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden waren. Zudem war bekannt geworden, dass auch Menschen den Schadstoffen involviert worden waren. Die "Stuttgarter Zeitung" hatte von einem Experiment berichtet, bei dem sich Probanden dem Reizgas Stickstoffdioxid ausgesetzt hätten. Autoabgase gelten als wichtigste Quelle für das Gas.

Die Ethikkommission habe die Studie als vertretbar bewertet. 25 gesunde Menschen seien dabei Belastungen ausgesetzt worden, die unterhalb der Belastungen am Arbeitsplatz lägen.

Die umstrittenen Tests sollen auch Thema im Bundestag werden. Die Grünen beantragten für diese Woche eine Aktuelle Stunde im Parlament. "Wir fordern die Bundesregierung auf, klar zu sagen, ob sie bereits von den zwielichtigen Methoden der Autoindustrie wusste und inwieweit diese sogar aus öffentlichen Geldern finanziert wurden", sagte Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann.

Sie warf den Autobauern vor, mit angeblich wissenschaftlichen Tierexperimenten und Tests an Menschen die Gefahr von Stickoxiden zu verharmlosen.

"Alternative Methoden zu wenig gefördert"

Der Grünen-Politiker Harald Ebner forderte striktere Richtlinien für Tierversuche. Der Bundestagsabgeordnete sagte der "Heilbronner Stimme": "Die deutschen Behörden haben nach aktueller Regelung zu wenig Handhabe, Tierversuche wirksam zu begrenzen." Alternative Methoden würden viel zu wenig gefördert.

Die Autoindustrie hatte Wissenschaftler eingespannt, um mit der von BMW, Daimler und VW betriebenen EUGT Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen zu testen.

Die EUGT wurde im Sommer 2017 aufgelöst. Auch die an den Versuchen beteiligten Konzerne distanzieren sich eilends. Daimler erklärte nach Bekanntwerden der Experimente, man verurteile diese "auf das Schärfste". Das Vorgehen der EUGT widerspreche den Werten und ethischen Prinzipien des Unternehmens. Auch wenn Daimler keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau gehabt habe, habe man eine umfassende Untersuchung eingeleitet.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2018 um 16:00 Uhr.

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