Ein Amazon-Mitarbeiter baut eine Box zusammen. | Bildquelle: REUTERS

Amazon in der Corona-Krise Boom auf Kosten der Angestellten?

Stand: 14.04.2020 11:40 Uhr

Amazon profitiert von der Corona-Krise und will Zehntausende Jobs schaffen. Zugleich versucht der Konzern, sich als Wohltäter darzustellen. Doch Amazon-Mitarbeiter in den USA beschreiben ihren Arbeitgeber ganz anders.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

In einem Video dankt der Onlinehändler Amazon seinen Mitarbeitern - nennt sie "Helden" und verspricht, "alles zu tun", damit die Mitarbeiter auch während der Corona-Pandemie sicher arbeiten könnten.

Amazon will insgesamt 175.000 neue Mitarbeiter einstellen, um der gestiegenen Nachfrage nach Online-Waren Herr zu werden. Damit dürfte der Online-Riese mit Sitz in Seattle zu den wenigen Gewinnern der Coronavirus-Krise gehören. Als Extra-Anreiz will der Konzern seinen Mitarbeitern zwei Dollar - umgerechnet sind das etwa 1,80 Euro - mehr pro Stunde zahlen.

 

Mitarbeiter bemängeln fehlenden Schutz

Doch einzelne Mitarbeiter in den USA zeichnen ein anderes, kritisches Bild. So zum Beispiel Terrell Worm, ein Lagerarbeiter aus Staten Island. Er erzählt gegenüber dem Radiosender NPR, dass er lieber unbezahlt zu Hause sei, seitdem ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde: "Ich berühre jeden Tag, an dem ich dort arbeite, mehr als 2000 verschiedene Gegenstände. Und ich trage dabei keinen Schutz." 

Unzureichende Desinfektion, zu wenig Mindestabstand in Warenhäusern: Diese Kritik gab es von einigen Warenhaus-Mitarbeitern verteilt über die USA.

Proteste und Streik 

Ende März hatte es Proteste und Arbeitsniederlegungen in Staten Island gegeben. Der Streik wurde von dem Lagerarbeiter Chris Smalls angeführt. Er kritisierte Amazon unter anderem auch dafür, dass die Mitarbeiter nur dann "paid sick leave" bekommen - also bezahlt krank zu Hause bleiben dürfen - wenn sie nachweisen, dass sie mit Covid-19 infiziert sind. Doch die Tests seien rar, kritisierte Smalls in einem TV-Interview: "Man braucht viel Glück, um im Bundesstaat New York den Test zu bekommen. Und dann dauert es Tage bis man das Ergebnis hat."

An diesen Tagen werden die Mitarbeiter nicht bezahlt - denn Angestellte in den USA haben kein Recht auf bezahlte Krankentage. Das war schon vor der Corona-Krise ein Problem für viele Arbeitnehmer.

 

Unternehmen will sich als sozial darstellen

Amazon-Mitarbeiter Chris Smalls wurde kurz nach den organisierten Protesten entlassen. Laut Amazon, weil er ein 14-tägiges Quarantäne-Gebot missachtet habe. Wie nun aus einem internen Meeting mit Amazon-Chef Jeff Bezos bekannt wurde, begrüßte die Chefetage regelrecht, dass Smalls seither in den Medien präsent ist. Denn er sei "nicht intelligent und wortgewandt" - und damit offenbar keine Gefahr für den Konzern.

Nun wird die Entlassung des Mitarbeiters sogar von einem Menschenrechtsbeauftragten der Stadt New York untersucht. Ein PR-Problem, denn eigentlich will sich Amazon in der Pandemie als sehr sozial darstellen. Konzernchef Bezos spendete allein 100 Millionen Dollar an eine Hilfsorganisation, die sich dem Kampf gegen den Hunger in den USA verschrieben hat.

Amazon hat derweil angekündigt, dass das Unternehmen die Temperatur der Mitarbeiter zu Beginn ihrer Schicht messen will. Mitarbeiter mit erhöhter Temperatur müssten mindestens drei Tage zu Hause bleiben und würden bis zu fünf Stunden ihrer Schicht bezahlt bekommen. 

Amazons Geschäft boomt
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
14.04.2020 10:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. April 2020 um 15:12 Uhr.

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