Elektroautos werden betankt

Strukturwandel bis 2030 Jobkiller E-Mobilität?

Stand: 13.01.2020 14:15 Uhr

Die Autoindustrie ist ein Pfeiler der deutschen Wirtschaft - doch dieser Pfeiler bröckelt. Langfristig befürchtet eine Expertenkommission der Regierung den Verlust vieler Arbeitsplätze. Grund ist der Aufstieg des E-Autos.

Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission rechnet langfristig mit Arbeitsplatzverlusten in der Automobilbranche - Grund ist der Umstieg auf die Elektromobilität.

Wenn sich die Wettbewerbslage bei der E-Mobilität in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Importbedarf für Batteriezellen und Elektrofahrzeuge weiter steige, wäre ein "erheblicher Beschäftigungsrückgang" bis 2030 zu erwarten, heißt es einem Bericht der Kommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität". In einem Extremszenario sind demnach bis zu 410.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Schwere Zeiten erwartet

Und selbst eine positivere Entwicklung würde zu Arbeitsplatzverlusten führen, ist die Kommission überzeugt. "In keinem Fall werden die Automobilhersteller weiterhin im selben Maße für eine solche Wertschöpfung und Beschäftigung entlang der Zulieferketten sorgen können, wie es heute der Fall ist", heißt es in dem Bericht.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnte vor Schwarzmalerei. Das Extremszenario von 410.000 Jobverlusten basiere auf der Annahme, dass es bis 2030 nur in geringem Umfang E-Autos und Batteriezellen aus heimischer Produktion geben werde, sagte VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel dem "Handelsblatt". Das sei aber unrealistisch. Das Szenario werde so nicht eintreten.

Weniger kompliziert, weniger Arbeitsplätze

Der Leiter der Arbeitsgruppe ist IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Er geht davon aus, dass der "Markthochlauf der Elektromobilität" aufgrund von Klimaschutzregelungen sowie weitere Effizienzsteigerungen durch eine zunehmende Automatisierung in der Produktion sich immer stärker auf die Beschäftigungsstrukturen auswirken werden. Die Herstellung von Elektrofahrzeugen sei stärker automatisierbar, betonte er.

Der IG-Metall-Chef hatte bereits im Dezember gesagt, viele kleine Zulieferer hätten Finanzierungsprobleme beim Übergang vom Verbrennungsmotor zu anderen Antrieben. Dazu kämen Auftragsrückgänge. Darum hatte sich der Gewerkschafter sich für Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld ausgesprochen, außerdem seien begleitende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nötig.

In der Arbeitsgruppe sind neben der IG Metall, Unternehmen wie Volkswagen, Daimler, Siemens, BASF sowie Forschungsinstitute vertreten.

Bis zu zehn Millionen E-Autos

Die kriselnde Autoindustrie hinterlässt schon jetzt Spuren in der Wirtschaftsentwicklung. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts dämpfte die Schwäche der Branche den Anstieg der Wirtschaftsleistung 2019 um etwa 0,75 Prozentpunkte. Zulieferbetriebe wurden dabei berücksichtigt.

Bisher haben E-Autos in Deutschland noch nicht den Durchbruch auf dem Massenmarkt geschafft. Allerdings spielt die Elektromobilität eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Bis 2030 kalkuliert sie mit sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Januar 2020 um 11:38 Uhr.

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