Alibaba | Bildquelle: REUTERS

Internet-Shopping in China Konsum-Sprint der Millionen

Stand: 11.11.2019 11:19 Uhr

Die "olympischen Spiele der Shopping-Welt" nennt der chinesische Internetkonzern Alibaba den 11.11. Millionen Chinesen klicken an diesem Datum nach Schnäppchen. Der große Gewinner ist Alibaba.

Von Birgit Eger, ARD-Studio Shanghai

Der Super-Sonderangebotstag am Firmensitz von Alibaba in Hangzhou wird auf die Sekunde genau um Mitternacht eröffnet. Wer bei der Firmenparty mit internationalen Stars dabei sein wollte, musste sich schon Monate vorher um Karten kümmern.

Die Schnäppchen-Profis sitzen aber zuhause vor dem Computer. Sie haben die gewünschten Produkte vorgemerkt und das Internet getestet, um dann um Punkt zwölf Uhr auf die Maus zu drücken.

Startschuss zum Konsum-Sprint

Bereits eine Stunde nach Beginn der Aktion hat Alipay, der Online Bezahl-Dienst von Alibaba,  nach eigenen Angaben umgerechnet knapp elf Milliarden Euro umgesetzt. Eine Kundin erzählt: "Ich kaufe ein Paar Turnschuhe, Kleidung  und vor allem Sportklamotten, die sind 30 Prozent billiger." Eine Menge habe sie gekauft und dabei das meiste Geld für Kosmetik ausgegeben.

alibaba | Bildquelle: REUTERS
galerie

Superstar Taylor Swift bei der Alibaba-Party im Hauptquartier in Hangzhou.

Die Händler haben in den vergangenen Tagen online und offline mit günstigen Preisen geworben. Für sie ist dieser Tag der umsatzstärkste im ganzen Jahr:  Der Alibaba-Konzern rechnet mit 500 Millionen Teilnehmern. Selbst im staatlichen Fernsehen wird über diese Marketing-Aktion berichtet, denn dieses Jahr sind die Wirtschaftsdaten nicht so gut.

Privater Konsum als Wachstumsmotor

Das Wirtschaftswachstum ist im Herbst auf sechs Prozent gefallen, der niedrigste Wert seit mehr als 25 Jahren. Der Pressesprecher des Konzerns will deshalb den 11.11. als ein gesellschaftliches Ereignis verstanden wissen. Es gehe nicht um Umsatzzahlen, sondern darum, die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Privater Konsum als Wirtschaftsförderung, die Rechnung könnte aufgehen, meint Maximilian Rech, von der ESSCA School of Management in Shanghai:

"Immer mehr Chinesen sind in der Lage immer mehr Konsumgüter zu kaufen, weil die Mittelklasse in China rund um das Jahr 2020 an der 500 Millionen Marke kratzen wird." Damit werde in Zukunft nicht mehr so viel für den Export produziert, sondern primär für den lokalen Markt.

Alibaba kontrolliert die Lieferkette

Chinesen sind Schnäppchenjäger und kaufen gerne online. Da werden auch mal eben 1000 Euro per Handy überweisen. Der Einzelne hat vielleicht heute ein paar hundert Yuan gespart, aber den großen Gewinn macht vor allem der Internetkonzern Alibaba. Er bekommt laut Analyst Rech nicht nur Prozente von den Händlern, die über seine Internetplattformen anbieten, sondern ihm gehöre auch der der Paketversandkonzern Cainiao:

alibaba | Bildquelle: AP
galerie

11.11.2019: Paketauslieferung in Peking

"Hinzu kommt, dass alle Transaktionen an diesem Tag über Ant-Financial laufen, das frühere Alipay. Und in dem Moment stellt man fest, dass Alibaba durch die Plattform, durch die Logistik, aber auch durch die Finanztransaktionen profitiert."

Die großen deutschen Firmen, Luxusgüter- oder Kosmetikhersteller zum Beispiel, sind bei der Verkaufsrallye auch vertreten. In der Statitistik der beliebtesten ausländischen Produkte rangieren die Deutschen an fünfter Stelle.

Zum Trost für alle Händler und Kunden, die am 11.11. doch nicht das Geschäft ihres Lebens machen konnten, gibt es eine weitere Chance:  Alibaba hat jetzt auch den 12.12. zum Super-Schnäppchentag ausgerufen.

Der 11.11. in China: Shopping statt Karneval
Birgit Eger, ARD Shanghai
11.11.2019 09:28 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 11. November 2019 um 06:17 Uhr in der Sendung "Studio 9".

Darstellung: