Sahra Wagenknecht | Bildquelle: AP

Wagenknechts "Aufstehen"-Rückzug Viel Häme - und ein bisschen Hoffnung

Stand: 17.03.2019 19:26 Uhr

"Peinlich", "Gute Nachricht", "Utopie": Mehrere Politiker haben den Rückzug Wagenknechts aus der "Aufstehen"-Führung kritisch kommentiert. Mitgründer und Ehemann Lafontaine glaubt weiter an die Bewegung.

Mit Kritik und Häme haben politische Gegner auf den Rückzug Sahras Wagenknecht aus der Spitze der "Aufstehen"-Bewegung reagiert. "Wagenknecht bleibt liegen. Will nicht mehr aufstehen. Die Arbeit sollen jetzt andere machen. Peinlich", twitterte der SPD-Politiker Johannes Kahrs.

Von einer "guten Nachricht" sprach sein Parteikollege Simon Vaut, SPD-Europakandidat aus Brandenburg. Wagenknecht sei mit ihrer Bewegung sang- und klanglos gescheitert: "Ihr nationaler Sozialismus schadet." Rot-Rot-Grün sei nun "wieder ein bisschen wahrscheinlicher geworden".

"Bloße Utopie"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke schrieb auf Twitter: "'Aufstehen' ist schon wieder am Ende, der linke Traum bleibt wie zu erwarten eine bloße Utopie."

Auch in den eigenen Reihen wurde Wagenknecht angegriffen. Dass die Bewegung scheitern werde, sei von Anfang an klar gewesen, schrieb Anke Domscheit-Berg, die für die Linkspartei im Bundestag sitzt, aber kein Parteimitglied ist. "Man kann Bewegungen nicht von oben anordnen und nicht undemokratisch führen." Es habe Partei und Fraktion sehr belastet, dass Wagenknecht mit "Aufstehen" lange Zeit andere Prioritäten gehabt habe "und inhaltliche Widersprüche zu Fraktions- und Parteipositionen vertrat", kritisierte Domscheit-Berg.

Oscar Lafontaine | Bildquelle: dpa
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Oscar Lafontaine: "Übliche Anfangsschwierigkeiten"

Lafontaine: "Übliche Anfangsschwierigkeiten"

Wagenknecht hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ihren Rückzug angekündigt und dies unter anderem mit "extremem Stress" begründet. "Wir brauchen eine Neuaufstellung an der Spitze von 'Aufstehen'", sagte sie.

Der Mitgründer der Bewegung Oskar Lafontaine glaubt offenbar weiter an den Erfolg der Sammelbewegung. Die Bewegung sei mit mehr als 160.000 Unterstützern "sehr gut gestartet", sagte er der "Bild am Sonntag". "Der Bedarf nach einer Politik, die das Soziale wieder in den Mittelpunkt rückt, ist groß." Lafontaine sprach von "üblichen Anfangsschwierigkeiten".

Zum Vorstand von "Aufstehen" gehörten zuletzt neben Wagenknecht auch Marco Bülow, Fabio De Masi, Ida Schillen, Bernd Stegemann, Sabrina Hoffmann, Hendrik Auhagen und Ludger Volmer.

Wagenknecht will der Bewegung aber weiter treu bleiben. Auf Facebook schrieb sie: "Selbstverständlich werde ich mich weiter für 'Aufstehen' engagieren und die Bewegung mit aller Kraft unterstützen." Es handele sich um ein großartiges Projekt, das gebraucht werde. "Allerdings brauchen wir genau dafür funktionsfähige Strukturen, in den Ländern, vor allem aber an der Spitze. Und meines Erachtens ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir Berufspolitiker uns stärker zurücknehmen und denjenigen mehr Verantwortung übergeben sollten, die die Bewegung an der Basis ohnehin tragen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. März 2019 um 20:00 Uhr.

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