Der Begriff “Wellenbrecher“ ist auf einem Handydisplay zu lesen. | picture alliance/dpa

Gesellschaft für deutsche Sprache "Wellenbrecher" ist das "Wort des Jahres"

Stand: 03.12.2021 14:19 Uhr

Die Corona-Pandemie hat erneut die Wahl zum "Wort des Jahres" bestimmt. Mit "Wellenbrecher" entschied sich die Gesellschaft für deutsche Sprache für einen Begriff, der auch für einen positiven Ausblick stehen soll.

Von Joscha Bartlitz, HR  

Welches Wort ist es wohl diesmal? Das "Wort des Jahres" 2021 war bis zuletzt ein wohl gehütetes Geheimnis der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden. Am Vormittag verkündete ihr Vorsitzender Peter Schlobinski ein Ergebnis, das allerdings wenig überraschte: Auch in diesem Jahr hat es - wie erwartet - mit Corona zu tun. Das "Wort des Jahres" lautet "Wellenbrecher".

Joscha Bartlitz

"Das Wort steht für alle Maßnahmen, die getroffen wurden und werden, um die vierte Corona-Welle zu brechen", begründete Sprachwissenschaftler Schlobinski die Wahl der Jury, bestehend aus dem GfdS-Vorstand sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Aus Küstenschutz und Schiffbau bekannt

Das aus Küstenschutz und Schiffbau bekannte Wort "Wellenbrecher" habe durch das auch 2021 beherrschende Thema - die Corona-Pandemie - eine Reihe von neuen Bedeutungen angenommen. "Es stand unter anderem für Maßnahmen gegen Covid-19, für den Zeitraum, in dem solche Maßnahmen gelten sollen, und auch für eine Person, die sich nach ihnen richtet", erläuterte Schlobinski.

Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem kein anderes Thema die öffentlichen Debatten so stark dominiert wie Corona. Schon das "Wort des Jahres" 2020 schien wenig überraschend: "Corona-Pandemie". 2019 wurde letztmals ein Begriff zum Sieger erklärt, der nichts mit Corona zu tun hatte: "Respektrente".

"Wort des Jahres"

2021: Wellenbrecher
2020: Corona-Pandemie
2019: Respektrente
2018: Heißzeit
2017: Jamaika-Aus
2016: Postfaktisch
2015: Flüchtlinge
2014: Lichtgrenze
2013: GroKo
2012: Rettungsroutine
2011: Stresstest
2010: Wutbürger
2009: Abwrackprämie
2008: Finanzkrise
2007: Klimakatastrophe
2006: Fanmeile
2005: Bundeskanzlerin
2004: Hartz IV
2003: Das alte Europa
2002: Teuro
2001: Der 11. September

Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürt seit 1977 regelmäßig das "Wort des Jahres". In diesem Jahr wählte die Jury dafür aus etwa 2250 Wörtern aus, gesammelt aus verschiedenen Medien sowie zahlreichen Einsendungen von Außenstehenden. Allein mehr als 700 dieser Vorschläge hatten in diesem Jahr mit Corona zu tun, so Schlobinski.

"SolidAHRität" und "Pflexit"“ auf Platz zwei und drei

Die Häufigkeit des Sieger-Wortes sei allerdings nicht das einzig entscheidende Kriterium. Vielmehr gehe es auch darum, "bestimmte thematische Bereiche abzubilden, die in diesem Jahr besonders wichtig waren", so Schlobinski. Dazu gehörten im vergangenen Jahr etwa auch Politik und Klima.

In der Top-Ten-Liste der prägendsten Wörter des fast abgelaufenen Jahres steht "SolidAHRität" auf Rang zwei - eine besondere Schreibweise des Wortes "Solidarität" mit Bezug auf die Flutkastrophe, die Mitte des Jahres vor allem die Region "AHR" traf und die die große Hilfsbereitschaft vieler Menschen widerspiegelt.

Auf Platz drei landete das Wort "Pflexit", gebildet aus der Kombination aus "Pflege" und "Exit", das für das gesellschaftliche Problem des wachsenden Pflegenotstands in Deutschland stehe, wie Peter Schlobinski erklärte.

"Wellenbrecher" - ein Wort als "kleine Ermutigung"

Um den Sieger "Wellenbrecher" gab es übrigens dieses Mal "eine heiße Diskussion in der Jury", fügte Schlobinski hinzu. Das Wort setzte sich am Ende auch gegen die Konkurrenten "Impfflicht" und "Booster" durch, die auf Platz vier und sieben landeten. Ein Grund dafür laut Schlobinski: "Ich glaube, dass es auch eine Rolle gespielt hat, dass mit dem Wort 'Wellenbrecher' eine positive Zukunftsperspektive verbunden ist.“ Das Wort stelle auch "eine kleine Ermutigung dar, dass es uns gelingt, diese Welle und möglichst auch in der Zukunft Wellen zu brechen oder diese durch bestimmte Maßnahmen gar nicht erst entstehen zu lassen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.