Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis in Istanbul | dpa

Deniz Yücel Nicht in Deutschland, "aber unter Freunden"

Stand: 17.02.2018 20:01 Uhr

Am Freitag war Deniz Yücel aus türkischer Haft entlassen und nach Berlin geflogen worden. Inzwischen befindet er sich im Ausland. Die Bundesregierung will sich für weitere Inhaftierte einsetzen.

Der am Freitag aus türkischer Haft entlassene "Welt"-Journalist Deniz Yücel hat Deutschland nach einem Zwischenstopp bereits wieder verlassen. "Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden", twitterte der 44-Jährige und veröffentlichte dazu ein Foto, das ihn neben seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel und mit acht weiteren Menschen auf einer Wiese zeigt.

Yücel hatte in der Türkei wegen Terrorvorwürfen ohne Anklage in Untersuchungshaft gesessen. Er war erst am späten Freitagabend aus Istanbul kommend in Berlin gelandet. "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt rief dazu auf, Yücel seine Ruhe zu lassen. "Wir bekommen Dutzende von Anfragen zu Deniz", schrieb Poschardt bei Twitter. "Deniz geht es gut, er genießt sein Leben in Freiheit, wir lassen ihn in Ruhe. Einverstanden?"

Verwundert über Hergang der Freilassung

In einem im Internet veröffentlichten Video bedankte sich Yücel bei seinen Unterstützern. Zugleich zeigte er sich verwundert über den Hergang seiner Freilassung. Noch vor wenigen Tagen habe ein Gericht die Fortdauer der Haft angeordnet. Er wisse immer noch nicht, warum er vor einem Jahr "als Geisel genommen wurde" und warum er am Freitag freigelassen worden sei, sagte Yücel. Seine Verhaftung und seine Freilassung hätten nichts mit Recht und Gesetz zu tun. "Natürlich freue ich mich, aber es bleibt etwas Bitteres zurück."

Aus türkischen Behördenkreisen hieß es, es sei alles nach rechtsstaatlichen Prinzipien abgelaufen. Gerichte können in der Türkei zu Beginn eines Verfahrens oder auch davor verfügen, dass Verdächtige aus der Untersuchungshaft frei kommen. Regierungskritiker zweifeln daran, dass die Justiz wirklich unabhängig entschieden hat, dass Yücel frei kommt.

Bemühen um weitere Inhaftierte

Das Auswärtige Amt will sich nun mit gleicher Kraft für andere zu Unrecht Inhaftierte in der Türkei einsetzen. Man müsse weiter mit der türkischen Seite im Gespräch bleiben, sagte Michael Roth, der Staatsminister im Auswärtigen Amt. Es seien noch fünf deutsche Staatsbürger mutmaßlich aus politischen Gründen in der Türkei in Haft. Zudem gebe es eine große Zahl von Journalisten, Künstlern und Wissenschaftlern, die vermutlich unschuldig in türkischen Gefängnissen säßen.

Es sei die oberste Pflicht des Auswärtigen Amts, "dafür zu sorgen, dass wir unseren Bürgerinnen und Bürgern helfen, und dass wir auch der Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten zum Durchbruch verhelfen", sagte Roth. Zugleich bekräftigte der Staatsminister, es habe im Fall Yücel "keinerlei Deals und erst recht keine schmutzigen Deals", also keine Rüstungszugeständnisse, gegeben.

Maas: Nur ein Anfang

In der Debatte, wie sich die Freilassung Yücels auf das deutsch-türkische Verhältnis auswirkt, überwiegen die mahnenden und skeptischen Stimmen. Justizminister Heiko Maas sagte, die Freilassung Yücels könne nur ein Anfang sein. "Jede Unterdrückung von kritischer Berichterstattung ist mit unserem Verständnis von Pressefreiheit nicht vereinbar. Wir werden im Blick behalten, inwiefern es in der Türkei durch staatliche Maßnahmen zu einem Druck auf die Presse und auch die Justiz kommt", so Maas weiter.

Unionsfraktionschef Volker Kauder dämpfte Hoffnungen auf eine bessere Beziehung zur Türkei. Die Freilassung bedeute nicht, dass nun alle Probleme in den bilateralen Beziehungen ausgeräumt seien, sagte er der "Rheinischen Post". Er listete eine Reihe von Missständen auf: "Wir denken nur an andere Inhaftierte, darunter auch Deutsche, die ebenfalls unter rechtsstaatlich fragwürdigen Bedingungen in den Gefängnissen sitzen."

Sorge bereite außerdem die Lage der Menschenrechte und insbesondere der Religionsfreiheit in der Türkei. Bis zu einer Normalisierung der Beziehungen auf ein Niveau, wie es unter NATO-Partnern üblich wäre, sei es noch ein weiter Weg. "Ein Schritt ist nun immerhin gemacht."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Februar 2018 um 20:00 Uhr.