Stromleitung

Verschärfte Klimaziele Deutlich höherer Stromverbrauch bis 2030

Stand: 13.07.2021 16:33 Uhr

Wegen der verschärften Klimaziele rechnet Wirtschaftsminister Altmaier mit einem um rund zehn Prozent höheren Stromverbrauch bis 2030. Dem Klimaschutz hilft das aber nur, wenn es sich um grünen Strom handelt.

Von Hans-Joachim Vieweger,  ARD-Hauptstadtstudio

Just der Klimaschutz ist "schuld". Schuld daran, dass der Strombedarf - der nach einem Spitzenwert im Jahr 2007 eine Zeit lang zurückging - jetzt wieder ansteigt. Denn: Wer seine Wohnung künftig nicht mehr mit Öl oder Gas heizt, sondern mit einer Wärmepumpe - also ganz im Sinn des Verzichts auf fossile Energiequellen - der braucht dafür Strom.

Hans-Joachim Vieweger ARD-Hauptstadtstudio

Genauso derjenige, der statt eines Benziners mit einem E-Auto unterwegs ist. Im Laufe dieses Monats dürfte die Zahl der E-Autos in Deutschland bei einer Million liegen, doch bis 2030 könnten es 14 Millionen sein, sagt Peter Altmaier. Das sei eine gute Nachricht für den Klimaschutz und die Dekarbonisierung, so der Bundeswirtschaftsminister. Es erhöhe die Chancen, dass man die gesteckten Ziele erreiche, aber es werde nicht ohne Folgen auf den Stromverbrauch bleiben.

Ein Anstieg um fast 20 Prozent

Berechnet wird der Stromverbrauch in Terawattstunden, ein Terawatt sind 1000 Gigawatt beziehungsweise eine Million Megawatt. Im Jahr 2030 sollen es von dieser schier unvorstellbaren Größe rund 655 sein - da hilft nur der Vergleich: Im Corona-Jahr 2020 waren es knapp 550 Terawattstunden - in einem Jahrzehnt dürfte der Verbrauch also um fast 20 Prozent steigen. Dem Klimaschutz hilft das aber nur, wenn es sich um grünen Strom handelt. Altmaiers Bilanz fällt gemischt aus:

Wir haben in den letzten Jahren Fortschritte erreicht beim Stromnetzausbau, wir haben Fortschritte erreicht beim Ausbau der Photovoltaik und der Offshore-Windenergie. Wir sind sehr unzufrieden mit den Fortschritten beim Ausbau der Windenergie an Land, und deshalb werden wir uns in jedem Bereich noch einmal Gedanken machen, was sich ändern muss."

Da ist zum einen das Thema Windenergie. Viele Windräder würden am Natur- und Artenschutz scheitern, beklagt Altmaier. Der CDU-Politiker wünscht sich mehr Flexibilität - er sei sehr für den Schutz der Arten, aber nicht jeder einzelne Vogel könne Vorrang vor einem Windrad haben.

Vogel oder Windrad?

Altmaier macht auch deutlich, dass er Regelungen zum Mindestabstand zwischen Siedlungen und Windrädern, die es zum Beispiel in Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt, kritisch sieht. Die Länder sollten sich in Gesprächen mit dem Bund jeweils konkrete Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien und den entsprechenden Flächenverbrauch setzen.

Zum Zweiten setzt Altmaier auf die weitere Entwicklung von grünem Wasserstoff, der gerade in der Industrie beim Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger helfen soll.

Und dann sind da noch die Stromnetze, die mit dem Verzicht auf Kohle- und Atomstrom zunehmend an Bedeutung gewinnen - zum Beispiel, um Strom aus wind- oder sonnenreichen Gegenden in wind- und sonnenärmere Gegenden zu transportieren.

"Das ist in anderen Ländern möglich"

Das Ziel sei es, so Altmaier, dass man jedenfalls für neue Stromautobahnen, die man brauche, dass man von der Planung bis zur Realisierung auf einen Zeitraum von maximal acht Jahren komme - das sei in anderen Ländern möglich.

Freilich: Schon bei den bislang geplanten drei neuen Hochleistungsnetzen durch ganz Deutschland wie SuedLink oder SuedostLink, gab es viel Widerstand in den betroffenen Regionen. Doch Altmaier macht deutlich, dass Klimaschutz ohne entsprechende Maßnahmen nicht funktioniere. Und noch etwas macht Altmaier deutlich: dass er durchaus bereit sei, auch nach der Bundestagswahl Verantwortung für diesen Themenbereich zu übernehmen.

Über dieses Thema berichtete am 13. Juli 2021 die tagesschau um 12:00 Uhr und Inforadio um 14:43 Uhr.