Peter Altmaier | Bildquelle: CLEMENS BILAN/POOL/EPA-EFE/Shutt

Folgen der Corona-Krise Altmaier erwartet schwere Rezession

Stand: 10.05.2020 16:42 Uhr

Gastronomie, Industrie oder Tourismus - die Corona-Pandemie schadet der Wirtschaft. Die Bundesregierung rechnet für 2020 mit einem BIP-Rückgang um 6,3 Prozent. Unternehmen und Verbände fordern schnelle Lockerungen.

Die Corona-Pandemie wird nach Ansicht der Bundesregierung deutliche Spuren in der Weltwirtschaft und der deutschen Wirtschaft hinterlassen. Für dieses Jahr rechnet die Regierung mit einem preisbereinigten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach von großen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Er machte deutlich:

"Die Auswirkungen der Corona-Pandemie führen unsere Wirtschaft nach zehn Jahren Wachstum in eine Rezession. Um die wirtschaftlichen Folgen so gering wie möglich zu halten, haben wir mit einem beispiellosen Schutzschirm von über einer Billion Euro gegengehalten. Ziel muss es sein, dass wir die Substanz unserer Wirtschaft erhalten, unsere Unternehmen und unsere Beschäftigten durch diese Krise hindurch begleiten."

Der Tiefpunkt dürfte im laufenden Quartal erreicht werden, so der CDU-Politiker bei der Vorstellung der Frühjahrsprognose. Ab der zweiten Jahreshälfte dürfte es dann wieder bergauf geben.

Für 2021 erwartet die Regierung einen BIP-Zuwachs von 5,2 Prozent - sie spricht von einem Aufholprozess. Er gehe davon aus, dass Anfang 2022 das Vorkrisenniveau erreicht werde, sagt Altmaier.

Bundesregierung rechnet mit schwerster Rezession der Nachkriegszeit
tagesthemen 22:35 Uhr, 29.04.2020, Kirsten Girschick, ARD Berlin

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Höhere Arbeitslosigkeit, sehr viel Kurzarbeit

Die in der Frühjahrprojektion erwartete Rezession schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Demnach wird die Erwerbstätigkeit um etwa 370.000 Menschen zurückgehen. Besonders betroffen seien das Gastgewerbe, der Handel sowie die Unternehmensdienstleistungen, zu denen auch die Arbeitnehmerüberlassung gehört. Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt auf 5,8 Prozent steigen.

Die von der Regierung angepasste Kurzarbeit werde im März und April in "noch nie dagewesenem Ausmaß ansteigen". Damit würden Entlassungen verhindert, zeigt sich die Regierung überzeugt.

"Wir werden erleben, dass es wieder stufenweise Lockerungen geben kann", sagte Altmaier. Allerdings könne nicht die komplette Wirtschaft auf einem Schlag wieder hochgefahren werden. Für besonders betroffene Bereiche - etwa Großveranstaltungen, Messen, Kultur und Gastgewerbe - müssten deshalb "geeignete Maßnahmen" geprüft werden. Dazu werde er einen Vorschlag unterbreiten, versicherte er.

Die deutsche Exportwirtschaft leidet

Die Weltwirtschaft werde in Folge der Corona-Pandemie in eine Rezession stürzen, deren Ausmaß die Finanzkrise 2008/09 übersteigen werde. In Anlehnung an die Prognosen von IWF und OECD erwartet die Bundesregierung im Jahresdurchschnitt 2020 einen Rückgang der Weltwirtschaftsleistung in Höhe von 2,8 Prozent und eine Erholung im kommenden Jahr um 5,7 Prozent.

Diese weltweit negative Entwicklung in diesem Jahr werde auch den deutschen Exporten schaden. Die Regierung rechnet mit einem Rückgang von 11,6 Prozent. Auch hier soll es aber im kommenden Jahr Nachholeffekte geben - die Steigerung soll etwa 7,6 Prozent betragen.

Die Frühjahrsprojektion ist auch deswegen wichtig, weil die Eckwerte die Grundlage für die Steuerschätzung im Mai bilden - wegen der Corona-Krise sind dann weniger Steuereinnahmen zu erwarten. Finanzminister Olaf Scholz plant bereits mit neuen Schulden in Höhe von 156 Milliarden Euro.

Ein Mitarbeiter testet einen Lackierroboter bei der Dürr AG. (Archivbild 2018) | Bildquelle: dpa
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Die exportierenden Unternehmen sind immens wichtig für die deutsche Wirtschaft. Sie leiden unter der weltweiten Wirtschaftsflaute. Auf diesem Archivbild testet ein Mitarbeiter einen Lackierroboter der Dürr AG. (Archivbild 2018)

Schlimmere Auswirkungen als Finanzkrise?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für das laufende Quartal mit einem BIP-Rückgang von rund zehn Prozent. Bereits im ersten Vierteljahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um zwei Prozent geschrumpft sein, sagte das DIW voraus. "Es zeichnet sich eine Rezession ab, die tiefer sein wird als die während der Finanzkrise", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Das Institut fordert deshalb ein Konjunkturprogramm.

"Wirtschaft und Gesellschaft brauchen Luft zum Atmen"

Joachim Lang | Bildquelle: dpa
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BDI-Chef Lang fordert ein Konjunkturprogramm.

In der deutschen Wirtschaft wächst die Ungeduld und die Sorge. Der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands BDI, Joachim Lang, sagte, die Frühjahrsprojektion zeige deutlich, wie ernst es um die deutsche Wirtschaft stehe. "Es muss jetzt darum gehen, schnellstmöglich ein Konjunkturprogramm für den Wieder-Hochlauf der industriellen Produktion und die Phasen wirtschaftlicher Stabilisierung und Erholung auf den Weg zu bringen. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen Luft zum Atmen."

Die Bundesrepublik erlebe eine Rezession in diesem Jahr, für deren Ausmaß es in der deutschen Nachkriegsgeschichte kein Beispiel gebe, so Lang. "Sollten die staatlich verordneten Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivitäten bis über die Sommerpause andauern, droht ein stärkerer Einbruch als in der Weltwirtschaftskrise vor rund 90 Jahren."

Verbände fordern schnelle Lockerungen

In einem Schreiben mehrerer Wirtschaftsverbände an das Kanzleramt wird vor einer Verschiebung von Entscheidungen über weitere Lockerungen auf kommende Woche gewarnt. Das wirtschaftliche Leben müsse ab dem 4. Mai reaktiviert werden. "Die Angst in den Unternehmen vor dem Untergang schlägt in tiefe Verzweiflung und mitunter auch in Fassungslosigkeit um, wenn existenzielle Entscheidungen im Wochentakt vertagt werden", heißt es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Verfasst haben das Schreiben unter anderem der Hotel- und Gaststättenverband, der Handelsverband, der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie und der Außenhandelsverband.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. April 2020 um 15:00 Uhr.

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