Ein Airbus A380 landet am Flughafen Frankfurt am Main. | Bildquelle: AP

Aus für Airbus A380 Teuer zu betanken, schwer auszulasten

Stand: 14.02.2019 13:29 Uhr

Bei seiner Markteinführung wurde der A380 gefeiert, dann folgte Ernüchterung: Der Gigant hob bei vielen Airlines halb leer ab. Sein Aus ist keine Überraschung - und nicht das Ende für Airbus.

Von Gerrit Rudolph, HR

Die ersten Großraumflieger des Typs Airbus A380 wurden bejubelt und gefeiert. Zum Beispiel von der Lufthansa, als die größte deutsche Airline im Mai 2010 ihr erstes Modell des Giganten auf dem Frankfurter Flughafen mit viel Tamtam in Empfang nahm. "Wir sind froh, dass wir das Flugzeug jetzt haben", sagte der damalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Doch die Feierstimmung verflog schon nach wenigen Jahren wieder.

Der Großraumjet erwies sich als viel zu teuer. Er ist schwer auszulasten und verbraucht mit seinen vier mächtigen Triebwerken vergleichsweise viel Kerosin. Zwischenzeitlich stürzte er Airbus gar in eine Krise. Anfang 2018 hatte Airbus erstmals angekündigt, die Produktion seines Flaggschiffs einzustellen, weil es nicht mehr bestellt wurde.

"Wer kann sich leisten, mit halb voller Maschine zu fliegen?"

Doch kurz darauf orderte Großkunde Emirates 20 neue Maschinen. Dennoch sahen Branchenbeobachter zu diesem Zeitpunkt das Ende des A380-Programms nah. Airbus hatte 20 Milliarden Euro in die Entwicklung des Fliegers investiert und den Markt offenbar falsch eingeschätzt. Schon damals war kaum abzusehen, wie die Entwicklungskosten wieder hereinkommen sollten.  

Die Entscheidung von Airbus kommt jetzt also nicht überraschend. Sie ist vor allem konsequent, meint ARD-Luftfahrtexperte Michael Immel: "Ein derart großes Flugzeug auszulasten ist schon eine wirkliche Herausforderung. Wer kann sich das leisten, mit einer halb vollen Maschine zu fliegen? Viele Airlines haben daher auch nur auf eine kleine, überschaubare A380-Flotte gesetzt. In puncto Wirtschaftlichkeit ist natürlich auch der Kerosinverbrauch zu sehen. Das ist für viele Fluggesellschaften einfach nicht wirtschaftlich gewesen. Für die Airlines gibt es Alternativen, mit der A350 selbst aus dem Hause Airbus."

alt Arbeiten am A380

Hier wird am A380 gebaut

Die Fertigung des A380 ist auf mehrere Standorte in Europa verteilt. In Deutschland ist Hamburg-Finkenwerder der wichtigste Produktionsort. Hier werden unter anderem Teile von Rumpf und Bug gefertigt. Auch die Außenhaut wird in Hamburg lackiert sowie die Kabine ausgestattet.

Bremen produziert die Landeklappen, Stade das Seitenleitwerk und Buxtehude die Kabinenkommunikation. Die Auslieferung an einen Teil der Kunden ist dann wieder in Hamburg angesiedelt.

Im französischen Toulouse, Sitz des Airbus-Konzerns, wird an der Flugsteuerung gearbeitet. Hier  erfolgt die Endfertigung. Weitere Standorte in Frankreich sind Nantes und Saint-Nazaire. Broughton in Großbritannien ist für die Flügel zuständig. Auch im spanischen Getafe wird am A380 mitgearbeitet.

Viele Flughäfen mussten eigens umbauen

Begonnen hat die Geschichte von Airbus in den 1960er-Jahren als ein europäisches Projekt, politisch gewollt und finanziell gestützt vor allem von den Regierungen Deutschlands und Frankreichs. Airbus als europäischer Konkurrent der scheinbar übermächtigen amerikanischen Boeing. Das funktionierte.

Ausgeliefert wurden in den vergangenen 15 Jahren von Airbus kaum weniger Flugzeuge als von Boeing. Bestellt wurden zuletzt sogar mehr Jets bei Airbus. Vor allem mit dem erfolgreichen Kurz- und Mittel-Strecken-Modell A320neo fliegt Airbus zurzeit Boeing davon. Dank der Auftragseingänge für Kurz- und Mittelstreckenjets steht Airbus sehr gut da.

Ärgerlich ist das Aus für viele Airport-Betreiber, die für den A380 ihre Flughäfen ausbauen mussten. So mussten Landebahnen verlängert und Terminals mit speziellen Fluggastbrücken für den Doppelstocker ausgerüstet werden. Auch die Airlines mussten in ihre Infrastruktur investieren und zum Beispiel größere Wartungshangars bauen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Modell des Airbus A380 in den Händen (Bild von 2010). | Bildquelle: AFP
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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Modell des Airbus A380 in den Händen (Bild von 2010).

Lufthansa nutzt ihre14 Maschinen weiterhin

Ein Lufthansa-Sprecher teilte auf Nachfrage mit, der Entschluss von Airbus habe keine direkten Auswirkungen auf die Airline. Die Lufthansa habe ihre 14 bestellten Exemplare bereits erhalten und werde sie auch weiterhin betreiben. Damit ist die deutsche Airline weltweit der drittgrößte Abnehmer des A380.

Dass es bei den 14 Großraumfliegern geblieben ist und keine weiteren hinzukamen, liegt auch daran, dass der Flugzeug-Gigant schon allein wegen der Spritkosten nur auf sehr wenigen Strecken eingesetzt werden kann, wie der Sprecher erklärte. "Es hat sich gezeigt, dass ein profitabler Einsatz des A380 nur auf den extrem nachgefragten Strecken möglich ist", sagte auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Airbus kündigt Produktionsende des A380 an
tagesthemen 22:15 Uhr, 14.02.2019, Peter Jagla, NDR

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Airbus ist wirtschaftlich stabil

Wie es für die rund 3500 betroffenen Airbus-Mitarbeiter weitergeht, die von der Einstellung der Produktion betroffen sind, ist noch unklar. Airbus will nach eigenen Angaben in den nächsten Wochen Gespräche mit den Sozialpartnern führen. Arbeitsplatzverluste sind nach der Einschätzung von ARD-Luftfahrtexperte Michael Immel kurzfristig wohl nicht zu verhindern: „Wenn ich mir aber die vollen Auftragsbücher von Airbus vor Augen halte ist auch klar, dass der europäische Flugzeugbauer nach wie vor bestens da steht. Und jetzt den Fokus auch auf die Zukunft des Fliegens ausrichtet, Stichwort autonomes Fliegen. Mal schauen, wie viele Flugtaxis in Zukunft abheben. Airbus will da genauso wie Hauptkonkurrent Boeing von Anfang an dabei sein.“

Teile des A380 werden an Airbus-Standorten in Deutschland gefertigt - darunter Hamburg, Bremen, Stade und Augsburg. Angesichts der insgesamt weiterhin guten Auftragslage ist auch das Unternehmen selbst optimistisch, einer Vielzahl von Mitarbeitern andere Jobs anbieten zu können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Februar 2019 um 12:00 Uhr und 15:00 Uhr.

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