Model einer Lithiumbatterie des chinesischen Herstellers CATL | Bildquelle: picture alliance/dpa

E-Auto-Boom Chinas Weg in die Akku-Weltspitze

Stand: 28.03.2019 09:37 Uhr

Die wichtigsten Akku-Hersteller für E-Autos kommen aus Asien, besonders schnell wuchsen zuletzt chinesische Unternehmen. Für europäische Firmen könnte es schon zu spät sein.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Von Null auf Hundert in relativ kurzer Zeit: Das hat der chinesische CATL-Konzern geschafft. An dem börsennotierten Unternehmen aus der ostchinesischen Küstenstadt Ningde kommt man inzwischen nicht mehr vorbei, wenn man sich mit dem E-Auto-Boom im Allgemeinen und den Akku-Herstellern im Speziellen beschäftigt.

"CATL überragt in China inzwischen alle anderen Hersteller mit deutlichem Abstand", sagt Mark Newman von der Hongkonger Beratungsfirma Bernstein Research. Durch die enorme Nachfrage nach Akkus für E-Autos in China habe das Unternehmen eine Größe erreicht, mit dem es sogar die koreanischen Hersteller in den Schatten stelle. "Was Qualität und Technologie angeht, liegt CATL zwar noch hinter den Koreanern, das machen sie aber durch ihre Größe wett."

Der unscheinbare Firmenname CATL steht für "Contemporary Amperex Technology Limited". Das Unternehmen existiert in der jetzigen Form erst seit 2011. Seit Mitte vergangenen Jahres ist es an der Börse von Shenzhen gelistet. Firmengründer Zeng Yuqun gab sich beim Börsengang im Juni 2018 selbstbewusst: "Unser Unternehmen ist führend im Bereich Batterie-Technik, Rohstoffe, Herstellung, Verkauf, Kundendienst und Akku-Recycling", sagte er. "Wir haben also mit unserer Strategie die gesamte Lieferkette im Blick. Auch bei Forschung und Entwicklung sind wir Weltklasse."

Hilfe vom Staat

Der zweite wichtige chinesische Akku-Hersteller ist der Autokonzern BYD. Er produziert vor allem, aber nicht nur für seine eigene Flotte. Groß geworden sind beide Firmen vor allem dank der klar protektionistischen Wirtschaftspolitik der chinesischen Staats- und Parteiführung. Die entschied vor einigen Jahren de facto: Wer in China E-Autos baut, muss Akkus aus heimischer Produktion einbauen. Das gilt für inländische Unternehmen wie Geely, Brilliance oder Nio, aber auch für ausländische wie BMW oder Volkswagen.

"Chinas Regierung hat kräftig geholfen beim Aufbau der heimischen Batterie-Industrie", erklärt Zeng Zhilin von der Shanghaier Unternehmensberatung LMC Automotive. "Vor allem eben dadurch, dass nur die E-Auto-Hersteller Subventionen bekommen haben, die inländische, in China produzierte Akkus verwenden."

Fürs schnelle Wachstum der chinesischen Akku-Hersteller sorgte also vor allem der Staat. Technologisch profitierten sie auch von Fachwissen aus dem Ausland. CATL etwa arbeitete schon früh mit dem chinesischen Autohersteller Brilliance zusammen und so indirekt auch mit BMW. Denn der Münchener Dax-Konzern betreibt in China ein Joint Venture mit Brilliance.

"Die Kunden von CATL sahen, dass deren Akkus in China von BMW zertifiziert wurden", sagt Auto-Experte Zeng Zhilin. "Das hat dem Image natürlich gut getan." BYD wiederum habe sehr von der Zusammenarbeit mit Daimler profitiert. "Denn beide Firmen haben zusammen in China das Elektroauto Denza entwickelt. Das konnte sich hier zwar nicht durchsetzen, aber die Kooperation mit Daimler hat BYD sehr geholfen."

"Big Five" aus Asien

Die fünf wichtigsten Auto-Akku-Hersteller der Welt kommen allesamt aus Asien, sie beherrschen inzwischen rund 80 Prozent des Marktes. Neben CATL und BYD sind das Panasonic aus Japan sowie LG und Samsung aus Südkorea. Der Analyst Mark Newman von der Beratungsfirma Bernstein hält es grundsätzlich für eine gute Idee, dass nun auch europäische Firmen eine eigene Batterie-Fertigung aufbauen wollen, mit kräftiger Unterstützung durch den Staat. Doch eine Chance gegen die asiatischen Firmen habe Europa nur, wenn es statt auf bewährte Konzepte auf neue Akku-Technologien setze.

"Im Bereich der Lithium-Ionen-Akkus ist es schlicht und einfach zu spät", sagt er. "Hier sind die 'Big Five' aus Asien technologisch und in ihrer Größe so sehr im Vorteil, dass es sehr schwierig wird, ihnen auch nur annähernd das Wasser zu reichen."


CATL und BYD: Wie der E-Auto-Boom Chinas Akku-Hersteller groß gemacht hat
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
18.03.2019 11:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der "Wirtschaft am Mittag" am 19. Juli 2018 um 13:35 Uhr.

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