Smartphone mit den Icons von Google, Amazon und Facebook | Bildquelle: dpa

Anhörung von Apple, Google und Co. Zu groß, zu mächtig, zu gefährlich?

Stand: 29.07.2020 09:21 Uhr

Sie zählen zu den mächtigsten Konzernen der Welt. Aber sind sie so mächtig, dass es keinen Wettbewerb mehr gibt? Der US-Kongress befragt heute die Chefs von Amazon, Apple, Facebook und Google.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Es wird eine ungewöhnliche Anhörung werden und vielleicht wird sie auch ziemlich langweilig ausfallen. Denn die vier Bosse der großen US-Techkonzerne stehen den Fragen und Antworten nicht vor Ort zu Verfügung, sondern sie sind aus ihren Büros im Silicon Valley und in Seattle per Video zugeschaltet - ab 18 Uhr deutscher Zeit.

 "Alle werden sagen, der Markt verändert sich rasend schnell", sagt Cecilia Kang, die sich bei der "New York Times" um die Schnittstelle von Politik und Technologie kümmert. "Den Politikern in Washington werden sie sagen, solltet ihr uns zerschlagen oder bestrafen wollen, weil wir angeblich Monopole geschaffen haben, dann werdert ihr mehr Schaden anrichten, weil sich die Märkte so schnell verändern."

Völlig neue Geschäftsmodelle geschaffen

Dem Radiosender NPR sagt Kang, dass man sich von der heutigen Anhörung nicht zu viel erwarten dürfen. Google, Apple, Facebook und Amazon würden vor allem damit argumentieren, dass sie doch von den Konsumenten geliebt werden.

Außerdem hätten diese Unternehmen völlig neue Geschäftsmodelle geschaffen. "Sie haben sich in vielen unterschiedlichen Bereichen ausgebreitet. Es wird schwierig werden, diese Märkte genauer zu definieren und daraus möglichen Missbrauch abzuleiten."

China und Jobs als Argumente

Die Verteidigungslinien der Tech-Konzerne sind klar: Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird vor allem vor China warnen. Das Land bedrohe den Datenschutz und sei eine Gefahr für Innovation in den USA. Besonders das chinesische Unternehmen TikTok hat Zuckerberg auf dem Kieker - es ist ein scharfer Konkurrent seines Konzerns.

Eine andere Linie werden laut Kang Apple und Amazon verfolgen: "Amazon wird vorbringen, dass man in den vergangenen Jahren Hunderttausende Jobs geschaffen hat. Apple wird das gleiche sagen."

Google Chef Sundar Pichai wird sich wohl auf eine Untersuchung der Handelskommisson FTC aus dem Jahr 2013 zurückziehen. Diese habe seinerzeit keine Wettbewerbsverzerrung festgestellt. Google kommt bei den Online-Anzeigen heute auf einen Marktanteil von 30 Prozent kommt. Bei der Suche auf mehr als 90 Prozent.

Wohl kaum Konsequenzen

Während die EU-Kommission immer häufiger gegen die Tech-Konzerne aus den USA vorgeht, dürfte die heutige Anhörung erstmal kaum Konsequenzen haben. Die Gefahr für vier Unternehmen droht aber von einer ganz anderen Seite.

Das Justizministerium ermittelt derzeit gegen Google, Apple und Facebook. "Google und Facebook dominieren hier vor allem den Anzeigenmarkt", sagt Kang. "Von den Staatsanwälten und in den Bundesstaaten können wir eher mit Maßnahmen gegen die Unternehmen rechnen. Das wird aber nicht Monate dauern, sondern vermutlich Jahre."

Zu mächtig, zu gefährlich? Marktmacht von Google, Apple, Facebook und Amazon
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
29.07.2020 08:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 29. Juli 2020 um 08:54 Uhr.

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