Apple-Chef Tim Cook | Bildquelle: APPLE HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutte

Entwicklerkonferenz WWDC Apples Politik der kleinen Schritte

Stand: 05.06.2018 02:55 Uhr

Keine neuen Spielzeuge, dafür Verbesserungen bei der Software: Bei der Entwicklerkonferenz WWDC kündigt Computerkonzern Apple vor allem verbrauchernahe Neuerungen an.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der Auftakt zur Apple Entwicklerkonferenz im kalifornischen San Jose war unspektakulär. Der Konzern hat überarbeitete Betriebssysteme für all seine Geräte vorgestellt und bietet einige neue Funktionen für PCs, Smartphones und Uhren. Ankündigungen neuer Geräte gab es jedoch nicht.

Enttäuscht hat Apple vor allem bei seiner Sprachassistentin Siri. Hier scheint das Unternehmen den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren. Das dürfte so manchen Entwickler bitter enttäuscht haben.

Siri setzt auf klassische Wenn-Dann-Verknüpfungen. Beispiel: Wenn ich abends nach Hause fahre, zeigt mir die Navigationssoftware den schnellsten Weg nach Hause an, benachrichtigt meine Frau und informiert sie über meine Ankunftszeit und spielt außerdem meinen Lieblingspodcast im Autoradio ab.

Konservativer Umgang mit "Künstlicher Intelligenz"

"Verknüpfungen" nennt Apple die neue Funktion, die im Herbst mit iOS 12 auf seine iPhones kommen soll. Ob die Nutzer tatsächlich bereit sind, solche "Short Cuts" für ihr Mobiltelefon anzulegen, sei dahingestellt. Das Unternehmen hat es wieder mal versäumt, Siri mit all den Funktionen auszustatten, die vor allem Google jüngst auf seine Entwicklerkonferenz angekündigt hat: Zum Beispiel die Erkennung von Gebäuden oder die Analyse des Nutzerverhaltens und daraus abgeleitet, was der User als nächstes machen könnte.

Apples neues Betriebssystem | Bildquelle: REUTERS
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Apple präsentiert neue Software.

Apple gibt sich hier mehr als konservativ. Das Wort "künstliche Intelligenz" fiel bei der mehr als zweistündigen Präsentation von Apple Chef Tim Cook und seinem Führungsteam kein einziges Mal. Im Rest des Silicon Valley ist es aber genau das Thema, an dem alle Tech-Unternehmen arbeiten.

Es sind die kleineren Verbesserungen, mit denen Apple die gut 6000 aus aller Welt angereisten Entwickler überzeugen möchte. So soll das neue iOS 12 deutlich schneller laufen, vor allem ältere Geräte wie das iPhone 6 können von den Ladezeiten für Apps profitieren - zum Beispiel der Foto-App.

Nützlicher Video-Gruppen-Chat

Eine Spielerei im neuen iPhone Betriebssystem ist AR - augmented reality, bei der die reale Umgebung und virtuelle Objekte auf dem Bildschirm miteinander verschmelzen. So lassen sich mit einer App Gegenstände vermessen. Außerdem können nun zwei Nutzer mit denselben virtuellen Objekten in realer Umgebung interagieren. Das könnte vor allem für Spiele-Entwickler interessant sein. Lego hat hier eine spannende neue App präsentiert.

Nützlich dagegen dürften die Video-Gruppen-Chats sein. Apple zielt hier vor allem auf WhatsApp, den Facebook-Messenger aber auch Business-Apps wie Slack ab.

Wie bereits erwartet, bekommt das neue iOS 12 eine Funktion, die einer übermäßigen Nutzung von Telefon oder Tablet vorbeugen soll. Apple springt hier auf einen Zug auf, den bereits Google angeschoben hat. Den Tech-Konzernen wird vorgeworfen, sie machten mit ihren Apps und Geräten die Nutzer süchtig. Bei Apple zeigt künftig eine neue Software, wieviel Zeit man als Nutzer mit einzelnen Apps verbringt. User können sich zudem in Zukunft leichter von Ablenkungen abschotten - zum Beispiel während einer Besprechung oder nachts während man schläft. Das Gerät analysiert Kalender-Einträge und hat die Nachtruhe im Blick.

Wenige Neuerungen beim neuen Betriebssystem

Auf einem anderen Gebiet rennt Apple der Konkurrenz davon: Es bietet eine gute und übersichtliche Möglichkeit, den eigenen Kindern zu Hause den Zugang zu bestimmten Apps auf Smartphone und Tablet, wie Facebook oder Youtube zeitlich einzuschränken. Hier präsentierte der Konzern deutlich ausgefeiltere Möglichkeiten für Eltern als sie von der Konkurrenz - allen voran Android - zur Verfügung gestellt werden. Eltern dürfte es mit dem neuen iOS leichter fallen, den Zugriff ihrer Kinder auf bestimmte Anwendungen auf dem Handy zu reglementieren. Natürlich ist auch das ein Instrument der Kundenbindung.

Auf dem PC wird sich für die Apple-Nutzer ab Herbst nur wenig ändern. Das neue Betriebssystem mit dem Namen "Mojave" bietet kaum Design-Verbesserungen dafür aber eine deutliche Abschottung von sozialen Netzwerken wie Facebook. Apple Chef Cook hat in der Vergangenheit wiederholt keinen Hehl daraus gemacht, dass er Facebook sehr kritisch sieht. Seinem Neffen würde er die Nutzung zum Beispiel nicht erlauben.

Im neuen MacOS für den Desktop-Computer wird es nun möglich sein, Facebook, Google und andere Online-Dienste zu blocken. Apple stellt sich hier ganz eindeutig auf die Seite seiner Anwender. Der Facebook-Like-Knopf oder das Tracking mittels Cookies kann künftig mit nur einem Klick unterbunden werden.

Apple macht auf seiner Entwickler-Konferenz Programm nach Plan. Keine spektakulären neuen Anwendungen, keine neue Hardware. Die Verbesserungen liegen im Detail. Nicht alle dürften von den Nutzern ab Herbst so häufig genutzt werden, wie sie Apple auf der Bühne im Konferenzzentrum von San Jose so frenetisch dargestellt hat.

Entwicklerkonferenz WWDC von Apple beginnt heute in San Jose
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
05.06.2018 00:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Juni 2018 um 07:41 Uhr in der Wirtschaft.

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