Werbung für den 5G-Standard | Bildquelle: AP

Mobilfunkstandard 5G Höhere Auflagen für Netzbetreiber

Stand: 16.11.2018 14:47 Uhr

Bei der Einführung des Mobilfunkstandards 5G nimmt die Bundesnetzagentur die Betreiber nun stärker in die Pflicht. Bis Ende 2024 soll an Bundes- und Landstraßen sowie an Zugstrecken schnelles mobiles Internet verfügbar sein.

Die Bundesnetzagentur hat im finalen Entwurf für die anstehende Auktion der 5G-Frequenzen die Auflagen für die Netzbetreiber erhöht. Die Behörde verschickte nun den Entwurf für die Vergaberegeln an Mitglieder des Beirats der Netzagentur. Sie sollen nun dafür sorgen, dass bis Ende 2024 an allen Bundes- und Landstraßen sowie an allen Zugstrecken schnelles mobiles Internet verfügbar ist.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte, dass die Versteigerung der Frequenzen weiterhin für Frühjahr 2019 geplant sei. Der Beirat der Bonner Behörde werde am 26. November über den Entwurf beraten. Dieser sieht unter anderem bis Ende 2022 die Errichtung von 1000 5G-Basisstationen und 500 Basisstationen in Gebieten vor, wo es bisher keine Versorgung gibt.

5G-Mobilfunkstation von Vodafone | Bildquelle: dpa
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Noch testen die Netzbetreiber den 5G-Standard. Im Frühjahr können sie die Frequenzen ersteigern.

Mindestübertragungsraten auf Verkehrswegen

Bei den Streckenvorgaben sagt die Bundesnetzagentur allerdings nicht explizit, dass hierbei die 5G-Technologie verwendet werden muss. Vielmehr nennt sie Mindestübertragungsraten. Auf Autobahnen, Bundesstraßen und ICE-Strecken sind dies 100 MBit pro Sekunde, auf kleineren Straßen und weniger genutzten Zugstrecken 50 MBit pro Sekunde. Damit könnten die Netzbetreiber mitunter auch auf 4G-Masten zurückgreifen, um die Bedingungen zu erfüllen.

Zuvor hatten führende Manager der Netzbetreiber in einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier schon vor einer "extensiven Ausweitung von Versorgungsauflagen" gewarnt. Damit gemeint ist die Pflicht, auch alle ländlichen Regionen zu hundert Prozent mit teuren 5G-Masten abdecken zu müssen. Diese haben eine geringere Reichweite als die aktuellen 4G-Anlagen - es müssten also deutlich mehr gebaut werden.

Die Netzbetreiber halten eine flächendeckende Versorgung für nicht sinnvoll. Sie sehen im ländlichen Bereich kaum Bedarf nach ultraschnellem Mobilfunk. Aus ihrer Sicht würde hierfür der bisherige 4G-Standard reichen. Der Mobilfunkstandard 5G ist wesentlich schneller als 4G, aber auch deutlich teurer im Ausbau. Allerdings ist er für neue Technologien wie zum Beispiel autonomes Fahren eine wichtige Voraussetzung. Ländliche Gebiete befürchten daher, abgehängt zu werden.

Streitpunkt "National Roaming"

Ein weiterer Streitpunkt bei dem Thema ist das sogenannte "National Roaming", bei dem Netzbetreiber Wettbewerber ohne eigene Infrastruktur auf ihre Antennen lassen müssten. Gegen solche Forderungen aus der Politik waren die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 Sturm gelaufen, damit sie nicht einem neuen Konkurrenten den Weg ebnen müssen.

Die Vergaberegeln sehen nun vor, dass die Netzbetreiber mit externen Konkurrenten über Kooperationen verhandeln sollen - tun sie es nicht oder nicht ausreichend, könnte die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter eingreifen und Zwangs- und Bußgelder verhängen.

Zudem bleibt die Regulierungsbehörde dabei, dass bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in Reichweite des schnellen Netzes sind (mindestens 100 MBit pro Sekunde). Die Bezugsgröße ist also nicht die Fläche - das heißt, dass in abgelegenen Gebieten weiterhin Funklöcher sein können. Da der Ausbau entlang des Straßen- und Streckennetzes aber forciert wird, könnten andere Funklöcher künftig wegfallen.

Neue Kritik an Vergaberegeln

Ein Bündnis von Wirtschaftsvertretern forderte die Bundesnetzagentur nun auf, die Regeln für die 5G-Versteigerung nachzubessern. Ziel sei ein hochleistungsfähiges Internet. Dies müsse nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land flächendeckend zur Verfügung gestellt werden, verlangten Industrie- und Handelskammertag, Handwerksverband, Bauernverband und Landkreistag.

Sie schlugen eine Versteigerung in zwei Stufen vor: Zuerst müssten die Mobilfunkanbieter nicht lukrative Gebiete übernehmen und diese mit 5G versorgen - dann erst würden die lukrativen Gebiete versteigert. Die Lizenzgebühren dafür würden die Bieter danach zurückerstattet bekommen, und zwar abhängig davon, wie viel sie für die Versorgung nicht lukrativer Gebiete investieren müssen. 

5G-Ausschreibung: Bundesnetzagentur macht Mobilfunkanbietern mehr Druck
Marcel Heberlein, ARD Berlin
16.11.2018 18:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. November 2018 um 18:33 Uhr.

Brief von Telekom, Telefonica und Vodafone an Peter Altmaier

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