Amazon Dot mit Alexa-Sprachassistent | Bildquelle: REUTERS

Sprachassistent Amazon wertet Alexa-Aufnahmen aus

Stand: 11.04.2019 12:49 Uhr

Durch die Analyse von aufgenommenen Sprachbefehlen will Amazon seinen Sprachassistenten Alexa verbessern. Doch die Mitarbeiter haben auch Zugang zu den privaten Inhalten der Nutzer.

Um die Spracherkennung der Assistenzsoftware Alexa zu verbessern, lässt Amazon Mitarbeiter teilweise Befehle der Nutzer auswerten. Der Konzern bestätigte die Vorgehensweise dem Finanzdienst Bloomberg: "Wir versehen nur eine sehr geringe Auswahl an Alexa-Sprachaufnahmen mit Kommentaren, um das Kundenerlebnis zu verbessern."

Bloomberg zufolge wird diese Arbeit an mehreren Standorten weltweit erledigt, unter anderem in Boston, Costa Rica, Indien und Rumänien. Laut zwei Mitarbeitern in Bukarest schlagen sie dort pro Schicht bis zu 1000 Mitschnitte um. Ein Mitarbeiter aus Boston sagte, er habe zum Beispiel Aufzeichnungen mit den Worten "Taylor Swift" analysiert und sie mit der Anmerkung versehen, dass die Nutzer die Sängerin meinten.

Auch private Inhalte werden abgehört

Hin und wieder bekämen sie so aber auch Zugang zu privaten Inhalten oder würden sogar Zeugen von möglicherweise kriminellen Vorgängen. Zwei Mitarbeiter berichteten von einem Mitschnitt, den sie als sexuellen Übergriff deuteten. Zwei Mitarbeitern des Standorts Bukarest zufolge gelte bei Amazon in solchen Fällen die Auffassung, es sei nicht die Aufgabe des Unternehmens, einzuschreiten.

"Null Toleranz" bei Missbrauch

Amazon betonte gegenüber Bloomberg, man achte bei dem Verfahren auf den Schutz der Privatsphäre der Nutzer. "Beschäftigte haben keinen direkten Zugang zu Informationen, durch die eine Person oder ein Account bei diesem Verfahren identifiziert werden können", hieß es in der Stellungnahme.

Der Finanzdienst berichtete zugleich, auf einem Screenshot zu einem solchen Transkriptionsauftrag seien eine Accountnummer, der Vorname des Nutzers sowie die Seriennummer des Geräts aufgeführt gewesen. Der Konzern erklärte, alle Informationen würden streng vertraulich behandelt und es werde mit Zugangseinschränkungen und Verschlüsselung gearbeitet. Bei Missbrauch des Systems gelte eine "Null-Toleranz-Regel".

Nutzer nicht ausreichend informiert?

In den Privatsphäreeinstellungen des Sprachassistenten haben Nutzer die Möglichkeit, der Verwendung ihrer Daten zur Weiterentwicklung des Systems zu widersprechen. Aus den Informationen geht bisher allerdings nicht explizit hervor, dass unter Umständen auch Menschen die Aufzeichnungen des Geräts anhören könnten.

Von Amazon gab es zunächst keine weiteren Stellungnahmen. Auch die Konkurrenten Apple und Google äußerten sich zunächst nicht zur Anfrage, ob sie auf eine ähnliche Vorgehensweise bei ihren Assistenten Siri und Google Assistant zurückgreifen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. April 2019 um 17:00 Uhr.

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